19/08/2026
Wenn ein Tier Hilfe braucht, darf es keine Frage des Geldes sein.
Am späten Nachmittag wurde mir ein Graureiher aus Mannheim gemeldet, der bereits seit dem Morgen auf dem Vordach eines Parkhauses saß – in etwa zehn Metern Höhe und der prallen Sonne ausgesetzt.
Die Finderin wandte sich zunächst an den Kommunalen Ordnungsdienst Mannheim und wurde dort abgewiesen.
Daraufhin habe ich selbst beim Kommunalen Ordnungsdienst angerufen. Mir wurde dort mitgeteilt, dass die Tiere nur durch die Berufstierrettung abgeholt würden, wenn sie bereits gesichert seien.
Auf meine Frage, wie ein Tier auf einem rund zehn Meter hohen Vordach denn überhaupt gesichert werden solle, bekam ich keine Antwort. Stattdessen wurde mir erklärt, ein solcher Auftrag würde nicht bezahlt werden.
Das konnte und wollte ich so nicht stehen lassen und habe mich direkt mit der Berufstierrettung in Verbindung gesetzt. Dort wurde mir bestätigt, dass diese Aussage so nicht zutrifft.
Anschließend habe ich die Polizei Mannheim eingeschaltet.
Dort wurde der Fall sofort aufgenommen und sich darum gekümmert. Keine zehn Minuten später lag der Auftrag bei der Berufstierrettung vor.
Da der Graureiher in rund zehn Metern Höhe saß, musste zusätzlich die Feuerwehr Mannheim mit einer Drehleiter hinzugezogen werden. So konnte das Tier schließlich durch die Berufstierrettung sicher geborgen werden.
Der Graureiher kam anschließend zu mir. Er ist erfreulicherweise sehr gut genährt, allerdings stark dehydriert und entsprechend geschwächt.
Er hat momentan deutliche Probleme beim Stehen und Laufen und ist sehr wackelig auf den Beinen. Es ist davon auszugehen, dass er am Parkhausgebäude mit etwas kollidiert ist und sich danach dort auf das Vordach zurückgezogen hat.
Hier angekommen, bekam der Reiher zunächst eine Infusion, um den starken Flüssigkeitsmangel auszugleichen. Außerdem wurde er mit Schmerzmitteln versorgt. Nun heißt es erst einmal Ruhe, Stabilisierung und beobachten, wie er sich weiter entwickelt.
Was mich an diesem Einsatz allerdings besonders fassungslos macht, ist der Umgang mit dem ursprünglichen Hilferuf.
Es kann nicht sein, dass eine Finderin mit einem verletzten oder hilfsbedürftigen Tier am Telefon abgewimmelt wird.
Sie hat sogar ausdrücklich gefragt, ob das Tier dann dort in der Sonne verrecken solle.
Darauf bekam sie keine Antwort.
Auch mir gegenüber blieb letztlich die Frage unbeantwortet, wie ein Tier in zehn Metern Höhe „erst gesichert“ werden soll, bevor überhaupt Hilfe beauftragt wird.
Natürlich kostet ein solcher Einsatz Geld.
Das ist mir bewusst. Aber wir sprechen hier von einem Lebewesen, das offensichtlich Hilfe benötigt und stundenlang in der prallen Sonne auf einem Vordach saß.
Es darf nicht davon abhängen, ob jemand am Telefon einen Auftrag als Kostenfaktor betrachtet oder nicht, ob dieses Tier Hilfe bekommt.
Mein ausdrücklicher Dank geht deshalb an die Polizei Mannheim, die den Fall sofort ernst genommen und ins Rollen gebracht hat, an die Feuerwehr Mannheim, die mit der Drehleiter unterstützt hat, und an die Berufstierrettung, die das Tier letztendlich sichern konnte.
Ganz besonders möchte ich mich auch beim Veterinäramt Mannheim bedanken, das schnell gehandelt und die Freigabe für das Tier erteilt hat, sodass ihm geholfen werden konnte, bevor es dort oben womöglich elendig in der Sonne verendet wäre.
Ich hoffe sehr, dass sich solche Abläufe in Zukunft ändern. Nicht jede Finderin weiß, wen sie anrufen muss oder welche Stelle letztendlich zuständig ist. Genau dafür sollte es funktionierende Strukturen geben.
Ein hilfsbedürftiges Tier darf nicht von Zuständigkeiten, Telefonaten und Kostenfragen abhängig gemacht werden.
Heute hatte dieser Graureiher Glück. Er ist in Sicherheit und bekommt die notwendige Versorgung.
Jetzt hoffen wir, dass er sich von der Dehydrierung, der möglichen Kollision und der damit verbundenen Schwäche wieder vollständig erholt.
Berufstierrettung Rhein Neckar
Polizei Mannheim