19/05/2026
Wir gedenken heute einer mutigen Demokratin aus Bocholt.
Jeanette Wolff
Am 19. Mai 2026 jährt sich der Todestag von Jeanette Wolff zum 50. Mal.
Sie wurde 1888 in Bocholt geboren. Sie war Sozialdemokratin, Frauenrechtlerin, Gewerkschafterin, bekennende Jüdin, Mitbegründerin der Arbeiterwohlfahrt – und eine Frau, die schon vor 1933 den Mut hatte, den Nationalsozialisten offen die Stirn zu bieten.
Von ihr ist der Satz überliefert:
„Wenn man sich gegen den Misthaufen wehren will, muß man die Mistgabel richtig ansetzen.“
Das war Jeanette Wolff: klar, unerschrocken, kämpferisch. Keine Frau der leisen Andeutungen, sondern eine Demokratin mit Haltung. Eine Frau, die früh erkannte, welche menschenverachtende Gefahr vom Nationalsozialismus ausging – und die nicht schwieg, als Schweigen bequemer gewesen wäre.
Die Nationalsozialisten verfolgten sie politisch und antisemitisch. Sie wurde entrechtet, deportiert und überlebte den Holocaust. Nahezu ihre gesamte Familie wurde ermordet.
Und doch blieb Jeanette Wolff nach 1945 nicht stehen in Schmerz, Verlust und Bitterkeit. Sie wurde wieder aktiv. Sie kämpfte weiter: für Demokratie, für soziale Gerechtigkeit, für jüdisches Leben, für Wiedergutmachung, für die Rechte der Verfolgten und für ein menschliches Miteinander.
Sie war Berliner Stadtverordnete, Bundestagsabgeordnete, Gewerkschafterin und zuletzt stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland.
Für uns als Arbeiterwohlfahrt ist Jeanette Wolff nicht nur eine historische Persönlichkeit. Sie gehört zu unserem Fundament. Zu unserer Geschichte. Zu unserem Auftrag.
Ihr Leben erinnert uns daran: Demokratie lebt nicht von schönen Sonntagsreden. Demokratie lebt von Menschen, die Haltung zeigen. Von Menschen, die widersprechen. Von Menschen, die sich vor andere stellen, wenn Hass, Antisemitismus, Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit wieder lauter werden.
Jeanette Wolff hat gezeigt:
Zivilcourage ist wichtiger als Heldentum.
Gerade heute dürfen wir diese Erinnerung nicht verblassen lassen.
Als AWO stehen wir für Menschlichkeit, Solidarität, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit. Jeanette Wolff hat diese Werte gelebt – unter Bedingungen, die wir uns kaum vorstellen können.
Ihr Mut bleibt.
Ihre Stimme bleibt.
Ihr Vermächtnis bleibt unser Auftrag.
Wir erinnern an Jeanette Wolff.
Eine Bocholterin. Eine Sozialdemokratin. Eine AWO-Frau. Eine große Demokratin.