FIR - International Federation of Resistance Fighters

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FIR - International Federation of Resistance Fighters International Federation of Resistance Fighters - Association of Anti-fascists
Fédération Internationale des Résistants - Association antifasciste

The International Federation of the Resistance Fighters (FIR) - association of the anti-fascists is the umbrella organisation of federations of former resistance fighters, partisans, members of the anti-Hitler coalition, pursued of the Nazi-regime and anti-fascist of today's generations from over twenty countries of Europe and Israel.

23/10/2026

Millionen in Bewegung für soziale Gerechtigkeit und gegen Rechtsentwicklung

Allein im Oktober gingen in mehreren europäischen Ländern hunderttausende Menschen aus Protest gegen die zunehmenden sozialen Restriktionen auf die Straße. In den Mainstream Medien wurden vor allem Bilder von brennenden Barrikaden gezeigt und von Wasserwerfer-Einsätzen der Polizei berichtet. Aber Fakt ist, dass wir es mit einer breiten sozialpolitischen Bewegung zu tun haben.
Brüssel und weitere belgische Städte erlebten Anfang Oktober eine Demonstrationswelle, bei der unterschiedliche Bevölkerungsgruppen jeweils zu Tausenden für ihre Interessen gegen die aktuelle Regierungspolitik auf die Straße gingen. Es waren Beschäftigte des Gesundheitswesens und der öffentlichen Dienste, es waren Schülerinnen und Schüler gegen die katastrophalen Verhältnisse in der Bildungspolitik, es waren Studierende, die sich um ihre Qualifikation und zukünftige Beschäftigung Sorgen machen.
In den Medien war zu lesen, diese Proteste seien nur „Nachahmer“ der französischen Schüler-Proteste. Denn auch dort gehen viele Tausend junge Menschen seit Wochen auf die Straße gegen die katastrophalen Zustände in vielen französischen Bildungseinrichtungen. Während die Schulen selber mit hohem Aufwand durch Sicherheitsdienste und Polizei abgeriegelt werden – als Reaktion auf gewalttätige Vorfälle in den vergangenen Jahren – fehlen Mittel für den Erhalt der Gebäude und eine angemessene Personalausstattung, so dass die Jugendlichen insbesondere in den Randbezirken der Großstädte und im ländlichen Raum große Sorgen um ihre Zukunft haben.
Auch Beschäftigte in diesem Land artikulierten mit Massenaktionen ihren Protest gegen die extremen Preissteigerungen bei Energie, Treibstoff, aber auch Lebensmitteln, während gleichzeitig die soziale Absicherung abgebaut werden soll. Allein am vergangenen Wochenende demonstrierten in Paris und anderen französischen Städten mehr als 500.000 Menschen gegen die sozialen Angriffe der gegenwärtigen Regierungspolitik. Interessant ist, dass diese Aktionen nicht von einzelnen Parteien oder Gewerkschaften getragen werden, sondern Erinnerungen an die „Gelbwesten-Bewegung“, die vor Jahren die französische Politik in Atem hielt, wach werden.
Bemerkenswert sind Massenaktionen in Spanien zur Wohnungsnot, bei denen ebenfalls fast eine Millionen Menschen in Madrid und anderen spanischen Großstädten gegen die sozialen Ungerechtigkeiten auf der Straße waren. Auslöser dieser Massenproteste war der Tod einer 87jährigen Frau, die zwangsweise aus ihrer Wohnung vertrieben wurde. Das war der berühmte Funkte, der die soziale Unzufriedenheit zur Explosion brachte.
Zahlenmäßig bescheidener, aber für deutsche Verhältnisse dennoch bemerkenswert, waren die 175.000 Teilnehmenden der Gewerkschaftsaktionen gegen Sozialabbau Ende September in verschiedenen Städten der BRD.
Auf anderer Ebene angesiedelt, aber ebenfalls Ausdruck des Protestes gegen soziale Ungleichheit sind Massenproteste vor allem junger Leute in Albanien gegen den Bau eines Luxusressorts in einem Landschaftsschutzgebiet durch einen amerikanischen Investor um den Sohn von Donald Trump. Hier geht es weniger um Umweltschutz, sondern um den Ausverkauf nationaler Interessen. Das führt dazu, dass auch nationalistische Kräfte versuchen, diese Proteste für sich zu vereinnahmen, selbst wenn die Mehrheit der Aktivisten eher regierungskritisch ist.
Solche Versuche der Vereinnahmung von rechts lassen sich auch in anderen Ländern feststellen. Daher haben antifaschistische Kräfte große Verantwortung, solche Proteste nicht nur zu „beobachten“, sondern sich mit ihren Inhalten daran zu beteiligen.
Gute Beispiele kennen wir aus Italien, wo sich ANPI mit ihren Sektionen bei den sozialen Protesten der Gewerkschaften immer wieder sichtbar beteiligt. Der griechischer Verband PEAEA unterstützt Aktionen der Gewerkschaft PAME und ruft zu Solidarität mit sozialen Kämpfen auf. Auch in Portugal beteiligt sich URAP an den gewerkschaftlichen Protesten. Es ist eine Aufgabe für die FIR und ihre Verbände: Bringen wir unsere historischen Erfahrungen in solche Bewegungen ein. Soziale Gerechtigkeit ist ein wichtiger Schutz vor Rassismus, soziale Ausgrenzung und Spaltung der Gesellschaft, die zur Rechtsentwicklung und Aggression nach außen führen kann. Verhindern wir, dass die extreme Rechte, deren Politikkonzept eigentlich „Neoliberalismus pur“ bedeutet, mit sozialer Demagogie Einfluss auf solche Bewegungen bekommt. Nehmen wir diese Proteste als Chance wahr, denn Menschen in Bewegung lernen für ihre soziale Orientierung.

23/10/2026

Millions on the move for Social Justice and against right-wing Development

In October alone, hundreds of thousands of people took to the streets in numerous European countries to protest against increasing social restrictions. The mainstream media primarily showed images of burning barricades and reported on police use of water cannons. But the fact is that we are dealing with a broad sociopolitical movement.
Brussels and other Belgian cities experienced a wave of demonstrations in early October, with thousands of people from various segments of the population taking to the streets to advocate for their interests and oppose current government policies. They included healthcare and public service workers; high school students protesting the disastrous conditions in education policy; and college students worried about their qualifications and future employment.
Media reports claimed these protests were merely “copies” of the French student protests. There, too, many thousands of young people have been taking to the streets for weeks to protest the dire conditions in many French educational institutions. While the schools themselves are being heavily secured by security services and police—in response to violent incidents in recent years—funds are lacking for building maintenance and adequate staffing, leaving young people, particularly in the outskirts of major cities and in rural areas, deeply concerned about their future.
People in this country, too, have been staging mass protests against extreme price hikes for energy, fuel, and food, while at the same time social safety nets are being dismantled. Last weekend alone, some 500,000 people demonstrated in Paris and other French cities against the social attacks inherent in the current government’s policies. It is interesting to note that these protests are not being led by individual political parties or labor unions; rather, they are reviving memories of the “Yellow Vests movement,” which kept French politics on edge years ago.
Also noteworthy are the mass protests in Spain over the housing crisis, in which nearly a million people took to the streets in Madrid and other major Spanish cities to protest social injustices. The trigger for these mass protests was the death of an 87-year-old woman who was forcibly evicted from her apartment. That was the famous spark that set social discontent ablaze.
Though smaller in number, yet still remarkable by German standards, were the 175,000 participants in the labor union protests against social cuts held in late September in various cities across Germany.
On a different level, but also an expression of protest against social inequality, are mass protests—primarily by young people in Albania—against the construction of a luxury resort in a protected landscape area by an American investor linked to Donald Trump’s son. Here, the issue is less about environmental protection and more about the sellout of national interests. As a result, nationalist forces are also attempting to co-opt these protests for their own ends, even though the majority of activists tend to be critical of the government.
Such attempts at co-optation from the extreme right can also be observed in other countries. Therefore, anti-fascist forces have a responsibility not only to “observe” such protests but to participate in them by engaging with their causes.
We see good examples of this in Italy, where ANPI and its local chapters consistently participate visibly in the social protests organized by the unions. The Greek federation PEAEA supports actions by the PAME union and calls for solidarity with social struggles. Also in Portugal, URAP participated in the trade-union protests.
The task for the FIR and its federations is now: Let us bring our historical experiences to bear in such movements. Social justice is an important safeguard against racism, social exclusion, and social division, which can lead to a shift to the right and aggression toward the outside world. Let us prevent the far right—whose political agenda essentially amounts to “pure neoliberalism”—from gaining influence over such movements through social demagoguery. Let us seize these protests as an opportunity, for people in motion learn through their social engagement.

16/10/2026

Was haben Armut und Hunger mit Antifaschismus zu tun?

Es ist die Botschaft der Überlebenden des antifaschistischen Kampfes, sich nicht nur politische Umgestaltungen einzusetzen, sondern als Grundlage einer gerechten Gesellschaft auch die sozialen Verhältnisse für alle Menschen in den Blick zu nehmen. So finden sich in den antifaschistischen Verfassungen auch das Recht auf Arbeit, das Recht auf Wohnung und Bildung, sowie eine soziale Absicherung für alle Menschen, die dies benötigen. Zudem war es – nicht nur in Deutschland – die Erfahrung, dass Menschen, denen es wirtschaftlich schlecht ging, anfällig waren für faschistische Propaganda und rassistische Heilsversprechen.
Daher erinnert auch die FIR am 16. Oktober an den „Welthungertag“, der bereits im Jahre 1979 eingeführt wurde. Dieses Datum erinnert daran, dass am 16. Oktober 1945 die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO) mit der Aufgabe, die weltweite Ernährung sicherzustellen, als Sonderorganisation der Vereinten Nationen gegründet wurde. Tatsächlich hat die FAO in den vergangenen Jahrzehnten – mit den begrenzten Mitteln, die ihr von den Mitgliedsorganisationen zur Verfügung gestellt wurden – in zahlreichen Aktionen versucht, die Auswirkungen von Hungerkatastrophen zu lindern. Die FAO setzte sich in von Naturkatastrophen, Umweltschäden wie Dürren oder Hochwasser, besonders aber auch von Kriegen betroffenen Gebieten mit ihren Hilfsaktionen ein, wo die Zivilbevölkerung zu aller erst die Leidtragenden der Auseinandersetzungen sind. Vor knapp 10 Jahren bilanzierte die FAO, dass weltweit über 800 Mio. Menschen an Hunger leiden. Heute hat sich diese Zahl durch die Auswirkungen der Klimaveränderungen und kriegerischen Auseinandersetzungen weltweit noch deutlich erhöht. Pessimistische Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 1 Mrd. Menschen hungern.
Das Problem ist aber nicht nur der akute Hunger, dieser Zustand verbindet sich mit langfristigen Krankheiten, nicht vorhandenen Zukunftsperspektiven und anderen sozialen Verwerfungen, die eine der Ursachen für weitere gewalttätige Auseinandersetzungen in der Welt sind. Und so machen am 16. Oktober weltweit Nichtregierungsorganisationen auf den Welthunger und dessen sozialen Folgen aufmerksam. Und das ist mehr als die vor allem karitative Aktion „Brot für die Welt“, wie sie seit vielen Jahren von kirchlichen Kreisen organisiert wird.
An diesen Zusammenhang zwischen Hunger und Zukunftsperspektiven erinnert auch der Gedenktag, der am 17. Oktober, ebenfalls initiiert von den Vereinten Nationen, begangen wird, nämlich der „Internationale Tag für die Beseitigung der Armut“ (International Day for the Eradication of Poverty).
1992 erklärte die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 17. Oktober zum Aktions- und Gedenktag. Eine der treibenden Kräfte hinter diesem Beschluss war die internationale Bewegung „All together in dignity (Gemeinsam für die Würde aller)“ (ATD) Diese Nichtregierungsorganisationen verbinden mit dem „Welttag zur Überwindung der Armut“ drei Anliegen:
· den Widerstand der von Armut betroffenen Menschen gegen Elend und Ausbeutung zu würdigen,
· den Not leidenden und ausgegrenzten Menschen Gehör zu verschaffen und ihr Anliegen öffentlich zu machen,
· sich mit den Allerärmsten dafür einzusetzen, dass die Menschenrechte wirklich für alle gelten.
Wie dramatisch die Situation ist zeigt der „Armutsindex der Vereinten Nationen“. 1,2 Milliarden Menschen sind demnach akut arm, davon die Hälfte Kinder. Das bedeutet, sie haben keine angemessene Wohnung, es mangelt an sanitären Einrichtungen, an Strom, Brennstoff, Nahrungsmitteln oder Bildung.
Auf dem Platz der Menschenrechte (Place du Trocadéro) in Paris findet man eine Marmorplatte, die an den Ursprung dieses Gedenk- und Aktionstags erinnert. Auf dieser Platte heißt es:
Verfechter der Menschenrechte aus aller Welt haben sich auf diesem Platz versammelt.
Sie haben den Opfern von Hunger, Unwissenheit und Gewalt Ehre erwiesen.
Sie haben ihrer Überzeugung Ausdruck gegeben,
dass Elend nicht unabänderlich ist.
Sie haben ihre Solidarität mit all jenen Menschen bekundet,
die irgendwo auf der Welt für die Überwindung des Elends kämpfen.
„Wo immer Menschen dazu verurteilt sind, im Elend zu leben, werden die Menschenrechte verletzt. Sich mit vereinten Kräften für ihre Achtung einzusetzen, ist heilige Pflicht.“
In diesem Sinne erinnert auch die FIR an diesen Gedenktag.

16/10/2026

What do poverty and hunger have to do with anti-fascism?

The message from the survivors of the anti-fascist struggle is that we must not only advocate for political change, but also focus on social conditions for all people as the foundation of a just society. Thus, anti-fascist constitutions also enshrine the right to work, the right to housing and education, as well as social security for all who need it. Furthermore—and not only in Germany—experience has shown that people facing economic hardship were susceptible to fascist propaganda and racist promises of salvation.
For this reason, the FIR also commemorates “World Hunger Day” on October 16, a day first observed in 1979. This date commemorates the fact that on October 16, 1945, the Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) was founded as a specialized agency of the United Nations with the mission of ensuring global food security. In fact, over the past decades—with the limited resources made available to it by its member organizations—the FAO has undertaken numerous initiatives to alleviate the effects of famine. The FAO has carried out relief efforts in areas affected by natural disasters, environmental damage such as droughts or floods, and especially by wars—where the civilian population is the first to suffer the consequences of such conflicts. Just under 10 years ago, the FAO estimated that over 800 million people worldwide were suffering from hunger. Today, this number has risen significantly due to the effects of climate change and armed conflicts around the world. Pessimistic estimates suggest that approximately 1 billion people are starving.
However, the problem is not just acute hunger; this condition is linked to long-term illnesses, a lack of future prospects, and other social upheavals, which are among the causes of further violent conflicts around the world. And so, on October 16, non-governmental organizations worldwide draw attention to global hunger and its social consequences. And this goes beyond the primarily charitable campaign “Bread for the World,” which has been organized by church groups for many years.
This connection between hunger and future prospects is also highlighted by the observance held on October 17—also initiated by the United Nations—namely, the “International Day for the Eradication of Poverty” (International Day for the Eradication of Poverty).
In 1992, the United Nations General Assembly declared October 17 a day of action and commemoration. One of the driving forces behind this resolution was the international movement “All Together in Dignity” (ATD) These nongovernmental organizations associate three goals with the “World Day to Overcome Poverty”:
· to honor the resistance of people affected by poverty against misery and exploitation,
· to give a voice to those in need and the marginalized and to bring their concerns to public attention,
· to stand with the poorest of the poor to ensure that human rights truly apply to everyone.
The “United Nations Poverty Index” illustrates just how dire the situation is. According to the index, 1.2 billion people live in extreme poverty, half of whom are children. This means they lack adequate housing, sanitation, electricity, fuel, food, or education.
At the Place du Trocadéro in Paris, there is a marble plaque commemorating the origins of this day of remembrance and action. The plaque reads:
„Human rights advocates from around the world have gathered at this square.
They have paid tribute to the victims of hunger, ignorance, and violence.
They expressed their conviction that misery is not inevitable.
They declared their solidarity with all those people
who, somewhere in the world, are fighting to overcome misery.
Wherever people are condemned to live in misery, human rights are violated. It is a sacred duty to join forces to ensure their respect.”
In this spirit, the FIR also commemorates this day of remembrance.

09/10/2026

Für die Freiheit und Sicherheit von Palästinensern und Juden, für ein Leben frei von Angst und für den Schutz aller Zivilisten

Anlässlich des 7. Oktober verbreitete der Präsident der FIR, Vilmos Hanti, die naxchfolgende Botschaft:

Als Präsident der FIR trete ich nachdrücklich für das Recht des palästinensischen Volkes auf Selbstbestimmung, auf eine eigene Heimat, auf Freiheit und auf ein Leben in Würde ein. Dessen Leid, die Zerstörung ihrer Häuser und ihre massenhafte Vertreibung bürden der internationalen Gemeinschaft eine moralische und politische Verantwortung auf, der sie sich nicht entziehen kann. Ich bin der Überzeugung, dass Solidarität ihre Glaubwürdigkeit aus einer sachgerechten Darstellung der Fakten, der konsequenten Verteidigung universeller Menschenrechte und dem unmissverständlichen Bekenntnis zu einer friedlichen Lösung bezieht.
Viele betonen zu Recht, dass der Konflikt nicht erst am 7. Oktober 2023 begonnen hat. Dem stimme ich zu. Wir können diese Ereignisse nicht verstehen, ohne die Vertreibung der Palästinenser, die Besatzung, die Siedlungspolitik und die Verweigerung ihres Rechts auf Selbstbestimmung zu berücksichtigen. Doch die Betrachtung des historischen Kontexts kann niemals vorsätzliche Angriffe auf Zivilisten, deren Ermordung oder deren Verschleppung als Geiseln rechtfertigen. Ich verurteile solche Taten der Hamas und anderer bewaffneter Gruppen unmissverständlich. Mit gleicher Entschiedenheit lehne ich es ab, diese Verbrechen als Rechtfertigung für eine Kollektivbestrafung der palästinensischen Bevölkerung heranzuziehen. Das Leid eines Volkes kann niemals die Verletzung der Rechte eines anderen rechtfertigen.
Manche leiten aus dem Versagen des israelischen Geheimdienstes und der politischen Führung vor dem Angriff eine vorsätzliche Mitschuld ab. Ich halte eine umfassende Aufklärung der Verantwortlichkeiten für unerlässlich. Doch Untätigkeit, das Ignorieren von Warnungen und vorsätzliche Mitschuld sind unterschiedliche Vorwürfe. Schwere Anschuldigungen müssen auf fundierten Beweisen beruhen. Wir dürfen vermutete Absichten nicht als gesicherte Tatsachen darstellen, ganz gleich, wie fest wir von unseren politischen Überzeugungen überzeugt sind.
Die Entscheidungen der israelischen Regierung und Militärführung bedürfen einer eingehenden Prüfung. Verantwortung muss jedoch konkreten Entscheidungen und Handlungen sowie denjenigen zugeschrieben werden, die diese veranlasst haben. Die pauschale Stigmatisierung eines ganzen Volkes ist inakzeptabel. Zur israelischen Gesellschaft gehören auch Menschen, die den Krieg ablehnen und die Rechte der Palästinenser verteidigen. So wenig das palästinensische Volk mit der Hamas gleichgesetzt werden darf, so wenig dürfen Israelis mit der Politik ihrer Regierung gleichgesetzt werden. Ich lehne Antisemitismus, anti-palästinensischen Rassismus und jede Form von Diskriminierung ab, die Menschen aufgrund ihrer Herkunft die gleiche Würde abspricht. Berichte über Opferzahlen und das Ausmaß der Zerstörung müssen ihre Quellen, die jeweiligen Bezugszeiträume sowie die genaue Bedeutung der Zahlen klar benennen. Diese Sorgfalt ist Teil des Respekts, den wir den Opfern schulden. Bereits das verlässlich dokumentierte Leid rechtfertigt ein Handeln; unbegründete Behauptungen sind dafür nicht erforderlich.
Viele weisen auf die wirtschaftlichen Interessen hin, die hinter dem Krieg stehen, sowie auf die Gewinne, die aus der Rüstungsproduktion und dem Wiederaufbau erwartet werden. Diese Interessen müssen untersucht und jene Verbindungen offengelegt werden, durch die politische oder wirtschaftliche Akteure ein eigenes Interesse an der Fortsetzung der Zerstörung haben. Ich halte es jedoch für nicht gerechtfertigt, den gesamten Konflikt auf eine einzige wirtschaftliche Erklärung zu reduzieren. Auch territoriale Herrschaftsansprüche, Nationalismus, religiöser Extremismus, sicherheitspolitische Entscheidungen und das Streben nach politischem Überleben müssen kritisch betrachtet werden.
Die Enttäuschung über die begrenzte Wirksamkeit internationaler Institutionen ist verständlich. Dennoch widerspreche ich der Auffassung, Diplomatie, Appelle an die Vereinten Nationen oder der Rückgriff auf die internationale Justiz seien zwecklos. Öffentlicher Protest muss auf konkrete Entscheidungen drängen und die rechtliche Rechenschaftspflicht stärken. Frieden erfordert zivilgesellschaftliches Engagement, diplomatischen Druck, humanitäre Hilfe und die konsequente Anwendung des Völkerrechts.
Ich fordere einen dauerhaften Waffenstillstand, den Schutz der Zivilbevölkerung, ungehinderten humanitären Zugang, die Verhinderung von Zwangsumsiedlungen, die Freilassung von Geiseln sowie ein Ende jeglicher rechtswidriger Inhaftierungen. Ich unterstütze unabhängige Untersuchungen zu mutmaßlichen Kriegsverbrechen und anderen schweren Verstößen sowie die Rechenschaftspflicht der Verantwortlichen – unabhängig davon, von welcher Seite diese Taten begangen wurden.
Wir brauchen eine politische Lösung, die die Besatzung beendet, das Selbstbestimmungsrecht des palästinensischen Volkes sichert und es sowohl Palästinensern als auch Israelis ermöglicht, in Freiheit und Sicherheit zu leben. Meine antifaschistischen und humanistischen Überzeugungen gründen auf der Universalität der Menschenwürde. Aus diesem Prinzip speist sich meine Solidarität sowohl mit dem palästinensischen als auch mit dem jüdischen Volk. Es verpflichtet mich zudem dazu, darauf zu bestehen, dass jedes zivile Opfer unser Mitgefühl verdient und dass jeder Täter an denselben moralischen und rechtlichen Maßstäben gemessen werden muss.

09/10/2026

For the freedom and safety of Palestinians and Jews, for lives free from fear, and for the protection of all civilians

On the occasion of October 7, the President of FIR, Vilmos Hanti, distributed the following political message:

As President of FIR, I stand firmly for the Palestinian people’s right to self-determination, to a homeland of their own, to freedom, and to a life of dignity. Their suffering, the destruction of their homes, and their mass displacement place a moral and political responsibility upon the international community that it cannot evade. I believe that solidarity derives its credibility from an accurate presentation of the facts, the consistent defence of universal human rights, and an unequivocal commitment to a peaceful resolution.
Many rightly emphasis that the conflict did not begin on 7 October 2023. I agree. We cannot understand these events without acknowledging the displacement of Palestinians, the occupation, settlement policies, and the denial of their right to self-determination. Yet an examination of the historical context can never excuse deliberate attacks on civilians, their murder, or their abduction as hostages. I unequivocally condemn such acts by Hamas and other armed groups. With equal determination, I reject the use of these crimes to justify the collective punishment of the Palestinian population. The suffering of one people can never justify violating the rights of another.
Some infer deliberate complicity from the failures of Israeli intelligence and political leadership before the attack. I consider a full investigation into responsibility essential. However, failure to act, disregard of warnings, and deliberate complicity are distinct allegations. Serious accusations must rest on sound evidence. We must not present presumed intentions as established facts, however firmly we hold our political convictions.
The decisions of the Israeli government and military leadership warrant rigorous scrutiny. Responsibility, however, must be attributed to specific decisions and actions, and to those who directed them. The collective stigmatisation of an entire people is unacceptable. Israeli society also includes those who oppose the war and defend Palestinian rights. Just as the Palestinian people cannot be equated with Hamas, Israelis cannot be equated with the policies of their government. I reject antisemitism, anti-Palestinian racism, and any discrimination that denies people equal dignity on the grounds of their origin.
Reports on casualties and the extent of destruction must clearly identify their sources, the dates to which they refer, and precisely what their figures represent. Such care is part of the respect we owe the victims. Reliably documented suffering is itself sufficient to demand action; unsubstantiated claims are unnecessary.
Many draw attention to the economic interests behind the war and the profits anticipated from arms production and reconstruction. These interests must be examined, and any connections that give political or commercial actors a vested interest in the continuation of destruction must be exposed. I do not, however, consider it well-founded to reduce the entire conflict to a single economic explanation. Territorial domination, nationalism, religious extremism, security policy decisions, and the pursuit of political survival must also be scrutinised.
Disappointment at the limited effectiveness of international institutions is understandable. Nevertheless, I disagree with the claim that diplomacy, appeals to the United Nations, or recourse to international justice are futile. Public protest must press for concrete decisions and strengthen legal accountability. Peace requires civic engagement, diplomatic pressure, humanitarian assistance, and the consistent application of international law.
I call for a lasting ceasefire, the protection of civilians, unimpeded humanitarian access, the prevention of forced displacement, the release of hostages, and an end to all unlawful detention. I support independent investigations into alleged war crimes and other grave violations, and accountability for those responsible, regardless of which side committed them.
We need a political settlement that ends the occupation, secures the Palestinian people’s right to self-determination, and enables both Palestinians and Israelis to live in freedom and security.
My antifascist and humanist convictions rest upon the universality of human dignity. My solidarity with the Palestinian and Jewish peoples springs from this principle. It also obliges me to insist that every civilian victim deserves our compassion, and that every perpetrator must be judged by the same moral and legal standards.

02/10/2026

Völkerrecht bleibt gültig – Vor 80 Jahre: das Urteil von Nürnberg

Wenn in heutigen Zeiten durch das politische und militärische Handeln von Großmächten immer wieder das Völkerrecht in den internationalen Beziehungen in Frage gestellt wird, erinnern wir daran, dass es im ursprünglichen Sinne ein Ergebnis der Befreiung von der Nazibarbarei gewesen ist.
Zwar gab es bereits die Haager Landkriegsordnung und den Völkerbund, wie er mit dem Versailler Vertrag geschaffen wurde. Beides sollte dazu dienen, den Krieg als Mittel der Politik zu begrenzen. Dass beide Regelungen im Zweiten Weltkrieg, der seitens des deutschen Faschismus als Vernichtungskrieg gegen den „jüdischen Bolschewismus“ geführt wurde und der gleichzeitig den praktischen Rahmen schuf zur industriellen Massenvernichtung in der Vernichtungslagern wie Auschwitz, Belzec oder Sobibor, um nur einzelne zu nennen, führte dazu, dass schon während des Krieges die Alliierten festlegten, dass die Verantwortlichen für diese Verbrechen vor ein Gericht der Völker gestellt werden müssten und dass dieses Gericht mit seinen Urteilssprüchen Regelungen formulieren sollte, die gemeinsame Pläne bzw. Verschwörung, Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschheit als völkerrechtlich zu ahndende Straftaten festlegten. Kein Politiker, Staatsmann oder Militär sollte sich später darauf berufen können, in seinem Land gäbe es keine Gesetzgebung, die solche Verbrechen unter Strafe stellen. Die juristische Grundlage dazu schuf im Oktober 1946 das Urteil des Nürnberger Haupt Kriegsverbrecher Prozesses, das am 30. September und 1. Oktober 1946 verkündet wurde.
Da auch die Juristen der Alliierten mit diesem Verfahren vor einem Gericht der Völker, wie es im Schwur von Buchenwald hieß, Neuland betraten, musste mit dem „Londoner Statut“ vom 8. August 1945 unter dem sperrigen Titel: Abkommen „über die Verfolgung und Bestrafung der Hauptkriegsverbrecher der Europäischen Achse“ erst einmal das Verfahren festgelegt werden, hatten doch die vier Signatarstaaten unterschiedliche Regelungen für Gerichtsverfahren. Das besondere an diesem Verfahren und im Londoner Statut war, dass der Prozess, der gegen 24 Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof eröffnet wurde, nicht nur die individuelle Schuld der Angeklagten feststellen konnte, sondern mit ihnen und ihren politischen und militärischen Funktionen auch die damit verbundenen Formationen als verbrecherische Organisation erklärte.
In dem im Herbst 1946 verkündeten Urteil wurden als verbrecherische Organisationen eingestuft das Korps der Politischen Leiter der NSDAP, die Gestapo, der Sicherheitsdienst (SD) sowie die SS mit allen ihren Untergliederungen, d.h. auch die Waffen-SS-Einheiten. Dieses Urteil gilt bis heute und verbietet es eigentlich, SS-Freiwillige aus den verschiedenen europäischen Ländern zu rehabilitieren, wie es nicht nur in den baltischen Staaten geschieht.
Aus der Sicht der FIR haben der Nürnberger Prozess und seine Urteile bis heute nichts an ihrer Gültigkeit verloren. Der Prozess schuf in seinem Statut und Urteil Völkerrecht. Kein Staat bzw. kein Regierungsvertreter kann sich bei Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit auf „nationales Recht“ oder auf „Handeln auf Befehl“ berufen. Diese Prinzipien wurden bereits durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen am 11. Dezember 1946 einstimmig bestätigt.
Auch wenn es einige Jahrzehnte gedauert hat, so ist doch die Einrichtung des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag ebenfalls Ausdruck der allgemeingültigen Wirksamkeit des Völkerrechts, wie es in Nürnberg formuliert wurde. Wenn wir heute erleben, dass beispielsweise die Vereinigten Staaten gegen Richter am Internationalen Strafgerichtshof Sanktionen aussprechen, weil sie Anklagen vertreten, die nicht im Interesse der gegenwärtigen US-Regierungen sind, man selbst sogar ablehnt, dass amerikanische Staatsbürger vor diesem Gericht angeklagt werden können, dann sieht man, wie weit wir aktuell noch von der Allgemeingültigkeit eines Völkerstrafrechts entfernt sind. Auch die Anklage wegen Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen gegen die israelische Regierung bzw. die Unterstützung des israelische Militärs wird von verschiedenen europäischen Regierungen massiv behindert.
Die FIR betont dagegen: Das in der juristischen Aufarbeitung der Nazibarbarei und ihrer Massenverbrechen im Rahmen der Vereinten Nationen geschaffene Völkerrecht und internationale Strafrecht bleibt unteilbar. Wir treten für eine Wiederherstellung und Stärkung dieser internationalen Rechtsmaßstäbe ein.

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