28/06/2026
Ich bezweifle, dass der Autor zu den regelmäßigen Besuchern des RAW-Geländes gehört. Vor allem hat er offenbar weder Mediaspree noch die Entwicklung des RAW genauer recherchiert.
Bei Mediaspree wurde die Bebauung nicht verhindert, und der öffentliche Zugang zum Spreeufer war auch kein plötzliches Geschenk der Protestbewegung. Trotzdem wird diese Geschichte bis heute als großer Sieg gegen Investoren erzählt.
Auch beim RAW wird die Vergangenheit romantisiert. Vor gut zehn Jahren wollten viele Nutzer das heruntergekommene Gelände verlassen. Dächer waren undicht, Heizungen funktionierten nicht, Gebäude verfielen. Erst der neue Eigentümer brachte Verträge, Teilsanierungen, Investitionen und eine Zusammenarbeit mit dem Bezirk. Das RAW, das heute alle angeblich so lieben, ist deshalb nicht nur das Werk der Kulturszene, sondern ebenso das Ergebnis privaten Unternehmertums.
Hätte der Staat das Gelände damals für rund 30 Millionen Euro, also etwa 500 Euro pro Quadratmeter, gekauft, wäre es vermutlich bürokratisch verwaltet und langweilig bebaut worden. Viele Nutzer wären wahrscheinlich längst verschwunden. Was heute funktioniert, entstand durch private Investitionen, unternehmerisches Risiko und jahrelange Arbeit.
Natürlich erwartete der Eigentümer im Gegenzug, auf den angrenzenden Brachen bauen zu dürfen. Genau darin bestand das Modell: Kultur erhalten und ihre Finanzierung durch Neubauten ermöglichen. Wenn man diese Entwicklung dauerhaft blockiert, erhält man keinen Berliner Charme. Man lässt das Gelände schlicht weiter verfallen.
Statt ständig mit Schreckensbildern vom Potsdamer Platz oder anderen angeblich seelenlosen Orten zu arbeiten, sollte man positive Modelle untersuchen, etwa das Haus Schwarzenberg oder Allesandersplatz. Vor allem muss endlich die einfache Frage beantwortet werden: Wer bezahlt Sanierung, Brandschutz, Toiletten, Dächer, Fenster und günstige Mieten?
Wer das RAW in seiner heutigen Form erhalten will, muss es entweder öffentlich finanzieren oder demjenigen, der es verwaltet und instand hält, ermöglichen, mit Neubauten in der Umgebung Geld zu verdienen. Alles andere ist keine Stadtentwicklung, sondern Wunschdenken auf Kosten anderer.
Und um Gottes willen: Reden wir nicht ständig vom angeblichen „Charme“ des Geländes. Dieser Charme riecht an manchen Stellen ziemlich deutlich nach Urin. Teile des RAW sind verwahrlost, schlecht beleuchtet, unübersichtlich oder schlicht tote Zonen. Das ändert man nicht durch Stillstand, sondern durch einen vernünftigen Bauplan, neue Landschaftsgestaltung, sichere Wege, funktionierende Infrastruktur und eine behutsame Ergänzung durch Neubauten.
Der Kampf um die Zukunft des Party-Geländes in Friedrichshain ist für die Stadt weit mehr als ein Bezirksthema. Es geht um den Standort.