19/10/2026
Stimmen, die bleiben. Zum Tod des Sinto-Zeitzeugen Hermann „Mano“ Höllenreiner.
Ein Nachruf von Alexander Diepold, Geschäftsführer der Hildegard Lagrenne Stiftung:
Mit tiefer Trauer nimmt die Bundesvereinigung der Sinti & Roma in Deutschland Abschied von Hermann „Mano“ Höllenreiner. Der deutsche Sinto und Holocaustüberlebende ist am 16. Oktober 2026 im Alter von 92 Jahren nach langer, schwerer Krankheit in Mettenheim friedlich im Kreis seiner Familie gestorben. Mit ihm verlieren wir einen der letzten Überlebenden der Familie Höllenreiner und einen zentralen Zeitzeugen des NS-Völkermords an den Sinti und Roma. Ich persönlich verliere einen treuen Freund, denn zwischen uns und unseren Familien bestand eine langjährige, tiefe Freundschaft.
Als Neunjähriger wurde Mano Höllenreiner deportiert. Er überlebte Auschwitz und weitere Konzentrationslager. Durch Anja Tuckermanns Buch „Mano. Der Junge, der nicht wusste, wo er war“ wurde seine Geschichte einem breiten Publikum bekannt: die Geschichte einer geraubten Kindheit, aber auch der Kraft des Überlebens.
Aus dem erlittenen Unrecht machte er einen Auftrag. Bis ins hohe Alter sprach er trotz seiner Krankheit in Schulen darüber, wohin Rassismus und Ausgrenzung führen. Sein Leben lang kämpfte er gegen Antiziganismus.
Mit seinem Tod verstummt eine weitere Stimme der Überlebenden. Umso größer ist unsere Verantwortung, sein Zeugnis zu bewahren und seinen Auftrag fortzuführen: die Wahrheit zu schützen, die Würde der Opfer zu wahren und dafür einzutreten, dass sich Verfolgung nie wiederholt.
Liebe Familie Höllenreiner, unser ganzes Mitgefühl ist in diesen Tagen bei euch. Die gemeinsame Zeit, die vielen Gespräche und die tiefe Verbundenheit mit Mano und euch allen bleiben für uns ein unschätzbares Geschenk. Ihr seid in eurer Trauer nicht allein.
In Dankbarkeit für sein Lebenswerk und in ehrendem Gedenken nehmen wir Abschied. Möge er in Frieden ruhen.
Den vollständigen Nachruf findet ihr über den Link in unserer Bio.