09/10/2026
Vier Tage waren wir in Amed. Tage, in denen wir versucht haben, eine Stadt kennenzulernen, die gleichzeitig vertraut und fremd wirkte.
Wir hörten Kurdisch auf den Straßen. Sahen kurdische Zitate im Stadtbild. Menschen saßen in Cafés, Familien machten Picknick, Kinder spielten auf den Wiesen. Auf den ersten Blick: Alltag.
Und trotzdem lag über vielem eine Geschichte, die wir ständig spürten.
Auch als wir auf der Stadtmauer standen und auf die historische Altstadt runterblickten.
Surp Giragos hat uns besonders beschäftigt.
Eine armenische Kirche mitten in Amed. Ein Ort, der daran erinnert, dass die Geschichte dieser Stadt aus vielen verschiedenen Gemeinschaften besteht und auch, dass nicht alle von ihnen heute noch hier leben.
Dann der Hasan Paşa Hanı.
Ein Ort, der heute vor allem vom Tourismus geprägt ist. Zwischen Cafés und Besuchern fanden wir einen Buchladen. Kinderbücher, Literatur, Zeitschriften –
Kurdische Bücher.
Denn gleichzeitig sahen wir überall im Stadtbild kurdische Sprache und kurdische Identität. Zitate an den Straßenlaternen. Kurdisch auf den Straßen. Menschen, die ihre Sprache selbstverständlich sprechen.
Und dann besuchten wir am Abend ein Café und wir haben gehört, dass jemand hinter uns angefangen hat Dengbêj zu singen, aber nicht für ein Publikum. Was für die Bewohner von Amed kein besonderer Moment war, war für uns emotional aufwühlend. Wahrscheinlich, weil wir es nicht erwartet hatten; Weil uns bewusst geworden ist, wie besonders es für uns als in der Diaspora großgewordene Kurden war, die eigene Kultur auf diese Weise im Alltag zu erleben.
Wir wollten aber nicht nur schauen, wir wollten zuhören.
Bei DENG hatten wir die Möglichkeit, mit Menschen über das Leben in Amed, über kurdische Sprache und über den Alltag zu sprechen. DENG veröffentlicht seit Jahren kurdische Zeitschriften und Publikationen und ist damit Teil einer Kultur, die sich ihre Räume immer wieder selbst schaffen muss.
Denn Amed hat bei uns widersprüchliche Gefühle ausgelöst.
Es gab Momente, in denen sich Amed überraschend heimisch angefühlt hat.
Und gleichzeitig waren wir fremd.
Wir fragten uns, wie es sich anfühlt, in einer Stadt zu leben, deren Geschichte so politi