09/10/2026
Die Berliner Clans und die Linken - GdP: „Berliner Polizisten zutiefst beunruhigt“
Ali O. hat keine Chance, als ihm die Männer mit den Baseballschlägern auf dem Gehweg auflauern. Der Berliner Geschäftsmann (43) wird „totgeprügelt wie ein Hund“, sagt später der Staatsanwalt. Die Angreifer, die auf seinen Kopf eindreschen, sind auf der Suche nach einem Stück Papier. Muss Ali O. sterben, weil er einem berüchtigten Mann sehr viel Geld für ein Immobiliengeschäft geliehen hat und es jetzt zurückfordert?
Auf dem Schuldschein, von dem im Prozess viel die Rede ist, steht ein Name, der in Berlin zuverlässig für Schaudern sorgt: Issa Remmo. Der 59-Jährige gilt als Oberhaupt der gleichnamigen Großfamilie. Von den bis zu 1000 Mitgliedern sind viele kriminell. Clan-Angehörige werden etwa wegen eines Raubs in einer Sparkasse (Schaden: neun Millionen Euro), dem Einbruch ins Bode-Museum 2017 (Beute: eine riesige Goldmünze) oder dem Kronjuwelen-Coup im Grünen Gewölbe in Dresden 2019 verurteilt.
Das Clan-Thema sorgt für viel Zündstoff – wie auch die Antisemitismus-Vorfälle bei den Linken
In der Berliner Unterwelt spielt der „Remmo-Clan“ eine gewichtige Rolle, doch welche spielt er in der Politik? Den Hauptstädtern stellen sich bange Fragen, seit Issa Remmo auf einer Wahlparty der Linkspartei zur Feier des Wahlsiegs von Elif Eralp gesichtet wurde. In den laufenden Gesprächen zwischen Linken, Grünen und SPD über eine mögliche Regierungskoalition sorgt das Clan-Thema – neben den Antisemitismus-Vorfällen bei den Linken und deren Enteignungsplänen – für Zündstoff. Erst recht, seit auch noch ein Nachrichtenaustausch zwischen Remmo-Sohn Firas und dem Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak an die Öffentlichkeit gelangte. Sucht da das organisierte Verbrechen den Kontakt zu der Partei, die vielleicht künftig in der Vier-Millionen-Metropole das Sagen hat? Oder gibt es eine solche Nähe bereits?
Viele Berliner Polizistinnen und Polizisten sind „zutiefst beunruhigt“. Das sagt Benjamin Jendro, Sprecher des Landesverbands der Gewerkschaft der Polizei. Im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet er, dass die neuen Hinweise auf eine möglicherweise problematische Verbindung zwischen Clan-Milieu und Vertretern der Linkspartei bestehende Sorgen noch vergrößert hätten. „Es herrscht eine große Unruhe im Kollegenkreis, vom Funkwagenfahrer bis zu den Führungskräften“, sagt er. Jendro glaubt: „Es hat natürlich seinen Grund, warum Antisemiten und Clan-Mitglieder den Wahlsieg der Linkspartei feiern – die gibt ihnen eine Bühne.“
Wer verstehen wolle, sagt Jendro, warum kriminelle Clans die Linkspartei bevorzugten, müsse nur einen Blick ins Wahlprogramm werfen. Dort werde angekündigt, der Polizei die Mittel zu kürzen und ihre Befugnisse zusammenzustreichen, Instrumente abzuschaffen, die beim Vorgehen gegen die Clan-Strukturen hilfreich seien. Für Sorgen in Sicherheitskreisen sorgt auch das Linken-Wahlversprechen, Einbürgerungen nicht mehr an „entwürdigende“ Sprach-, Einkommens- und Integrationsvoraussetzungen zu knüpfen.
Alexander Throm, innenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, sagt der Redaktion: „Berlin ist nicht nur für Berlin verantwortlich. Sicherheit endet nicht an der Stadtgrenze, und ein deutscher Pass gilt in ganz Deutschland und der ganzen EU. Wenn eine extrem linke Regierung bei Clan-Familien Standards nicht einhält, trifft das die Sicherheit in Augsburg genauso wie in Neukölln.“ Der CDU-Politiker plädiert notfalls dafür, ein Rechtsinstrument einzusetzen, das auch im Zusammenhang mit einer möglichen AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt diskutiert wird: „Wenn Berlin nicht fähig ist oder nicht will, dann bleibt als letzte Konsequenz der Bundeszwang.“
Seit Langem pflegt die Linke ein Lieblingsfeindbild: die Polizei, der pauschal Rassismus vorgeworfen wird
Als ein Reporter der Morgenpost Issa Remmo bei der Wahlparty der Neuköllner Linken nach dem Grund seiner Anwesenheit fragt, antwortet dieser, von der Linkspartei fühle er sich „unterstützt“. Die Partei betont schnell, der Clan-Boss sei nicht eingeladen gewesen. Doch dann veröffentlicht Firas Remmo, eines seiner mindestens 13 Kinder, einen Nachrichtenaustausch mit dem Bundestagsabgeordneten Koçak. Der bittet den Clan-Kronprinzen zunächst, „Grüße mit Respekt“ an Vater Issa auszurichten. Der Linkenpolitiker, der jahrelang gemeinsam mit Elif Eralp im Berliner Abgeordnetenhaus saß, hat ein weiteres Anliegen: Remmo möge doch Videos von einer seiner Reden aus dem Bundestag verbreiten. Darin nennt Kocak die Auseinandersetzung mit Clans eine „hysterische Dauerdebatte“. Er sagt: „Clan-Kriminalität ist kein klar definierter Straftatbestand. Er ist ein politischer Kampfbegriff mit einer rassistischen Geschichte.“
Auffällig ist, dass Koçak, Mitglied des Innenausschusses des Bundestags, immer wieder das politische und polizeiliche Vorgehen gegen „Clan-Kriminalität“ kritisiert und parlamentarische Anfragen dazu stellt. Inzwischen hat er seinen Innenausschuss-Sitz niedergelegt und sich für die Chat-Nachrichten entschuldigt. Doch der Austausch, dessen Echtheit Koçak bestätigt, wirft weiter Fragen auf. Warum sprechen sich Politiker und Clan-Spross als „Bruder“ an? Was meint der Remmo-Sohn, wenn er kommentiert: „Wir halten zusammen und kämpfen gemeinsam für unsere Ziele.“ Weiter schreibt er: „Wir sind Sieger. Wir sind Macher. Wir sind ein Team. Und gemeinsam schaffen wir Dinge, die alleine niemals möglich wären.“
Ein Team? Sieger? Zusammenhalten? Gegen wen? Seit Langem pflegt die Linke ein Lieblingsfeindbild: die Polizei, der pauschal Rassismus vorgeworfen wird – obwohl ein wachsender Teil der Berliner Ordnungshüter selbst eine Migrationsgeschichte hat. Elif Eralp, die nun ins Rote Rathaus will, nannte „den strukturellen Rassismus in der Berliner Polizei“ in einer früheren Rede ein „grundsätzliches Problem“. Einige der Methoden, mit denen die Polizei in der Hauptstadt gegen die ausufernde Kriminalität kämpft, will die Linke abschaffen: Messerverbotszonen werden als stigmatisierend für die betroffenen Stadtteile abgelehnt, ebenso die Videoüberwachung an Brennpunkten.
Die berichtet in ihrem aktuellen Lagebild von steigenden Fallzahlen, fast 1000 Straftaten wurden demnach 2025 von Mitgliedern der einschlägigen Clans verübt, darunter zahlreiche Raub-, Diebstahls- und Körperverletzungsdelikte. Gleichzeitig wird betont, dass die Zugehörigkeit zu einem Clan nicht mit Kriminalität gleichgesetzt werde. Kriminologen, die das Phänomen untersucht haben, weisen auf die absolute Verschwiegenheit der Mitglieder gegenüber den Behörden hin oder auf die jederzeit drohende Rudelbildung als Einschüchterungsinstrument. Dass sich Zeugen in Clan-Verfahren oft plötzlich an nichts mehr erinnern, Aussagen zurückziehen, liegt Experten zufolge auch daran, dass es ihnen keine Sicherheit bietet, wenn ein Täter im Gefängnis sitzt. Es befinden sich stets noch genügend Familienmitglieder auf freiem Fuß, die Racheakte verüben könnten.
In Clan-Hochburgen wie Berlin-Neukölln sind aufgemotzte Luxusautos mit jungen, arabischstämmigen Männern am Steuer Teil des Straßenbilds. Vor den Behörden sind die PS-Protzer dagegen meist Sozialleistungsempfänger. Die Autos sind auf Strohmänner zugelassen. Auch die oft luxuriösen Wohnverhältnisse stehen im krassen Widerspruch zur angeblichen Mittellosigkeit. 2018 stellten die Behörden 77 Immobilien sicher, die der Clan mit schmutzigen Millionen aus kriminellen Machenschaften bezahlt haben soll. Darunter eine Villa, um deren Kauf es beim Mord an Ali O. gegangen sein soll. Ein Rechtsstreit um die Grundstücke, Wohnungen und Häuser dauert an.
Familienstrukturen spielen auch bei der typischen Arbeitsteilung eine Rolle. Ältere Clan-Mitglieder planen Taten, die jüngere dann ausführen. Falls sie erwischt werden, droht unter 21-Jährigen oft lediglich eine Verurteilung nach dem Jugendstrafrecht. Eine Justiz, die auf Einsicht und Resozialisierung setzt, schreckt den Clan-Nachwuchs wenig.
Wie der „Berlin-Effekt“ Beweise nutzlos macht
Enge Verwandtschaftsverhältnisse sorgen mitunter sogar dafür, dass eine der wichtigsten Methoden moderner Kriminaltechnik nutzlos wird: der genetische Fingerabdruck. Hautschuppen oder Haare am Tatort führen in vielen Fällen zur Überführung von Tätern. Doch das Clan-Milieu hat eine Strategie entwickelt, die solche Spuren für die Ermittler wertlos macht. Dazu wird Kleidung bewusst im Verwandtenkreis getauscht, werden Autos von mehreren Familienangehörigen benutzt. So entstehen „Mischspuren“ ähnlichen DNA-Materials. Wenn gleich mehrere Clan-Mitglieder als Täter infrage kommen, gilt der Grundsatz: im Zweifel für den Angeklagten. Ermittler sprechen vom „Berlin-Effekt“.
Auch im Fall des 2017 getöteten Ali O. gibt es eine Mischspur, die auf die Remmos deutet. Doch den Richtern reicht sie nicht aus. Ein des Mordes angeklagter Remmo-Sohn verlässt das Gericht als freier Mann. Sein Vater Issa wurde insgesamt 19-mal festgenommen, rechtskräftig verurteilt aber nie. Ein Umstand, der die Beamtinnen und Beamten der Berliner Polizei keineswegs beruhigt. Viele tragen sich laut Gewerkschaftssprecher Jendro bereits mit dem Gedanken, in andere Bundesländer abzuwandern, sollten Grüne und SPD der Linken zur Macht verhelfen: „Polizeiarbeit braucht politische Rückendeckung – wir haben die Befürchtung, dass sich in dieser Hinsicht für die deutsche Hauptstadt gerade etwas sehr Ungutes entwickelt.“
Link zum Artikel:
https://www.augsburger-allgemeine.de/politik/die-clans-und-die-linke-die-polizeigewerkschaft-warnt-vor-rot-gruen-rot-in-berlin-115449450