04/10/2026
Unterwegs im tropischen Trockenwald von Guanacaste
Auf meinen Begehungen durch den tropischen Trockenwald habe ich mir viel Zeit genommen, die Landschaft, die Pflanzenwelt und besonders die Tierwelt intensiv kennenzulernen. Oft war ich mehrere Stunden unterwegs, suchte nach Spuren, hörte auf Tierstimmen, beobachtete bestimmte Bereiche und dokumentierte, welche Arten dort vorkommen.
Besonders spannend war für mich die Vogelwelt. Mehrere Arten konnte ich beobachten und teilweise fotografisch dokumentieren. Dazu gehörte der Weißkehl-Elsternhäher (Cyanocorax formosus) sowie mindestens zwei verschiedene Trogonarten: der Schwarzkopftrogon (Trogon melanocephalus) mit seinem auffällig gelben Bauch und der Kupfertrogon (Trogon elegans) mit seiner roten Unterseite.
Morgens und während des Tages begegneten mir regelmäßig Langschwanzpipras (Chiroxiphia linearis). Einmal hatte ich sogar das Glück, die Männchen bei ihrer Balz beobachten zu können.
In der Dämmerung waren regelmäßig Tinamus zu hören, sehr wahrscheinlich Zimttinamus (Crypturellus cinnamomeus). Diese Vögel hört man im dichten Wald oftmals wesentlich häufiger, als dass man sie tatsächlich zu Gesicht bekommt.
Aber auch nachts ging die Beobachtung weiter. Unmittelbar am Guesthouse hörte ich regelmäßig den markanten Ruf einer Mangroven-Kreischeule (Megascops cooperi). Es ist immer wieder faszinierend, wie sich der Wald nach Sonnenuntergang verändert und plötzlich Arten hörbar werden, die man während des Tages kaum wahrnimmt.
Auch der Río Colorado selbst war ein wichtiger Teil meiner Beobachtungen. Dort konnte ich einen Großen Schwarzbussard / Great Black Hawk (Buteogallus urubitinga) beobachten.
Eine weitere Begegnung ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Im Fluss bewegte sich ein dunkelgrauer, fast amselartig wirkender Vogel von Stein zu Stein. Immer wieder sprang er ins Wasser und tauchte vollständig unter. Sehr wahrscheinlich handelte es sich um die Grauwasseramsel (Cinclus mexicanus), in Costa Rica vertreten durch die Unterart Cinclus mexicanus ardesiacus. Diese Vögel sind außergewöhnlich gut an das Leben an schnell fließenden Gewässern angepasst und suchen sogar unter Wasser nach Nahrung.
Auch ein grau-braunes Eichhörnchen konnte ich mehrfach beobachten, sehr wahrscheinlich das Bunte Hörnchen (Sciurus variegatoides).
Mindestens ebenso interessant waren die kleineren Bewohner des Waldes. Ich fand Gespinste von Motten beziehungsweise deren Raupen an Bäumen und Blättern, die typischen Fangtrichter von Ameisenlöwen und konnte sogar eine ausgewachsene Ameisenjungfer beobachten. Außerdem begegneten mir zwei unterschiedliche Vogelspinnenarten.
An drei unterschiedlichen Standorten stellte ich Kamerafallen auf – unter anderem in einem Flussbett und an einem Fruchtbaum. Auf den Aufnahmen erschienen Gürteltiere, Weißrüssel-Nasenbären (Nasua narica) und Eichhörnchen. Gerade solche Kamerafallen zeigen, wie viel Leben sich im Wald bewegt, ohne dass wir Menschen es unmittelbar bemerken.
Auch die Pflanzenwelt faszinierte mich. Besonders auffällig war ein Baum mit dunkelvioletten bis fast schwarzen Blüten und einem intensiven aasartigen Geruch. Sehr wahrscheinlich handelte es sich um Sapranthus palanga aus der Familie der Annonengewächse. Solche Gerüche dienen dazu, bestimmte Insekten als Bestäuber anzulocken.
Während meiner Begehungen suchte ich außerdem Wasserstellen und kleinere Wasserlöcher auf. Gerade während der langen Trockenzeit sind solche Stellen für viele Tiere von großer Bedeutung.
Für mich war diese Zeit im tropischen Trockenwald unglaublich spannend. Je länger man sich dort aufhält und je genauer man hinsieht, desto deutlicher wird, wie vielfältig dieser Lebensraum tatsächlich ist.
Der Trockenwald wirkt auf den ersten Blick vielleicht manchmal karg und trocken. Doch zwischen den Bäumen, an Wasserstellen, in den Flüssen und während der Nacht findet eine enorme Vielfalt an Leben statt.
Genau deshalb muss der tropische Trockenwald erhalten bleiben! Demnächst mehr.