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Warum Achtsamkeit, und was ist das überhaupt? Achtsamkeit ist eine angeborene Fähigkeit der Präsenz, die kleine Kinder natürlicherweise haben, und Menschen mit zunehmendem Alter – bei Kinder beginnt es besonders mit der Schulze
it – immer mehr verlieren. Im Grunde geht es darum, sich immer wieder selbst daran zu erinnern, im Moment, in der Gegenwart zu sein. So oft sind wir gedanklich in der Vergangenheit oder in der Zukunft, erinnern uns oder planen. Wir wollen uns selbst, unseren Mitmenschen, Kindern und Schülern frei von diesen Beeinflussungen in der momentanen Situation begegenen können. In der Realität sieht es aber oft anders aus. Wir haben ständig Konflikte, Ängste, Wut oder Ärger, Negativität, Schuldgefühle, Ungeduld und Genervtheit. Die Ursache ist die Un-Achtsamkeit. Weil der Verstand immer wieder auf bereits gespeicherte Informationen zugreift, wiederholen sich Gedanken, Emotionen und Erfahrungen. Die Achtsamkeit wirkt dem entgegen, da dem „Autopilot“ des Verstandes eine beobachtende Instanz zur Seite gestellt wird. Dieser „Beobachter“ sieht sich an, was ist. Er lässt es so wie es ist. Er bewertet und urteilt nicht. Der Beobachter ist annehmend und akzeptierend, ganz gleich, ob die Erfahrung als angenehm oder unangenehm empfunden wird. Auf diese Weise können wir mit uns selbst und im Miteinander „antworten“ anstatt nur zu „reagieren“. Es geht also bei der Achtsamkeitspraxis gar nicht darum, dass man etwas „ändern“ soll, im Gegenteil, man akzeptiert, was gerade ist. Die Veränderung kommt ganz von allein, auf wahrlich wundersame Weise. Wer das einmal erlebt hat, versteht, warum ich diese Dinge hier schreibe. Denn diese bewusste Wahrnehmung der eigenen Gedanken, Gefühle, und nicht zu vergessen auch aller körperlichen Befindlichkeiten, führt zu Bewusstheit, führt zu innerem Frieden und einem starken Selbst. Sie hilft durch Stresszeiten, durch depressive Stimmungen und durch Krankheit, durch Beziehungskrisen und Panikattacken, sich wiederholende Konflikte mit den eigenen Eltern, dem Chef, den Kollegen – oder wo man sonst noch so kämpfen könnte. Und für die heranwachsenden Kinder ist die achtsame Haltung ein unbezahlbares Werkzeug, um zu Wachsen, zu Lernen, mit Stress umzugehen, um mit Gefühlen, Ängsten, Süchten usw. klar zu kommen, um gesund zu bleiben und ein zufriedenes Mitglied der Gesellschaft zu sein. Der achtsame Umgang (Vorbild) und die gemeinsame Praxis (Übungen, Erinnerungen) mit Kindern ermöglicht, dass sie ihre Offenheit, ihre Neugier und ihre liebende Art behalten. Diese unvoreingenommene Einstellung dem Leben gegenüber, die wir an dem kleinen Kind so sehr bewundern, und die wir zu vermissen beginnen, sobald sie größer werden, und sie durch die Außenwelt lernen, dass man urteilen und bewerten soll, dass man beurteilt wird, dass man sich selbst und andere ausgrenzen und verachten kann, dass Ängste, Wut- und Schuldgefühle normal sind usw. ...
In den USA ist „mindfulness“ schon seit langem ein großes Thema: Unternehmen organisieren Seminare für ihre Mitarbeiter, in Kliniken werden Patienten mit der MBSR-Methode (Mindfulness Based Stess Reduction) behandelt und in immer mehr Schulen werden die Kids in der achtsamen Wahrnehmung geschult. Besonders in Californien stehen die „mindful schools“ hoch im Kurs. Es ist dem Amerikaner Prof. Jon Kabat-Zinn (67) zu verdanken, dass die Achtsamkeit heute auch im Westen so sehr auf dem Vormarsch ist. Denn letztendlich ist die Idee hinter dem ganzen eine ganz alte (vgl. Sokrates, Buddha). Kabbat-Zinn ist es als erstem gelungen, die Achtsamkeitspraxis systematisch in die medizinische Betreuung zu integrieren. Er hat damit nicht nur Menschen geheilt, sondern auch eine neue Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert. Er setzt sich für die mindful schools ein, schult Lehrer, hält Vorträge und schreibt Bücher. Die Mindfulness-Welle wird sicher bald auch hier verstärkt ankommen. Erste Studien über Achtsamkeit in der Schule laufen, die MBSR-Kurse sind besonders bei Schmerzpatienten heiß begehrt, Yoga und Meditation haben es aus der Eso-Ecke ins Wellnessprogramm geschafft. Denn die Praxis der Achtsamkeit ist nichts Esoterisches, nichts Religiöses oder sonst wie psychologisch Manipulierendes. Und sie ist auch kein Modetrend, den man mal so mitmacht. Sie ist ein Geistestraining, eine Geisteshaltung, die für alle Menschen selbstverständlich sein sollte, einfach weil man dadurch mit sich selbst glücklicher und zufriedener ist – von den vielfältigen positiven Auswirkungen auf die Umwelt ganz zu schweigen. Fühlt euch eingeladen mitzulesen, mitzumachen, eure Erfahrungen mitzuteilen, Fragen zu stellen und wenn ihr es gut findet, eure Freunde dazu einzuladen. Viele Grüße! Sarina