17/05/2026
Weißt Du noch, Michelle?
Als Du gemeldet wurdest, war Dein Finder schon unterwegs zur Arbeit.
Es reichte noch für ein Foto, einen Standort und die Weiterleitung an eine Freundin.
Aus der Ferne übermittelte sie Deine Not dann weiter.
Das " Vor Ort Foto" wirkt wie der hilflose Versuch, Dir etwas Gutes zu tun. Von irgendjemandem bereitgestellt, auf offener Straße, mit dem, was sich finden ließ. Nichts davon konnte Dir wirklich helfen, denn nichts davon gab Dir Sicherheit und nahm Dir die Schmerzen. Manche Menschen schauen zumindest hin, machen sich Gedanken, aber landen dann doch einen Fehlversuch, auch wenn es lieb und herzlich gemeint ist.
Ein hilfloses Lebewesen braucht in erster Linie immer Sicherheit, fernab der Straße und Gefahr.
Du aber wurdest erst ein- und dann noch einmal zurückgelassen, was die Zeit der Angst verlängert und die Zeit auf Chance verkürzt.
Immer, wenn ich so ein Foto betrachte, zerreißt es mich. Es zerreißt mich, weil ich nicht direkt zugreifen und die Situation beenden kann. Es zerreißt mich, weil ich weiß, dass in beiden Plastiknäpfen nichts brauchbares für diese Taube steckt und diese Hilflosigkeit mitten auf der Straße steht.
Diese kleine Taube wurde noch rechtzeitig gefunden, später nach ganz viel Organisation.
Diese Taube wog weit unter 200g, war am linken Flügel verletzt, röchelte bis zur Atemnot.
All' das sieht ein Laie oftmals nicht, was die Not umso schlimmer macht.
Als mich dieses Taube am 10.04. 2026 erreichte, bekam sie kaum noch Luft. Sie lag nahezu sterbend in meinen Händen. In solchen Momenten kommt jeder Tierschützer an persönliche Grenzen, weil der Grad zwischen Helfen wollen und noch können, kaum noch messbar ist.
Eine erste Sichtung ergab eine hochgradige Trichomonaden- Infektion mit Granulom im Hals. Das größere Problem jedoch waren sichtbar blutunterlaufene Schleimhäute im Hals. Dunkelblau verfärbt. Die Atmung dieser Taube war so erschwert, vibrierend und verschleimt, dass jeder Zug eine Belastung war. Auch für mich, weil dieser Anblick unerträglich ist.
Ich habe Tage um diese Taube gekämpft, Schleim und immerwieder Schleim hervorgeholt, manchmal gefährlich braunblutend ( Zeichen für altes Blut), manchmal einfach nur Schleim. Unter Antibiose klang die Blaufärbung im Hals ab. Schmerzmittel nahmen den Schmerzdruck und Medikamente gegen Trichomonaden halfen gegen die Infektion.
Manche Tauben sind wie Patienten auf Intensivstation. Rundum- Überwachung, 24h- Job und immer mit der Angst, das war's.
Ich werde nie erfahren, was genau dieser Taube passiert ist und nicht jede Taube gewinnt so einen extrem harten Kampf. Ich selbst hatte zwischenzeitlich an Hoffnung verloren.
Es sind Lebenskämpfe, die Du mit jeder dieser Tauben durchstehst, die Dich an körperliche/ seelische Grenzen führen, die Dich verzweifeln lassen.
Diese kleine Taube hat gekämpft.
Für sich, aber auch für mich, damit ich nicht aufgebe.
Mit jedem gewonnenen Tag hat sie es mir gezeigt.
Inzwischen ist der Kropf täglich prall gefüllt.
Ihr Stimmchen ist im Stimmbruch und von dieser kleinen, zurückgelassenen Taube nichts mehr übrig.
Ein schöneres Geschenk gibt es nicht.
Danke Michelle, dass Du nicht aufgegeben hast.
Danke Miranda für Deine Suche vor Ort, Dein nächtliches Wachbleiben, weil es dieser Taube so schlecht ging und das Bringen zu mir.
🧡⚘️