Iuvenes e. V.

Iuvenes e. V. iuvenes e. V. ist ein Träger der sozialen Arbeit.
(1)

Britts GeschichteIch bin noch nicht bereit, meine Geschichte zu erzählen. Zu sehr wirkt die Indoktrination, dass nichts ...
07/02/2026

Britts Geschichte

Ich bin noch nicht bereit, meine Geschichte zu erzählen. Zu sehr wirkt die Indoktrination, dass nichts nach außen dringen darf.
Jahrelang hatte ich nach jeder Therapiestunde ein so schlechtes Gewissen, dass ich Dinge über mich und mein Leben erzählt habe, Dinge, die passiert sind, dass ich mehrere Tage gebraucht habe, um den Alltag wieder meistern zu können. Schuld, Scham und Zwänge bestimmten die meiste Zeit meines Lebens.

Das ist auch heute oft so, auch wenn die Regenerationszeit kürzer wird, wenn ich wieder ein Stück von mir preisgebe.

Deshalb schreibe ich hier nichts zu den Umständen, aus denen ich komme.

Ich denke, ich unterscheide mich aber auch nicht groß von den anderen Menschen, die einen ähnlichen Hintergrund haben, auch wenn wir alle natürlich individuelle Wesen sind, mit individuellen Geschichten, die aber zu ganz ähnlichen Problematiken führen können. Denn eines der Dinge, die uns verbinden, ist, dass wir unsere Individualität nicht leben durften und die Gruppe/Gott immer das Wichtigste war. Individuell zu sein, war sehr gefährlich. Durch den Austausch mit anderen Betroffenen und begleitenden Gesprächen bei iuvenes e.V. ist mir klargeworden, dass ich nicht die Einzige auf der Welt bin, die so fühlt, lebt und kämpft, wie sie es tut.
Mein Leben lang habe ich mich so gefühlt.

Und mir ist klargeworden, dass es dafür logische Gründe gibt.
Mit der Erkenntnis und dem Durchschauen hat bei mir ein Heilungsprozess eingesetzt. Früher hatte ich keinen, mit dem ich reden konnte, ich konnte noch nicht einmal in Worte fassen, was nicht stimmt. Dass aber etwas nicht stimmt, das habe ich immer gemerkt.

Ich denke, Stück für Stück anzufangen, über sich zu reden, sich Menschen zu öffnen, die einem eben nicht den einen richtigen Weg vorgeben, und damit zu sich selbst zu stehen, ist ein Weg für mich ins Leben zu finden. Damit meine ich ein authentisches und individuelles Leben.

Auch wenn sich das anfangs schrecklich angefühlt hat, da ich ja nur gewohnt war, dass mir alles genauestens vorgegeben wurde und ich nie gelernt habe, Antworten in mir selbst zu suchen. Dank der individuellen Beratung bei iuvenes e.V., dem regelmäßigen Austausch mit anderen Teilnehmern in der moderierten Gesprächsgruppe und einer guten und von Vertrauen geprägten therapeutischen Begleitung konnte ich das lernen.

Heute entferne ich mich immer schneller von Menschen, die mir den einen richtigen Weg aufzwängen wollen, darauf bin ich sehr stolz. Denn, was gut für mich ist, das kann und darf ich inzwischen selbst beurteilen.

Es ist im zwischenmenschlichen Kontext für mich sogar eine Mindestvoraussetzung an Respekt geworden.

Die Geschichten der anderen und der Austausch mit ihnen, haben mir sehr geholfen. Irgendwann wird hier vielleicht auch meine ganz individuelle Lebensgeschichte stehen…

Vielleicht auch ohne, dass ich mich schuldig fühle und schäme für etwas, für das ich nichts konnte, für etwas, in das ich hineingeboren wurde.

Ich bin noch nicht bereit, meine Geschichte zu erzählen. Zu sehr wirkt die Indoktrination, dass nichts nach außen dringen darf. Jahrelang hatte ich nach jeder Therapiestunde ein so schlechtes Gewissen, dass ich Dinge über mich und mein Leben erzählt habe, Dinge, die passiert sind, dass ich mehre...

iuvenes e.V. arbeitet seit Gründung im Jahr 2018 intensiv mit Aussteiger*innen aus destruktiven Gruppen. Über die Jahre ...
02/02/2026

iuvenes e.V. arbeitet seit Gründung im Jahr 2018 intensiv mit Aussteiger*innen aus destruktiven Gruppen. Über die Jahre haben wir ganz unterschiedliche Klient*innen beraten – wir betreuen alle Altersgruppen und haben trotz unseres regionalen Schwerpunktes in Berlin/Brandenburg auch viele Menschen aus der ganzen Bundesrepublik, z.T. auch Österreich und der Schweiz begleitet.

Für uns durchaus überraschend gab es jedoch von Beginn an eine konstant hohe Zahl an Klient*innen, die ihre Kindheit und Jugend in der DDR verbracht haben und dort in destruktive Gruppen/High-Control-Groups hineingeboren wurden. Über ihre Erfahrungen und Erlebnisse ist wenig bekannt. Umso mehr freuen wir uns, nun mit unserem neuen Oral-History-Projekt „Verfolgungsdruck und Binnendynamik – High-Control-Groups in der DDR“ einen Beitrag leisten zu können, um unseren Klient*innen Stimme und Raum zu geben, über ihre Erfahrungen zu berichten. Für alle Interessent*innen werden wir eine umfangreiche Broschüre erstellen, die vor allem O-Töne fokussiert und durch verschiedene Beiträge ergänzt wird.

Ermöglicht wird dieses ganz besondere Projekt durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Wir bedanken uns ganz herzlich!
Sie wollen ihre Geschichte erzählen?

Sie sind in der DDR geboren und haben in Kindheit, Jugend oder auch im Erwachsenenalter in Hoch-Kontroll-Gruppen gelebt?

Wenn Sie Ihre Geschichte im Rahmen des Projektes erzählen möchten, schreiben sie uns bitte eine E-Mail an:

[email protected]

iuvenes e.V. arbeitet seit Gründung im Jahr 2018 intensiv mit Aussteiger*innen aus destruktiven Gruppen. Über die Jahre haben wir ganz unterschiedliche Klient*innen beraten – wir betreuen alle Altersgruppen und haben trotz unseres regionalen Schwerpunktes in Berlin/Brandenburg auch viele Mensche...

18/07/2025

Vielen Dank an Sekteninformation unsere Erfahrungen zu teilen!

"In den etwas mehr als zwei Jahren [von 1. Oktober 2022] bis Ende 2024 hat das Team von iuvenes 91 Menschen in 266 Sitzungen und rund 640 Stunden im Einzelgespräch beraten. Durchgeführt hat iuvenes in diesem Zeitraum 51 Gruppensitzungen (online und in Präsenz) mit zusammen 329 Teilnahmen. Ferner wurden in 2023 ein zweitägiger Wochenendworkshop mit 8 Teilnahmen zur Erprobung dieses intensiven Formats, und in der Folge in 2024 vier zweitägige Wochenendworkshops mit zusammen 34 Teilnahmen. Die teilnehmenden Aussteiger*innen sind nach Alter, Geschlecht bzw. geschlechtlicher Identität, Bildungsstand und Beruf außerordentlich heterogen. Gemeinsam ist allen hingegen, dass die psychosozialen Belastungen, denen sie ausgesetzt sind, in aller Regel sehr gravierend sind, darunter Einsamkeit, Isolation und massive Fremdheitsgefühle, Armut, gelegentlich Obdachlosigkeit und / oder Verwahrlosung. Rund zwei Drittel der Beratungsnehmer*innen berichten von Therapieerfahrungen und Diagnosen psychischer Erkrankungen. Auffallend sind die hohen Zahlen an Depressionen und (komplexen) Posttraumatischen Belastungsstörungen (je 17 Personen), von denen die Menschen berichten, gefolgt von Psychosen und psychosomatischen Störungen (je acht) . Andere Menschen kommen mit diagnostizierten Angsterkrankungen, Schizophrenien und multiplen Diagnosen in die Angebote von iuvenes. Nicht selten wenden sich Menschen in hoch akuten Lebenssituationen, oft aus Kriseneinrichtungen und Kliniken, an das Team. Immer wieder auch in suizidalen Lebensphasen. Allen gemeinsam ist, dass sie während ihres Aufenthaltes in der destruktiven Gruppe schwerste psychische, körperliche und/oder sexuelle Gewalt erdulden mussten"

Adresse

Schönhauser Allee 74
Berlin
10437

Benachrichtigungen

Lassen Sie sich von uns eine E-Mail senden und seien Sie der erste der Neuigkeiten und Aktionen von Iuvenes e. V. erfährt. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht für andere Zwecke verwendet und Sie können sich jederzeit abmelden.

Die Organisation Kontaktieren

Nachricht an Iuvenes e. V. senden:

Teilen