29/08/2026
Wir gedenken: Heute vor 25 Jahren, am 29. August 2001, wurde Habil Kılıç im Frischwarenladen seiner Familie in -Ramersdorf vom ermordet. Er wurde 38 Jahre alt und hinterließ seine Frau und eine Tochter.
Im Jahr 2000 hatte die Familie den Frischwarenladen eröffnet. Habil Kılıç arbeitete nach dem Feierabend seiner bisherigen Arbeit in dem gemeinsamen Geschäft.
Im August 2001, knapp anderthalb Jahre nach dessen Eröffnung, arbeitete Habil Kılıç auch tagsüber im Laden, weil seine Frau und seine Tochter im Urlaub waren. Am Vormittag des 29. Augusts 2001 wurde er dort vom NSU erschossen.
Nach dem Mord ermittelten die Behörden gegen den Ermordeten, seine Familie und das Umfeld. Der Mord des NSU, das Verhalten der Behörden und die von ihnen verbreiteten rassistischen Gerüchte über den Ermordeten sorgten letztlich dafür, dass Familie Kılıç neben dem Familienvater auch ihr nachbarschaftliches Umfeld und ihren Lebensunterhalt verlor.
Habil Kılıçs Frau, P. Kılıç, war die erste Angehörige, die im NSU-Prozess als Zeugin befragt wurde. Richter Götzl trat ihr gegenüber autoritär auf. P. Kılıç wollte bei ihrer Vernehmung am 22. Verhandlungstag nicht vor „dieser Frau“ – also der Hauptangeklagten im NSU-Prozess, Beate Zschäpe – über die Situation nach der Tötung ihres Mannes sprechen: „Wie kann das sein? Können sie sich das nicht vorstellen, wenn man den Mann, dann den Laden verliert? Wie die Leute darüber reden, wenn man wie ein Verdächtiger behandelt wird? Was soll ich hier sagen vor dieser Frau?“
P. Kılıç berichtete auf Drängen des Richters: Sie hätten eine große Menge Schaden angerichtet, erst den Mann ermordet, dann den ganzen Freundeskreis kaputtgemacht, das ganze Finanzielle: „Alles haben sie kaputtgemacht, alles.“
An Habil Kılıç erinnert heute eine Gedenktafel am ehemaligen Geschäft der Familie in der Bad-Schachener-Straße.