08/07/2026
✨Man hat uns nicht gefragt,
wer wir sind.
Man hat uns gesagt,
wie wir zu sein haben.
„So macht man das nicht.“
„So was sagt man nicht.“
„So benimmt man sich nicht.“
Diese Sätze
waren keine Nebensätze.
Sie waren Weltbild.
Erziehungsideologie.
Zu ehrlich?
Unhöflich.
Zu sensibel?
Überempfindlich.
Zu überfordert?
Ungezogen.
Zu traurig?
Dramatisch.
Unser Sein
war ein Entwurf,
der ständig korrigiert wurde.
Und wenn Worte nicht reichten,
kam Druck.
Drohung.
Manchmal Gewalt.
Nicht aus Bosheit.
Sondern aus der Überzeugung,
man müsse Kinder formen.
Dass Anpassung richtig ist.
Dass Härte stark macht.
Dass Funktionieren wichtiger ist als Fühlen.
Viele von uns,
aus unserer Generation
und den davor,
sind mit diesem stillen Auftrag groß geworden:
Sei weniger.
Sei leiser.
Sei normal.
Es gab kein Wissen
über hochmaskierende Autisten.
Kein Verständnis für ADHS
jenseits vom „Zappelphilipp“.
Keinen Blick für Nervensysteme,
die anders auf Licht,
Geräusche, Ungerechtigkeit
oder Trennung reagieren.
Heimweh war „Anstellerei“.
Tränen waren „Übertreibung“.
Ehrlichkeit war „unangebracht“.
Also lernten wir,
uns selbst zu korrigieren,
bevor es andere tun.
Wir lernten,
gegen unsere eigene Verdrahtung anzuleben.
Wir lernten,
uns zu beweisen.
Wir lernten,
uns zu verlassen.
Und irgendwo in uns
blieb dieses Kind zurück.
Das kleine Mädchen.
Der kleine Junge.
Mit dem leisen Satz:
„Mit mir stimmt etwas nicht.“
Heute sind wir vierzig.
Fünfzig.
Sechzig.
Und älter.
Und spüren zum ersten Mal
eine Erschöpfung,
die kein Urlaub heilt.
Dieses
„Ich kann nicht mehr“
ist keine Schwäche.
Es ist der Moment,
in dem ein ganzes Leben
gegen das eigene Nervensystem
sichtbar wird.
Wir waren nie kaputt.
Wir waren nie falsch.
Wir waren Kinder
in einer Zeit,
die Gleichförmigkeit
mit Normalität verwechselte.
Unsere Eltern handelten
mit dem Wissen ihrer Zeit.
Unter dem Druck ihrer Zeit.
Aber wir
dürfen heute
mit dem Wissen unserer Zeit
milder mit uns selbst sein.
Unsere Generation
darf die erste sein,
die ausspricht,
was jahrzehntelang
totgeschwiegen wurde.
Nicht um anzuklagen,
sondern um sichtbar zu machen.
Nicht um Mitleid zu bekommen,
sondern um Würde zurückzuholen.
Unsere Vision?
Eine erweiterte Normalität.
Eine Welt,
in der Nervensysteme
nicht gebrochen müssen,
sondern verstanden werden.
Und in der kein Kind mehr lernt,
dass sein Sein
korrigiert werden muss.💛✨