01/06/2026
Unser Spendenkalender-Motiv für Juni ist Kenji, der schwarze Schatten der Hellhounds. Wenn du ihn siehst, ist es meist schon zu spät. Ein gewaltiger ostdeutscher Schäferhund, angeschafft als Welpe im Sinne vom Familienhund, aus dem Haus geschafft und in den Garten abgeschoben, mit viel Angst.
Ja, man kann sagen, dass Kenji gelernt hat, mit Menschen umzugehen und zwar nach seinen Konditionen und vermutlich auch so, wie es ein so brachiales großes Wesen eben tut, wenn man ihm eine so andersartige und typisch menschlich eben auch wenig am Ernst des Lebens orientierte Familie zuteilt. Denn nein, Kenji hatte keine schlechte Kindheit. Er wurde umsorgt und geliebt und wuchs sehr sorgenfrei am Rande von Berlin auf. Doch wie das so ist mit den wohlbehüteten Kindern: Sie wachsen auf und plötzlich schlägt das Leben zu, und nicht gelernte Superkräfte wie Frustrationstoleranz, Konfliktbewältigung und Krisenmanagement wandeln sich in Aggression und Gewalt, wenn die heile Welt zerbricht. In diesem Fall musste Kenji lernen, zurückzustecken, gewohnte Rituale blieben hier und da aus. Die Familie bekam Zuwachs. Es war aufregend, stressig und Kenji? Ja, der wurde erwachsen und hatte auch noch Fragen. Fragen, wer für Sicherheit sorgt, wenn Frauchen jetzt mehr schläft und vorsichtiger ist? Wer regelt jetzt das soziale Gefüge in der Familie, wenn Herrchen so gestresst und aufgeregt ist? Kenji … er wurde leinenpöbelig, er wurde wachsam, er wurde all das, was Menschen nicht mehr erfüllten. Langsam und schleichend. Hier und da etwas störend, manchmal so störend, dass man den Gassigang dann eben sehr spät nachts machte. Der Rüde und seine Familie entfremdeten sich immer mehr, so sehr, dass Kenji seine Halter irgendwann krass infrage stellte und es im späteren Verlauf schwer eskalierte. Als wir zur Hilfe gerufen wurden, war die Lage bereits sehr angespannt. Kenji wurde nur noch im Garten gehalten, man hatte Angst, ihn ins Haus zu holen, da er knurrte und die Zähne fletschte, wenn man sich ihm näherte. Mit Kind im Haus ein nervenaufreibendes Zusammenleben.
Also ist die Hellhound Crew ausgerückt, um den Nachtschatten einzufangen und aufzufangen.
2 Jahre war er damals, 5 ist er heute und der Albtraum mit sandfarbenen Füßen für jeden Schäferhund-Fan, der da noch an ein leicht unterzuordnendes, loyales Wesen glaubt. Kenji ist wild, sozial hoch intelligent und durchschaut Menschen bis ins Knochenmark. Nicht böse, aber eben das, was der Mensch so gerne im Zusammensein mit Tieren romantisiert: Anerkennung, Loyalität, Zugehörigkeit.
All das ist auch bei Kenji zu finden, wenn man als Mensch fähig ist, einem derart wilden Charakter nicht mit Angst und der Not zu begegnen, ihn zu brechen, sondern klar und geerdet die Tür offen lässt.
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