Menschenrechtsbeobachtung in Chiapas/Mexiko und internationale Begleitung in Guatemala
CAREA e.V. ist 1992 als bundesweites Projekt aus der Solidaritätsarbeit zu Guatemala entstanden und existiert
seit 1995 als eingetragener Verein. Auf der Grundlage des Rückkehrvertrages von 1992 zwischen
guatemaltekischen Bürgerkriegsflüchtlingen und der guatemaltekischen Regierung entsandte CAREA e.V. ab
Januar
1993 internationale Freiwillige (acompañantes internacionales), die die Flüchtlinge während ihrer
Rückkehr aus Mexiko und ihrer Wiederansiedlung in Guatemala begleiteten. Erste Überlegungen, das Konzept der internationalen Begleitarbeit auszuweiten, entstanden im Herbst 1997
nach dem Vereinsbeschluss, die Begleitarbeit in Guatemala im Sommer 1998, eineinhalb Jahre nach
Unterzeichnung des Friedensvertrages, einzustellen. Nach einer Anfrage durch das Menschenrechtszentrum
Fray Bartolomé de las Casas (FrayBa) der Diözese San Cristóbal/Chiapas wurde im Mai 1998 beschlossen, im
Rahmen von CAREA e.V. ein bundesweites Projekt zur Menschenrechtsbeobachtung in den zivilen
Friedenscamps in Chiapas/Mexiko aufzubauen. Im Jahr 2000 entstand auf Anfrage des guatemaltekischen Menschenrechtszentrums CALDH (Centro para la
Acción Legal en Derechos Humanos), das Strafprozesse gegen die ehemaligen Diktatoren Romeo Lucas García
und Efrain Rios Montt wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
vorbereitete, das internationale Begleitprojekt ACOGUATE (Acompañamiento en Guatemala), um die zu
Zeugenaussagen bereiten Überlebenden des Bürgerkrieges zu schützen. als Mitglied dieses Netzwerks wieder Vorbereitungsseminare zu Guatemala durch. CAREA e.V. übernimmt als einzige Organisation in Deutschland die Aufgabe, Interessierte anzuwerben und
auszuwählen sowie durch intensive Vorbereitung auf die Arbeit als internationale Menschenrechtsbeobachter/
innen und Begleiter/innen zu gewährleisten. Selbstverständnis, Arbeitsauftrag und Ziele von CAREA e.V. Der Verein ist überparteilich und weltanschaulich ungebunden. Er setzt sich zum Ziel, die von Gewalt
bedrohten oder vertriebenen Menschen durch die Beobachtung der Menschenrechtssituation in
Konfliktgebieten und die Begleitung der betroffenen Bevölkerung im Sinne physischer Präsenz zu unterstützen. Die Anwesenheit internationaler Beobachter/innen und Begleiter/innen soll als Schutz vor Übergriffen und zur
Erweiterung von Handlungsspielräumen der Zivilbevölkerung dienen, indem eine internationale Öffentlichkeit
hergestellt wird. Dies geschieht im Rahmen ziviler gewaltfreier Konfliktbearbeitung und folgt dem Prinzip der
Nichteinmischung und Unparteilichkeit. hat als Standbeine die Vorbereitung und Entsendung von Beobachter/innen und die
Öffentlichkeitsarbeit.
1. Vorbereitungsseminare
Die Vorbereitung der Freiwilligen für ihren Aufenthalt in Mexiko findet zweimal jährlich (Mai und Juni bzw. November und Dezember) in zwei aufeinander aufbauenden Seminaren von jeweils drei Tagen statt. Thematische Schwerpunkte sind hierbei die Geschichte und aktuelle Situation Mexikos, Aufgaben, Rechte und
Pflichten der Menschenrechtsbeobachter/innen sowie das Verhalten in indigenen Gemeinden und in
Konfliktsituationen. Bankverbindung: CAREA e.V. Postbank Frankfurt Kto. 753671607 BLZ 500 100 60
Die Vorbereitungsseminare für Guatemala finden derzeit einmal jährlich im Frühjahr statt. Sie dauern jeweils
drei Tage. Thematische Schwerpunkte sind Geschichte und politisches System Guatemalas,
Aufstandsbekämpfung und psychologische Folgen für die Bevölkerung, Aufarbeitung der Vergangenheit,
aktuelle Menschenrechtssituation, Selbstverständnis und Aufgaben im Begleitprojekt, Verhalten in indigenen
Gemeinden und in Konfliktsituationen. Die Seminare werden unterstützt von aus Chiapas und Guatemala
zurückgekehrten Beobachter/innen bzw. Begleiter/innen, deren aktuelle Erfahrungen in die Vorbereitung
einfließen.
2. Entsendung von Beobachter/innen und Begleiter/innen
Die von CAREA e.V. vorbereiteten Freiwilligen erhalten ein Unterstützungsschreiben, das sie gegenüber
unseren mexikanischen und guatemaltekischen Partnerorganisationen, FrayBa und ACOGUAtE bzw. CALDH,
legitimiert. Von diesen erhalten die Beobachter/innen und Begleiter/innen nochmals eine Vorbereitung, bevor
sie in indigene Gemeinden geschickt werden. Die Freiwilligen sind Zeug/innen in den Konfliktregionen und
dokumentieren die Situation (Truppenbewegungen, Übergriffe, Menschenrechtsverletzungen, allgemeine
Entwicklung) in den Gemeinden und begleiten bedrohte Personen. Sie gewährleisten den Informationsfluss mit
unseren Partnerorganisationen, den Dorfgemeinden und CAREA e.V. in Deutschland.
3. Öffentlichkeitsarbeit und Koordination
Im Herbst jeden Jahres bietet CAREA e.V. für die Zurückgekehrten ein Seminar zur Nachbereitung ihres
Aufenthaltes an, das helfen soll, die gemachten Erfahrungen aufzuarbeiten und diese für die weitere Arbeit zu
Chiapas und Guatemala nutzen zu können. Darüber hinaus dienen die Erfahrungen und Beobachtungen der Freiwilligen auch als Grundlage für die
Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland, z.B. in Form von Vorträgen, Filmvorführungen, Radiobeiträgen,
Zeitungsartikeln, Eilaktionen, Teilnahme an Schul-Projekttagen, etc. Seit dem Frühjahr 1999 ist CAREA e.V. Mitglied der Deutschen Menschenrechtskoordination Mexiko, ein
Netzwerk von 14 Hilfswerken und Initiativen, die in Deutschland zur Menschenrechtssituation in Mexiko
arbeiten. Das gemeinsame Anliegen ist die Unterstützung mexikanischer Menschenrechtsorganisationen in
ihrem Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen und Straflosigkeit, für mehr Demokratie und Gerechtigkeit. Ziel der Deutschen Menschenrechtskoordination Mexiko ist es, als Zusammenschluss von Organisationen die
Öffentlichkeit in Deutschland über die Menschenrechtslage in Mexiko zu informieren und im Interesse
mexikanischer Partnerorganisationen Lobbyarbeit in Europa zu betreiben. Im Rahmen dieser Koordination
beteiligt sich CAREA e.V. an Kampagnen, Eilaktionen, organisiert Veranstaltungen mit Vertreter/innen
mexikanischer Menschenrechtsorganisationen oder übernimmt deren Betreuung und Begleitung zu
Lobbygesprächen in Berlin. (www.mexiko-koordination.de)
Seit Anfang 2000 ist CAREA e.V. Koalitionsmitglied von SIPAZ (Servicio Internacional para la Paz) einem
weltweiten Netzwerk von 48 Organisationen, das zu Versöhnung und Begleitung in Chiapas arbeitet und in San
Cristóbal ein Büro unterhält. (www.sipaz.org)
Seit 2004 ist CAREA e.V. Mitglied der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung, der 67 Organisationen und 131
Personen angehören, die sich sowohl auf nationaler wie internationaler Ebene dafür einsetzen, zivile
Konfliktbearbeitung zu stärken und umzusetzen. Seit 2010 ist CAREA e.V. mit einem Vertreter im Sprecherrat
der Plattform vertreten, welcher schwerpunktmäßig daran arbeitet, die Diskussion um zivile Konfliktbearbeitung
stärker an friedenswissenschaftliche Studiengänge anzubinden sowie das Thema Menschenrechte stärker in
die Plattform einzubinden. (www.konfliktbearbeitung.net)
CAREA e.V. ist seit Sommer 2006 Mitglied im Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlag (BER e.V.), um sich
auch auf lokaler Ebene im Raum Berlin stärker entwicklungspolitisch zu vernetzen. (www.ber-ev.de)
Auf europäischer Ebene kooperiert CAREA e.V. vor allem mit Organisationen, die Menschenrechtsbeobachter/
innen nach Chiapas und internationale Begleiter/innen nach Guatemala entsenden, um sich im
Hinblick auf die Weiterentwicklung der Ausbildungskonzepte, eine europaweite Öffentlichkeitsarbeit und
Mechanismen zur Gewährleistung der Sicherheit der entsandten Freiwilligen abzustimmen.