13/09/2026
Die gesamte Rede:
"Ich bin Diana.
Ich stehe heute hier für Moabit hilft e.V. und als Teil von Polyphon Berlin.
Aber ich stehe hier nicht nur für eine Initiative oder eine Organisation. Ich bin Mutter. Arbeitnehmerin. Mieterin. Ich bin Tochter einer pflegebedürftigen Mutter. Ich bin eine Frau mit . Ich bin Migrantenkind, Ungarin und Deutsche, jüdisch und evangelisch geprägt und außerdem zugezogen.
Nichts davon widerspricht sich.
Das alles bin ich.
Und genau so ist .
Wir tragen Kopftuch, Kreuz oder gar nichts. Wir gehen freitags in die , samstags in die , sonntags in die Kirche oder glauben an überhaupt keinen Gott.
Wir sind hier geboren, zugezogen oder irgendwann hier gestrandet. Aber wir stehen im selben Stau. Wir fluchen über die BVG. Wir suchen Wohnungen und finden keine. Wir schwitzen im Sommer auf Straßen, auf denen weit und breit kein Baum steht. Und wir fragen uns, wie unsere Kinder in dieser Stadt einmal leben werden.
Das ist unser Berlin. Unser Alltag.
Und eigentlich wollen wir doch alle nur eins: Dass man hier gut leben kann.
Aber seit Jahren hören wir:
Wir müssen sparen.
Und ich frage mich inzwischen: Wer ist eigentlich dieses „Wir“? Und vor allem: Bei wem sparen wir?
Eine Milliarde Euro sollen beim eingespart werden. Bei Kindern von .
Eine Milliarde.
Und ungefähr dieselbe Größenordnung geben wir für Schloss Bellevue aus. Für Sanierung, Umbau und Ausweichquartier.
Ich gönne dem wirklich ein dichtes Dach.
Aber was ist wichtiger?
Dass unser Land gut aussieht, wenn jemand zu Besuch kommt?
Oder dass es den Menschen gut geht, die hier leben?
Denn genau das sagt etwas über ein Land aus.
Nicht, wie repräsentativ sein Amtssitz ist.
Sondern wie es mit den Menschen umgeht, die hier leben.
Und das ist kein Einzelfall.
Mehr als 4 Milliarden Euro Einsparungen werden bei Leistungen diskutiert, die Kinder mit Behinderungen, junge Menschen aus der und minderjährige treffen können.
Gleichzeitig kostet uns die steuerliche Begünstigung privat genutzter mindestens 4,2 Milliarden Euro im Jahr.
Und wenn das Geld angeblich nicht reicht, ist erstaunlich schnell klar, an wem es liegen soll.
An Geflüchteten.
An Bürgergeldempfängern.
An Alleinerziehenden.
An Rentnerinnen und Rentnern.
An denen, die angeblich zu wenig arbeiten.
Ich hab die Schnauze voll von dieser Debatte.
Wir reden ständig darüber, was Kinder, Geflüchtete, oder eine auskömmliche kosten.
Aber warum reden wir so selten darüber, was uns unsere politischen Prioritäten kosten?
Das kostet Milliarden.
Berlin steckt Millionen in eine , während Jugendclubs und soziale Einrichtungen um ihre Existenz kämpfen.
Und dann heißt es:
Wir können uns das alles nicht mehr leisten?
Doch.
Denn am Ende geht es nicht darum, ob wir über den Bund oder das Land reden.
Es geht nicht um Parteien.
Nicht um oder Herkunft.
Nicht darum, welchen jemand hat.
Ob jemand arbeitet oder in Rente ist.
Ob jemand krank ist oder quietschfidel.
Es geht um .
Um .
Und vor allem geht es um Menschen.
Darum, wie wir miteinander leben wollen.
Und genau danach müssen wir unsere Prioritäten setzen.
Ich will darüber reden, was für eine Stadt wir sein wollen.
Und ich weiß, was Berlin kann.
Wir sind . Nachbarinnen und Nachbarn. Initiativen und Organisationen. Menschen, die da sind, wenn jemand Hilfe braucht.
Und ja:
Wir haben dieser Stadt mehr als einmal den A***h gerettet.
Nicht Moabit hilft.
Nicht irgendeine einzelne Organisation.
Wir. Diese .
Und wir haben damit vor allem eines gezeigt:
funktioniert.
Und genau dieses Berlin will ich.
Ein Berlin, das Menschen auffängt, bevor sie abstürzen.
Das Menschen eine echte Chance gibt anzukommen.
Das soziale Arbeit nicht als Luxus behandelt.
Und das nicht auf irgendwann verschiebt.
Denn eine Gesellschaft, die Menschen fallen lässt, kostet uns am Ende verdammt viel mehr.
Ein Haushalt ist keine Naturkatastrophe. Ein Haushalt ist Politik. Und kann man ändern.
Diese Stadt ist laut. Sie ist chaotisch. Sie ist migrantisch. Sie ist solidarisch. Und manchmal funktioniert sie wirklich beschissen.
Aber sie ist unsere Stadt.
Wir sind die Menschen, die hier leben. Die hier arbeiten. Die hier ihre Kinder großziehen. Die hierher geflüchtet sind. Die hier geboren wurden. Die gestern gekommen sind und die schon immer hier waren.
Wir alle sind Berlin.
Und um es mit den Worten des Bundeskanzlers Friedrich Merz zu sagen:
„Wir sind das .“
Ja.
Wir sind das Stadtbild.
Die Alleinerziehenden. Die Rentnerinnen und Rentner. Die Geflüchteten. Die Pflegenden. Die Arbeitenden. Die, die jeden verdammten Tag dafür sorgen, dass diese Stadt funktioniert.
Wir sind das Stadtbild.
Und wenn Ihnen dieses Stadtbild nicht gefällt, Herr Merz:
Dann ist nicht das Stadtbild das Problem.
Sondern Ihr Blick darauf."