30/08/2026
Ayeye! – Wo Farben Erinnerung werden
Manche Werke begegnen sich nicht über ihre Motive, sondern über ihre Ausstrahlung. Ruth Baumgartes „Afrikanische Komposition“ (um 2011) und Jimoh Buraimohs „Before the Creation“ treten in der Ausstellung unmittelbar über Eck in einen stillen Dialog. Gerade ihre Unterschiedlichkeit lässt eine überraschende Harmonie entstehen: Das eine Bild scheint sich in Erinnerung aufzulösen, das andere erzählt vom schöpferischen Anfang.
Ruth Baumgarte (1923–2013) schuf mit der „Afrikanischen Komposition“ ihre letzte afrikanische Landschaft. Das Werk wirkt wie ein malerischer Rückblick auf jahrzehntelange Reisen und Begegnungen. Figuren tauchen aus leuchtenden Gelb-, Grün- und Orangetönen hervor und lösen sich wieder im Farbraum auf. Die Landschaft wird zur Erinnerung, deren Konturen allmählich verblassen. Farbe beschreibt hier nicht Wirklichkeit, sondern Licht, Atmosphäre und persönliches Erinnern.
Jimoh Buraimoh (*1943, Nigeria) verfolgt einen anderen Ansatz. In „Before the Creation“ verbindet er Malerei und Glasperlen zu einer reliefartigen Oberfläche, die das Licht einfängt. Der Titel verweist auf den Ursprung der Welt. Rhythmisch geordnete Formen und leuchtende Farben vermitteln den Eindruck schöpferischer Energie, aus der alles Leben hervorgeht.
Gerade im Nebeneinander entfalten beide Werke ihre besondere Kraft. Baumgartes Bild blickt auf gelebte Erinnerung zurück, Buraimohs Werk auf den Beginn allen Werdens. Das eine erzählt vom Nachklang, das andere vom Ursprung. Verbunden werden beide durch ihre außergewöhnliche Farbigkeit, die Erinnerung und Schöpfung in einen gemeinsamen Bildraum führt.
So zeigt Ayeye!, dass Kunst nicht nur Räume, sondern auch Zeiten miteinander verbindet – zwischen Abschied und Anfang.