11/06/2026
Mit dem dritten Programmtag unseres Leadership-Programms widmeten wir uns dem Thema „Unterschiede nutzen – Diversität als Führungskompetenz“.
Mit zunehmender Führungsverantwortung wächst die Vielfalt der Menschen, Perspektiven und Lebensrealitäten, mit denen Führungskräfte in Berührung kommen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie Potenziale unabhängig von persönlichen Merkmalen erkannt und genutzt werden können.
Als Einstieg haben wir die Teilnehmenden vor dem Programmtag befragt, welchen Einfluss unterschiedliche Merkmale auf die Wahrscheinlichkeit haben, befördert zu werden. Die Ergebnisse der 35 Führungskräfte (54 % Frauenanteil) zeigten deutliche Unterschiede in der Wahrnehmung:
• Während männliche Befragte nur bei 17 % der abgefragten Merkmale einen Einfluss auf Beförderungschancen sahen, waren es bei den weiblichen Befragten 38 %.
• Aus Sicht der weiblichen Befragten werden Männer bei Beförderungen nach wie vor bevorzugt. Aus Sicht der männlichen Befragten hingegen eher Frauen.
• Besonders unterschiedlich fielen die Einschätzungen zu den Merkmalen „alleinerziehend“ und „aktive Elternrolle“ aus. Während weibliche Befragte hier deutliche Nachteile wahrnahmen, sahen männliche Befragte kaum Auswirkungen.
Auch zwischen den Sektoren zeigten sich Unterschiede: In der Privatwirtschaft wurde das Merkmal „männlich“ im Durchschnitt positiv mit Beförderungschancen verbunden. Führungskräfte aus dem öffentlichen und gemeinnützigen Bereich sahen dagegen eher Vorteile für Frauen.
Von den 23 abgefragten Merkmalen wurden „Depressionen“ (-1,09), „Alter über 55“ (-0,59), „Transidentität“ (-0,50) und „alleinerziehend“ (-0,44) als die stärksten Nachteile für Beförderungschancen eingeschätzt.
Doch Zahlen allein erzählen nur einen Teil der Geschichte. Was bedeutet es konkret, einer Minderheit anzugehören? Welche Erfahrungen machen Menschen im Berufsleben? Und was wünschen sie sich von Führungskräften?
Darüber sprachen wir mit unserem Gastgeber, dem Imam der Dar-as-Salam Dar-as-Salam-Moschee, Mohammed Taha Sabri , Prof. Dr. Mira Sievers (Professorin für Islamische Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin), Norbert Bender (Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe), Patricia Carl (Bundesverband kleinwüchsiger Menschen und ihre Familien), Andrea Jüsgen (Trans*Sisters), Mareike Dreuße (Selbsthilfeinitiative Alleinerziehende) sowie Eka Neumann (zum Thema Rassismus und PoC).
Es war ein intensiver und nachdenklich stimmender Tag – nicht mit dem Ziel, einfache Antworten zu finden, sondern unterschiedliche Perspektiven besser zu verstehen und die eigene Führungsrolle bewusster wahrzunehmen.
Unser Dank gilt der Dar-as-Salam-Moschee, Mohammed Taha Sabri und allen Gesprächspartner*innen für ihre Offenheit und Gastfreundschaft.
Fotos: Severin Stephan - https://severina-photography.com/