Kunststiftung Ruth Baumgarte

Kunststiftung Ruth Baumgarte 2012 hat die Künstlerin Ruth Baumgarte im Alter von 88 Jahren die Kunststiftung Ruth Baumgarte gegrün Dem Beirat gehören neben Frau Brauer u.a.

Ruth Baumgarte (1923 - 2013), Stifterin des nach ihr benannten Kunstpreises, studierte von 1941 bis 1944 an der Hochschule für bildende Künste Berlin. Sie arbeitete als Illustratorin für Presse und Buchverlage, bevor sie sich Anfang der 1970er Jahre ausschließlich freiem künstlerischen Arbeiten zuwandte. Infolge zahlreicher Reisen in vorwiegend süd- und ostafrikanische Länder entstand ein expressi

ves Werk, welches stark am Menschen ausgerichtet und von der Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen und globalen Fragestellungen durchdrungen ist. Der rund 100 Arbeiten umfassende Afrika-Zyklus der Künstlerin war zuletzt im Ludwig Museum Koblenz (2017/18), im Ludwig Museum des State Russian Museum St. Petersburg (2018) und im Städtischen Museum Braunschweig (2019) zu sehen. Wenige Monate vor ihrem Tod gründete die Künstlerin 2012 die gemeinnützige Kunststiftung Ruth Baumgarte, die nicht nur ihr umfangreiches, eigenes künstlerisches Werk für namhafte institutionelle Ausstellungen verwaltet, sondern auch alljährlich einen entsprechend gut dotierten Kunstpreis an eine/n gegenständlich arbeitende/n Künstlerin/Künstler verleiht. Den Vorsitz der Stiftung bekleidet Sohn Alexander Baumgarte auf Lebenszeit. Herr Dr. Reinhard Spieler (Direktor des Sprengel Museums Hannover), Frau Bettina Steinbrügge (Direktorin des Hamburger Kunstvereins), Herr Christian Nagel (Galerie Nagel Draxler) sowie Frau Ingeborg Henze-Ketterer und Herr Dr. Wolfgang Henze (Galerie Henze & Ketterer, Wichtrach/Bern und Nachlassverwaltung Ernst Ludwig Kirchner) an.

Ayeye! – Wo Farben Erinnerung werdenManche Werke begegnen sich nicht über ihre Motive, sondern über ihre Ausstrahlung. R...
30/08/2026

Ayeye! – Wo Farben Erinnerung werden

Manche Werke begegnen sich nicht über ihre Motive, sondern über ihre Ausstrahlung. Ruth Baumgartes „Afrikanische Komposition“ (um 2011) und Jimoh Buraimohs „Before the Creation“ treten in der Ausstellung unmittelbar über Eck in einen stillen Dialog. Gerade ihre Unterschiedlichkeit lässt eine überraschende Harmonie entstehen: Das eine Bild scheint sich in Erinnerung aufzulösen, das andere erzählt vom schöpferischen Anfang.

Ruth Baumgarte (1923–2013) schuf mit der „Afrikanischen Komposition“ ihre letzte afrikanische Landschaft. Das Werk wirkt wie ein malerischer Rückblick auf jahrzehntelange Reisen und Begegnungen. Figuren tauchen aus leuchtenden Gelb-, Grün- und Orangetönen hervor und lösen sich wieder im Farbraum auf. Die Landschaft wird zur Erinnerung, deren Konturen allmählich verblassen. Farbe beschreibt hier nicht Wirklichkeit, sondern Licht, Atmosphäre und persönliches Erinnern.

Jimoh Buraimoh (*1943, Nigeria) verfolgt einen anderen Ansatz. In „Before the Creation“ verbindet er Malerei und Glasperlen zu einer reliefartigen Oberfläche, die das Licht einfängt. Der Titel verweist auf den Ursprung der Welt. Rhythmisch geordnete Formen und leuchtende Farben vermitteln den Eindruck schöpferischer Energie, aus der alles Leben hervorgeht.

Gerade im Nebeneinander entfalten beide Werke ihre besondere Kraft. Baumgartes Bild blickt auf gelebte Erinnerung zurück, Buraimohs Werk auf den Beginn allen Werdens. Das eine erzählt vom Nachklang, das andere vom Ursprung. Verbunden werden beide durch ihre außergewöhnliche Farbigkeit, die Erinnerung und Schöpfung in einen gemeinsamen Bildraum führt.
So zeigt Ayeye!, dass Kunst nicht nur Räume, sondern auch Zeiten miteinander verbindet – zwischen Abschied und Anfang.

Ayeye! – Nähe und DistanzWie nah darf ein Mensch dem anderen kommen? Ruth Baumgartes „A Man Without Livestock Isn’t a Ma...
23/08/2026

Ayeye! – Nähe und Distanz

Wie nah darf ein Mensch dem anderen kommen? Ruth Baumgartes „A Man Without Livestock Isn’t a Man“ (1994) und Richard Onyangos „Drosie and Me“ (1992) stellen diese Frage auf unterschiedliche Weise. Beide Werke zeigen Gesten körperlicher Annäherung, die zugleich Vertrautheit und Irritation auslösen.

Ruth Baumgarte (1923–2013) verdichtet ihre Komposition zu einer intensiven Begegnung zweier Figuren. Die weit ausgestreckten Arme greifen tief in den Bildraum hinein und überschreiten beinahe die Grenze zum Betrachter. Der Titel verweist auf die Bedeutung von Vieh als Ausdruck von Wohlstand, sozialem Ansehen und Identität. Doch Baumgarte schildert keine ethnografische Szene. Im Mittelpunkt stehen zwischenmenschliche Beziehungen, Nähe, Abhängigkeit und die Körpersprache der Begegnung. Die leuchtende Farbigkeit steigert die emotionale Intensität.

Auch Richard Onyango (*1960, Kenia) macht die menschliche Geste zum eigentlichen Bildthema. In „Drosie and Me“ beugen sich zwei Figuren über einen Billardtisch. Ihre Körper verschränken sich so ungewöhnlich, dass offenbleibt, ob wir Unterstützung, spielerische Vertrautheit oder subtile Dominanz erleben. Die überdehnten Haltungen verleihen der Szene eine beinahe theatralische Spannung.

Gerade hierin begegnen sich beide Werke. Baumgarte und Onyango zeigen den Menschen nicht als isoliertes Individuum, sondern im Verhältnis zu seinem Gegenüber. Berührung, Haltung und Geste werden zu Trägern sozialer Beziehungen und werfen Fragen nach Vertrauen, Macht, Gemeinschaft und persönlichem Raum auf.

So macht Ayeye! sichtbar, dass menschliche Beziehungen oft weniger durch Worte als durch Gesten und Körperhaltungen erzählt werden – zwischen Nähe und Distanz, Fürsorge und Spannung.

Ayeye! – Die Kraft der FarbeEs gibt Bilder, deren Wirkung sich zunächst über die Farbe entfaltet. Ruth Baumgartes „Rückk...
16/08/2026

Ayeye! – Die Kraft der Farbe

Es gibt Bilder, deren Wirkung sich zunächst über die Farbe entfaltet. Ruth Baumgartes „Rückkehr (Return)“ (1994) und Jimoh Buraimohs „Ohne Titel (Reiter)“ (um 1995) beeindrucken durch ihre leuchtende Intensität. Kräftige Gelb-, Rot-, Grün- und Blautöne verleihen beiden Kompositionen eine Energie, die weit über die Darstellung einzelner Motive hinausreicht.

Ruth Baumgarte (1923–2013) verbindet in Rückkehr Menschen, Tiere und Landschaft zu einer dynamischen Bildwelt. Die Komposition wirkt wie ein fließender Bewegungsstrom. Farbe modelliert nicht nur Formen, sondern erzeugt Licht, Rhythmus und emotionale Spannung. Der Titel verweist auf Heimkehr, doch das Bild erzählt vor allem von Gemeinschaft, Wiedersehen und dem Kreislauf des Lebens.

Auch Jimoh Buraimoh (1943–2025, Nigeria), einer der bedeutenden Vertreter der Yoruba-Kunst, versteht Farbe als eigenständige Ausdruckskraft. Sein Reiter löst die Figur in ein Geflecht geometrischer Formen und leuchtender Farbfelder auf. Gegenständlichkeit und Abstraktion verschmelzen zu einer rhythmischen Komposition, in der Bewegung, Stärke und kulturelle Identität sichtbar werden.
Gerade hierin begegnen sich beide Werke.

Baumgarte und Buraimoh begreifen Farbe nicht als dekoratives Element, sondern als Träger von Emotion, Erinnerung und Lebensenergie. Trotz unterschiedlicher Bildsprachen entsteht eine vergleichbare Ausdruckskraft: Beide feiern die Vitalität des Lebens und schaffen Bildwelten voller Dynamik, Optimismus und kultureller Vielfalt.

So zeigt Ayeye!, dass Farbe zur universellen Sprache werden kann. Sie überwindet kulturelle Grenzen und verbindet zwei künstlerische Positionen in ihrer Freude am Leben.

Ayeye! – Spuren der IdentitätAuf den ersten Blick könnten Ruth Baumgartes „Selbstbildnis (...an der Tür)“ (1979) und El ...
09/08/2026

Ayeye! – Spuren der Identität

Auf den ersten Blick könnten Ruth Baumgartes „Selbstbildnis (...an der Tür)“ (1979) und El Anatsuis „When I last wrote to you... II“ kaum unterschiedlicher sein. Hier das gegenständliche Selbstporträt einer Künstlerin, dort eine abstrakte Komposition aus Zeichen und Strukturen. Doch beide Werke kreisen um dieselbe Frage: Wie hinterlässt der Mensch Spuren seiner Identität?

Ruth Baumgarte (1923–2013) richtet den Blick auf sich selbst. Mit Bister, Kreide und Aquarell entwickelt sie ein eindringliches Porträt, das weniger äußerliche Ähnlichkeit als innere Präsenz vermittelt. Der direkte Blick, die konzentrierte Mimik und die zurückhaltende Farbigkeit verleihen der Darstellung stille Intensität. Der Zusatz „…an der Tür“ wird zur Schwelle zwischen Innen und Außen, persönlicher Erfahrung und Begegnung mit der Welt.

El Anatsui (*1944, Ghana) wählt einen anderen Weg. Seine Aquatinta verzichtet auf jede Figuration und erinnert an Schriftzeichen oder symbolische Felder. Der Titel „When I last wrote to you... II“ verweist auf Kommunikation, Erinnerung und das Bewahren von Gedanken. Identität erscheint nicht im Abbild des Menschen, sondern in den Spuren, die Kultur, Erinnerung und Austausch hinterlassen.
Gerade im Kontrast entfaltet sich die Stärke dieser Gegenüberstellung.

Baumgarte sucht das Selbst im Antlitz, Anatsui in der Sprache der Zeichen. Die Künstlerin macht Persönlichkeit sichtbar, der Künstler übersetzt sie in ein offenes System aus Symbolen und Assoziationen. Beide zeigen Identität als fortwährenden Prozess.

„Ayeye!“ macht sichtbar, dass figurative und abstrakte Kunst unterschiedliche Wege eröffnen, über den Menschen und seine Beziehung zur Welt nachzudenken.

Ayeye! – Identität zwischen Glaube und Erinnerung Manche Bilder erzählen keine Geschichte – sie laden dazu ein, über den...
02/08/2026

Ayeye! – Identität zwischen Glaube und Erinnerung



Manche Bilder erzählen keine Geschichte – sie laden dazu ein, über den Menschen nachzudenken. Ruth Baumgartes „Nachkriegs-Madonna“ (1949) und Bruce Onobrakpeyas „Odovan“ (1973) verbindet eine stille, geheimnisvolle Atmosphäre. Die zurückhaltende Farbigkeit, die zeichnerische Präzision und die Offenheit der Bildräume verleihen beiden Werken eine besondere innere Spannung.



Ruth Baumgarte (1923–2013) schuf ihre „Nachkriegs-Madonna“ in den Jahren des gesellschaftlichen Neuanfangs. Das Marienmotiv erscheint nicht als religiöse Ikone, sondern als Sinnbild menschlicher Verletzlichkeit und Hoffnung. Mit feinen Linien, Gouache, Kreide und Feder verdichtet sie die Figur zu einer stillen Erscheinung, deren Kraft aus ihrer inneren Haltung erwächst. Die reduzierte Farbpalette unterstreicht die Innerlichkeit des Bildes.



Auch Bruce Onobrakpeya (*1932, Nigeria) richtet den Blick auf das Innere des Menschen. „Odovan“ bezeichnet in der Urhobo-Kultur einen selbstgewählten Ehren- oder Lobnamen – eine Identität, die persönliche Eigenschaften und die Stellung innerhalb der Gemeinschaft sichtbar macht. Seine Tiefenätzung zeigt eine symbolische Figur, deren geheimnisvolle Präsenz zur Reflexion über Selbstverständnis, Erinnerung und kulturelle Zugehörigkeit anregt. Linien, Flächen und gedämpfte Farbtöne verschmelzen zu poetischer Dichte.



Beide Werke zeigen überraschende Gemeinsamkeiten. Baumgarte fragt nach der inneren Würde des Menschen in einer vom Krieg gezeichneten Welt, Onobrakpeya nach kultureller Identität jenseits der äußeren Erscheinung. Beide vertrauen auf die Kraft der Andeutung.



So zeigt „Ayeye!“, dass unterschiedliche künstlerische Traditionen zu denselben Fragen nach Identität, Erinnerung und Menschlichkeit gelangen.



„Ayeye! – Mutterschaft zwischen Symbol und Wirklichkeit“ Mutterschaft gehört zu den universellen Themen der Kunstgeschic...
26/07/2026

„Ayeye! – Mutterschaft zwischen Symbol und Wirklichkeit“
 
Mutterschaft gehört zu den universellen Themen der Kunstgeschichte. Doch Ruth Baumgarte und Demas Nwoko entwickeln dafür zwei grundverschiedene Bildsprachen. In den beiden Bildern begegnen sich nicht nur zwei künstlerische Positionen, sondern auch zwei Auffassungen davon, wie Fürsorge, Hoffnung und Zukunft dargestellt werden können.
 
Ruth Baumgarte (1923–2013) entfaltet ihre Komposition als vielschichtige Erzählung. Mutter und Kind stehen im Mittelpunkt einer lebendigen Gemeinschaft. Der erhobene Blick der Mutter und ihre geöffneten Hände verleihen der Szene eine fast spirituelle Dimension. Das Kind blickt den Betrachter unmittelbar an und bindet ihn in das Geschehen ein. Baumgarte versteht Mutterschaft nicht allein als persönliche Beziehung, sondern als Verantwortung innerhalb einer sozialen Gemeinschaft. Individuelles Schicksal und kollektive Erfahrung greifen ineinander.
 
Demas Nwoko (*1935, Nigeria) wählt einen vollkommen anderen Zugang. Seine Mutter-Kind-Darstellung verzichtet auf jede erzählerische Ausschmückung und reduziert die Szene auf wenige, elementare Formen. Besonders bemerkenswert ist die Gestalt des Kindes: Es erscheint nicht als naturalistisch dargestellter Säugling, sondern als stark stilisierte, beinahe zeichenhafte Figur. Mit seinen langen Gliedmaßen und der flächigen schwarzen Silhouette wirkt es weniger wie ein Porträt als vielmehr wie ein Symbol für Leben, Ursprung und unauflösliche Verbundenheit. Die innige Umarmung zwischen Mutter und Kind wird dadurch zu einem zeitlosen Sinnbild menschlicher Nähe.
 
Gerade diese unterschiedliche Auffassung macht die Gegenüberstellung so spannend. Baumgarte erzählt von Mutterschaft als Teil des gesellschaftlichen Lebens, Nwoko verdichtet sie zu einem archetypischen Bild existenzieller Geborgenheit. Beide Werke zeigen Fürsorge nicht als sentimentales Motiv, sondern als fundamentale Kraft menschlichen Zusammenlebens. Die Idee von „Ayeye!“ wird unmittelbar erfahrbar.
 

„Ayeye! – Mutterschaft zwischen Symbol und Wirklichkeit“ Mutterschaft gehört zu den universellen Themen der Kunstgeschic...
23/07/2026

„Ayeye! – Mutterschaft zwischen Symbol und Wirklichkeit“

Mutterschaft gehört zu den universellen Themen der Kunstgeschichte. Doch Ruth Baumgarte und Demas Nwoko entwickeln dafür zwei grundverschiedene Bildsprachen. In den beiden Bildern begegnen sich nicht nur zwei künstlerische Positionen, sondern auch zwei Auffassungen davon, wie Fürsorge, Hoffnung und Zukunft dargestellt werden können.

Ruth Baumgarte (1923–2013) entfaltet ihre Komposition als vielschichtige Erzählung. Mutter und Kind stehen im Mittelpunkt einer lebendigen Gemeinschaft. Der erhobene Blick der Mutter und ihre geöffneten Hände verleihen der Szene eine fast spirituelle Dimension. Das Kind blickt den Betrachter unmittelbar an und bindet ihn in das Geschehen ein. Baumgarte versteht Mutterschaft nicht allein als persönliche Beziehung, sondern als Verantwortung innerhalb einer sozialen Gemeinschaft. Individuelles Schicksal und kollektive Erfahrung greifen ineinander.

Demas Nwoko (*1935, Nigeria) wählt einen vollkommen anderen Zugang. Seine Mutter-Kind-Darstellung verzichtet auf jede erzählerische Ausschmückung und reduziert die Szene auf wenige, elementare Formen. Besonders bemerkenswert ist die Gestalt des Kindes: Es erscheint nicht als naturalistisch dargestellter Säugling, sondern als stark stilisierte, beinahe zeichenhafte Figur. Mit seinen langen Gliedmaßen und der flächigen schwarzen Silhouette wirkt es weniger wie ein Porträt als vielmehr wie ein Symbol für Leben, Ursprung und unauflösliche Verbundenheit. Die innige Umarmung zwischen Mutter und Kind wird dadurch zu einem zeitlosen Sinnbild menschlicher Nähe.

Gerade diese unterschiedliche Auffassung macht die Gegenüberstellung so spannend. Baumgarte erzählt von Mutterschaft als Teil des gesellschaftlichen Lebens, Nwoko verdichtet sie zu einem archetypischen Bild existenzieller Geborgenheit. Beide Werke zeigen Fürsorge nicht als sentimentales Motiv, sondern als fundamentale Kraft menschlichen Zusammenlebens. Die Idee von „Ayeye!“ wird unmittelbar erfahrbar.

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Ayeye! – Botschaften einer sich wandelnden WeltAuf den ersten Blick scheinen Ruth Baumgartes „Bearing a Message“ (1998) ...
19/07/2026

Ayeye! – Botschaften einer sich wandelnden Welt

Auf den ersten Blick scheinen Ruth Baumgartes „Bearing a Message“ (1998) und Chéri Sambas „Le Départ des Blancs et l’Arrivée des Jaunes en Afrique“ unterschiedlichen Bildwelten anzugehören. Doch beide Werke kreisen um eine zentrale Frage: Wie spiegeln sich gesellschaftliche Veränderungen in den Menschen, die sie erleben und gestalten?

In „Bearing a Message“ verdichtet Ruth Baumgarte (1923–2013) Bewegung zu einer kraftvollen Metapher. Die zentrale Figur scheint förmlich durch den Bildraum zu fliegen. Die weit ausgebreiteten Arme, die dynamische Körperhaltung und die wirbelnden Farbströme verleihen der Komposition eine außergewöhnliche Energie. Der Bote erscheint als Vermittler zwischen Menschen, Orten und Erfahrungen. Seine Bewegung wird zum Sinnbild für Austausch, Kommunikation und kulturelle Verbundenheit.

Auch Chéri Samba (*1956, Demokratische Republik Kongo) beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Transformationsprozessen. Als einer der bedeutendsten Vertreter der zeitgenössischen afrikanischen Malerei verbindet er persönliche Beobachtung mit politischem Kommentar. In „Le Départ des Blancs et l’Arrivée des Jaunes en Afrique“ reflektiert er die tiefgreifenden wirtschaftlichen und geopolitischen Veränderungen auf dem afrikanischen Kontinent. Migration, globale Machtverschiebungen und neue Formen internationaler Einflussnahme werden hier zum Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung.

Die Verbindung beider Werke liegt in ihrer Beschäftigung mit Bewegung – nicht nur im physischen, sondern auch im gesellschaftlichen Sinn. Während Baumgarte den Akt der Übermittlung und Begegnung ins Zentrum rückt, untersucht Samba die Folgen globaler Veränderungen für Identität, Kultur und Selbstverständnis. Beide Künstler zeigen Afrika als einen Ort dynamischer Entwicklungen und komplexer Beziehungen, nicht als statische Kulisse.



Bildunterschriften:
Ruth Baumgarte, Bearing a Message, 1998, Öl auf Leinwand, 120 × 120 cm, ©Kunststiftung Ruth Baumgarte
Chéri Samba, Le Départ des Blancs et l’Arrivée des Jaunes en Afrique [Die Abreise der Weißen und die Ankunft der Gelben in Afrika], undatiert, Öl auf Leinwand, 200 × 130 cm Sammlung Iwalewahaus – Oberfrankenstiftung Bayreuth, Sammlung Kleine-Gunk

Ayeye! – Die Würde des AlltäglichenNicht Herrscher, Helden oder historische Ereignisse stehen im Mittelpunkt dieser beid...
12/07/2026

Ayeye! – Die Würde des Alltäglichen

Nicht Herrscher, Helden oder historische Ereignisse stehen im Mittelpunkt dieser beiden Werke, sondern Frauen bei der Arbeit. Gerade darin liegt ihre besondere Stärke. Ruth Baumgartes „Kürbiskerntrocknerin“ (1991) und Godfried Donkors „Big Mama“ (2005) richten den Blick auf Menschen, deren Tätigkeiten das gesellschaftliche Leben tragen und dennoch oft unsichtbar bleiben.

In ihrer Pastellarbeit konzentriert sich Ruth Baumgarte (1923–2013) auf eine einzelne, in ihre Arbeit versunkene Figur. Die kniende Frau füllt nahezu das gesamte Bildfeld. Ihre Haltung vermittelt Konzentration und Ruhe, während die leuchtende Farbigkeit dem Motiv eine überraschende Präsenz verleiht. Baumgarte interessiert sich nicht für folkloristische Details, sondern für die Würde der dargestellten Person. Arbeit erscheint hier nicht als Last, sondern als Ausdruck von Erfahrung, Können und alltäglicher Selbstverständlichkeit.

Auch Godfried Donkor (*1964, Ghana) stellt mit „Big Mama“ eine weibliche Figur ins Zentrum. Der Titel verweist auf eine Persönlichkeit, die weit über ihre individuelle Erscheinung hinaus Bedeutung gewinnt. In vielen afrikanischen Gesellschaften steht die Figur der „Big Mama“ für Fürsorge, Autorität, wirtschaftliche Eigenständigkeit und soziale Verantwortung. Donkor macht sichtbar, wie eng individuelle Biografien mit kollektiven Erfahrungen verbunden sind.

Die motivische Korrespondenz beider Werke ist bemerkenswert. Beide Künstler rücken Frauen ins Zentrum, die nicht aufgrund von Macht oder Status Bedeutung erlangen, sondern durch ihre Rolle innerhalb der Gemeinschaft. Die Figuren wirken zugleich individuell und exemplarisch. Sie stehen für eine Form von Stärke, die sich nicht in Gesten der Repräsentation äußert, sondern im alltäglichen Handeln.

Dabei offenbaren die unterschiedlichen Medien eigene Zugänge. Baumgartes Pastellzeichnung lebt von der Sensibilität der Linie und der Leuchtkraft der Farbe. Donkors Malerei entwickelt ihre Wirkung durch Präsenz, Monumentalität und ikonische Verdichtung. Beide Bildsprachen führen jedoch zu einer vergleichbaren Aussage: Die Geschichte einer Gesellschaft wird nicht allein von ihren Eliten geschrieben, sondern ebenso von den Menschen, die ihren Alltag gestalten.



Bildunterschriften:
Ruth Baumgarte, Kürbiskerntrocknerin (Drying Pumpkins), 1991, Pastellkreide auf Karton, 140 x 100,2 cm, ©Kunststiftung Ruth Baumgarte
Godfried Donkor, Big Mama, 2005, Öl auf Leinwand, 185 x 140 cm, Sammlung Iwalewahaus – Oberfrankenstiftung Bayreuth, Sammlung Kindermann, ©Godfried Donkor

Ayeye! – Zwischen Aufbruch und ErinnerungRuth Baumgartes „The African (Afrikaner)“ (1993) und El Anatsuis „Chief with Hi...
05/07/2026

Ayeye! – Zwischen Aufbruch und Erinnerung

Ruth Baumgartes „The African (Afrikaner)“ (1993) und El Anatsuis „Chief with History Behind Him“ (1987) entstehen in unterschiedlichen Medien – Malerei und Radierung – und begegnen sich doch in einer zentralen Fragestellung: Wie werden Geschichte und Identität im Bild sichtbar?

In „The African“ gestaltet Ruth Baumgarte (1923–2013) eine Figur von eindringlicher Präsenz. Der Körper scheint sich durch einen Strom aus Farbe, Licht und Bewegung vorwärtszubewegen. Die expressive Malweise löst die Grenzen zwischen Figur und Raum auf. Der Mensch erscheint nicht als Porträt im klassischen Sinne, sondern als Sinnbild von Aufbruch, Widerstandskraft und Selbstbehauptung.

Auch El Anatsui (*1944, Ghana) zeigt in „Chief with History Behind Him“ weit mehr als eine individuelle Persönlichkeit. Die Figur verkörpert Erinnerung, Autorität und kulturelles Wissen. Die feine Linienführung der Radierung verdichtet Geschichte zu sichtbaren Spuren, die sich in die Erscheinung des Dargestellten eingeschrieben haben.

Gerade hierin liegt die faszinierende Korrespondenz beider Werke. Baumgarte und Anatsui zeigen Menschen als Träger kollektiver Erfahrung. Ihre Figuren stehen für kulturelle Identität, Erinnerung und gesellschaftliche Verantwortung. Während Baumgarte diese Themen durch die Dynamik der Farbe und den gestischen Duktus der Malerei entfaltet, erreicht Anatsui eine vergleichbare Tiefe durch die Konzentration der Linie und die Präzision des grafischen Mediums.

In der Gegenüberstellung von Ayeye! entsteht so ein Dialog über Zeit, Technik und kulturelle Perspektiven hinweg. Beide Werke laden dazu ein, den Menschen nicht nur als Individuum zu betrachten, sondern als Träger von Geschichten, die weit über ihn selbst hinausreichen.



Bildunterschriften:
Ruth Baumgarte, The African (Afrikaner), 1993, Öl auf Karton, 137 x 98 cm, Kunststiftung Ruth Baumgarte
El Anatsui, Chief with History Behind Him, 1987, Radierung auf Papier, 50 x 35 cm, Sammlung Iwalewahaus – Oberfrankenstiftung Bayreuth, Sammlung Kleine-Gunk, ©El Anatsui

Adresse

Niederwall 10
Bielefeld
33602

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