13/12/2025
Märchen und Demenz
Es war einmal vor langer Zeit …
So begrüßte Maria Magdalena in ihrem wunderschönen Erzählmantel die
anwesenden Senioren. Zum 3. Mal besuchte sie die Caritas- Tagespflegeinrichtung,
um den Gästen wie früher in Kindertagen aus alten Zeiten zu erzählen- nämlich ganz
klassische traditionelle Märchen. Dabei hatte sie keinerlei Requisiten oder ein Buch
dabei, sondern agierte nur mit ihrer klaren deutlichen Sprache, ihrem Körper- der
Gestik und Mimik.
Schon nach wenigen Worten zog sie die Senioren mit ihrer Geschichte der Bremer
Stadtmusikanten in Bann. Der arme alte Esel, der betagte Hund und die Katze sowie
der flügellahme alte Hahn klagten ihr Leid, dass sie auf ihren Höfen zu nichts mehr
zu gebrauchen seien und ihre Herrschaft sie verjagen, erschlagen, ersäufen oder in
den Suppentopf wandern lassen wollte. Gemeinsam zogen sie durch die Lande und
jagten selbst eine Horde Räuber in die Flucht und führten ein geselliges Leben bis
ans Ende ihrer Tage.
Wenig später ging es mit einem zweiten ganz bekannten Märchen, Dornröschen,
weiter. Das Königspaar freuten sich so sehr über das sehnlichst erwartete Kind- ein
wunderschönes Mädchen, dessen Ankunft mit einem rauschenden Fest am Hof
gefeiert wurde. Nur leider vergaß der König, die13. Fee einzuladen, die eine Fluch
über das Mädchen legte, dass es an seinem 15. Geburtstag von einer Spindel
gestochen und tot umfallen sollte. Glücklicherweise geht in Märchen die Geschichte
ja dann doch immer gut aus. Da sich die 12.Fee verspätet hatte, konnte sie ihren
Wunsch für das Kind noch aussprechen. So wandelte sie den Fluch ab in einen 100-
jährigen Schlaf.
Wie die Geschichte ausgeht, wissen wir alle. Der Prinz küsst das zauberhafte
Mädchen, der Hofstaat erwacht zu neuem Leben und wenn sie nicht gestorben sind,
so leben sie noch heute glücklich und zufrieden.
Voller Hingabe lauschten die Senioren den Ausführungen und erfreuten sich der
mitreißenden Schilderungen der Erzählerin, Maria Magdalena.
Das Projekt "Märchenland" ist eine Maßnahme, die von zahlreichen Pflegekassen
unterstützt wird, um Menschen mit Demenz durch Märchen zu fördern und zu
unterstützen. Das Projekt zielt darauf ab, das Langzeitgedächtnis zu aktivieren,
positive Erinnerungen zu wecken und das Wohlbefinden zu steigern.
In der Folge ist die Ausbildung von Mitarbeitern in den Einrichtungen vor Ort als
Märchenerzähler möglich, um regelmäßige, strukturierte Märchenstunden
fortzuführen. Was für ein tolles Angebot!
Auszug aus der Homepage www.maerchenunddemenz.de
DAS MÄRCHENLAND-MANIFEST
„Märchen, Mythen und Legenden sind das Gedächtnis der Völker. Sie verbinden
Epochen und Generationen, indem sie Werte und Selbstverständnis der
Gemeinschaften überliefern, die sie hervorgebracht, weiterentwickelt und tradiert
haben. Eindrücklicher als alle schriftlich niedergelegten Regeln des sozialen
Miteinanders vermitteln Märchen seit Jahrtausenden gesellschaftliche Grundsätze.
Märchen sind nicht nur eines der ältesten Kulturgüter unserer Zivilisation. Sie sind im
Bewusstsein unserer Gesellschaft verankert. Für Kinder bedeuten Märchen die erste
Berührung mit Literatur und Erwachsene erinnern sich zeitlebens an sie, auch noch
in fortgeschrittenen Phasen der Demenz. Daher gehören Märchen zu den tiefsten
Eindrücken im Leben, die ein Mensch erfährt. Denn Märchen, so heißt es, sind
Nahrung für die Seel.
“
Katrin Schmidt