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Ein Leben ohne Selbsterforschung ist nicht lebenswert.Diese berühmten Worte legt Platon seinem Lehrer Sokrates in dessen...
13/05/2026

Ein Leben ohne Selbsterforschung ist nicht lebenswert.

Diese berühmten Worte legt Platon seinem Lehrer Sokrates in dessen Verteidigungsrede in den Mund (Platons Dialog Apologie des Sokrates), nachdem er angeklagt worden war, die Götter zu verleugnen und mit seinem Philosophieren die Jugend zu verderben. Ob der genaue Wortlaut von Sokrates selbst stammt oder von Platon, lässt sich nicht mehr feststellen – wie bei vielen Passagen in Platons Schriften, denn Sokrates selbst hat bekanntlich nichts geschrieben. Das Zitat lautet im Zusammenhang:

„Sage ich aber, dass es das größte Glück für den Menschen ist, sich Tag für Tag über die Tugend zu unterhalten und über die weiteren Fragen, über die ihr mich reden hört als einen Prüfer und Erforscher sowohl meiner selbst wie anderer, und dass ein Leben ohne Prüfung und Erforschung nicht lebenswert sei, so werdet Ihr dieser meiner Rede noch weniger Glauben schenken.“

Vor allem in Form der Selbsterforschung bringt uns das Fragen näher an uns selbst, in unsere Mitte und unseren Wesenskern. Erst eine gute Kenntnis und ein gutes Gefühl für sich selbst gibt einem die Möglichkeit, sich selbst zu leben und zu entfalten, zu wachsen und zu blühen und sich an dem Gefühl zu erfreuen, das man sein eigenes, selbstbestimmtes Leben führt. Vielleicht zu Recht wird das Erreichen dieses Ziel oder die Annäherung daran von vielen Denkern der Antike in Ost und West als das größte menschenmögliche Glück gehalten.

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Nutzen Sie die täglichen "Worte der Weisheit", um fünf Minuten Atem und Geist zu beruhigen, still zu werden und sich auf das Wesentliche Ihres Lebens zu konzentrieren.

Das Erstaunen und die Verwunderung sind der Anfang der Philosophie.Das war die Auffassung Platons. Er schreibt:„Denn gar...
12/05/2026

Das Erstaunen und die Verwunderung sind der Anfang der Philosophie.

Das war die Auffassung Platons. Er schreibt:

„Denn gar sehr ist dies der Zustand eines Freundes der Weisheit [Philosoph], die Verwunderung; ja es gibt keinen anderen Anfang der Philosophie als diesen, und wer gesagt hat, Iris [Götterbotin, Vermittlerin zwischen Himmel und Erde] sei die Tochter des Thaumas [Verwunderung, Erstaunen, Bewunderung], scheint die Abstammung nicht übel getroffen zu haben.“

Die Philosophie ist der Stand der Frage und sie beginnt dort, wo man etwas nicht versteht oder scheinbare Selbstverständlichkeiten hinterfragt. Nur das kritische Fragen, das sich nicht mit der erstbesten Antwort beruhigt, bringt einen Erkenntnisgewinn. Dieser führt zu einem besseren Verständnis und dieses wiederum zu der Fähigkeit, besser mit sich selbst, einer Situation, einem Ereignis oder einem Menschen umzugehen. Das Leben aber gelingt und macht umso mehr Freude, je besser und angemessener man sich in seiner Lebenswelt einrichtet und sich in ihr bewegt, weil man sie versteht. So findet man eine „Geborgenheit im Sein“.

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Nutzen Sie die täglichen "Worte der Weisheit", um fünf Minuten Atem und Geist zu beruhigen, still zu werden und sich auf das Wesentliche Ihres Lebens zu konzentrieren.

Bringe vor allem aber diese Gleichmäßigkeit der Stimmung in Dir zur Herrschaft; denn daran fehlt es Dir in erstaunlichem...
11/05/2026

Bringe vor allem aber diese Gleichmäßigkeit der Stimmung in Dir zur Herrschaft; denn daran fehlt es Dir in erstaunlichem Maße.

Das war der Rat des Platon (427-347 v. Chr.) an den König Dionysios von Syrakus. Platon hatte die Vorstellung, die Seele sei ein „vielköpfiges Ungeheuer mit vielen teils zahmen, teils wilden Köpfen“. Aufgabe einer gelingenden Lebensführung sei es, die zahlreichen Seelenkräfte untereinander und mit dem ganzen Menschen in Harmonie zu bringen, so dass sie sich gegenseitig nicht schädigen, sondern stützen und stärken. Gelinge dies, so sei die Seele gesund, schön, glücklich und in sich ausgeglichen. Dann bewahre man in guten wie in schlechten Zeiten eine Grundstimmung ruhiger, heiterer Gelassenheit, die einem die Kraft gibt, in jeder Situation bei sich zu bleiben, besonnen zu reagieren, jede Herausforderung zu bestehen und sich am Leben zu erfreuen.

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Nie laß auf das ermattete Aug' den Schlummer sich senken,Ehe du die Werke des Tags im Einzelnen alle bedacht hast.Epikte...
10/05/2026

Nie laß auf das ermattete Aug' den Schlummer sich senken,
Ehe du die Werke des Tags im Einzelnen alle bedacht hast.

Epiktet konkretisiert dies wie folgt:

„Wo übertrat ich das Maß? Was tat ich? Was nicht, das ich sollte?
So durchgehe von Anfang ein jegliches, und wenn du etwa
Schlechtes getan, so tadle dich selbst, und freu dich, wenn Gutes.“

Gewiss kannte Epiktet die nahezu wortgleiche Aufforderung in den sog. „Goldenen Versen“ des Vorsokratikers Pythagoras, der etwa 600 Jahre vor ihm lebte: „Lass den Schlaf nicht zu deinen sanften Augen kommen, ehe du jedes der Werke des Tages dreimal durchdacht hast […].“ Wer im Leben Fortschritte machen möchte, der sollte auf sich selbst achten, regelmäßig Rechenschaft über sein Leben und Verhalten ablegen und sich Mühe geben, zu wachsen, zu reifen und jeden Tag ein wenig weiser zu werden. So vermehrt man seinen inneren Reichtum, aus dem die Freude und das Lebensglück erwachsen. Wer aufgehört hat, besser werden zu wollen, hat aufgehört, gut zu sein, lautet ein altes Sprichwort.

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Sobald du dich einmal nach außen wendest, und irgendjemandem gefallen willst, so hast du deine Haltung verloren!Epiktet ...
09/05/2026

Sobald du dich einmal nach außen wendest, und irgendjemandem gefallen willst, so hast du deine Haltung verloren!

Epiktet meinte, dass wir alles, was wir tun, tun sollten, weil wir es für richtig und gut halten, nicht aber um Applaus von anderen zu bekommen. Eine solche Erwartung zeigt nur, dass wir noch nicht in uns ruhen und kein ausreichendes Selbstvertrauen besitzen, sondern unser Selbstwertgefühl von dem Lob anderer abhängig gemacht haben. Häufig kann eine solches Verhalten darauf zurückgeführt werden, dass wir in der frühen Kindheit von unseren Bezugspersonen nicht ausreichend geliebt und in unserem Sosein nicht bestärkt worden sind. Uns wurden keine Wurzeln mitgegeben. Es mangelt an Urvertrauen. Als Ersatz suchen wir verstärkt die Anerkennung anderer, um Selbstvertrauen zu gewinnen. Ein solches Selbstvertrauen ist leicht zerbrechlich, weil es nicht aus sich selbst geschöpft ist.

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Denn was immer von sogenanntem Unglück herauskommen mag, in meiner Hand liegt es ja, Vorteil daraus zu ziehen.Epiktet wa...
08/05/2026

Denn was immer von sogenanntem Unglück herauskommen mag, in meiner Hand liegt es ja, Vorteil daraus zu ziehen.

Epiktet war wie viele Denker und Weise der Antike in Ost und West der Auffassung, man könne aus allem, was geschieht, etwas Gutes machen. Häufig müsse man nur die Perspektive auf ein Ereignis ändern, seine Bewertung des Geschehenen und den Umgang mit dem, was das Schicksal einem beschert hat. Wer lernt, Schweres zu tragen, wird stark. Von Konfuzius ist der Ausspruch überliefert, der Weise verstehe, „Unglück in Glück zu verwandeln“. Der berühmte Wiener Neurologe und Psychiater Viktor E. Frankl, der seine ganze Familie im KZ verloren hat und selbst nur mit knapper Not demselben Schicksal entkommen ist, behauptete, man könne aus jeder Tragödie einen Triumph machen. Dasselbe hatte schließlich Sokrates im Sinn, als er einmal sagte, für den Weisen gebe es kein Übel.

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Der Gott hat die Natur des vernünftigen Wesens so eingerichtet, dass es keines von den ihm eigenen Gütern erreichen kann...
07/05/2026

Der Gott hat die Natur des vernünftigen Wesens so eingerichtet, dass es keines von den ihm eigenen Gütern erreichen kann, ohne zum allgemeinen Nutzen beizutragen.

Epiktet war der Auffassung, wenn man seinen tiefsten Bedürfnissen und seiner „wahren“ Natur folge, tue man nicht nur für sich selbst das Beste, sondern diene auch der Allgemeinheit. Bei Seneca, der 50 Jahre vor Epiktet lebte, und dessen Schriften Epiktet gewiss gekannt hat, heißt es: „Die Weisheit dagegen ist ein Gemeingut: sie gilt einerseits denen, mit denen der Weise lebt, anderseits ihm selbst als sein Eigentum.“ Er war der Meinung, dass man nur dann ein glückliches Leben führe, wenn man auch andere glücklich mache. Aristoteles unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Egoismus. Der schlechte verfolge ausschließlich selbstbezogene Ziele, der gute diene zugleich den anderen.

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Es ist nicht leicht, seine Haltung im Leben entsprechend der Natur zu bewahren und auch dem äußeren Leben zu genügen.Epi...
06/05/2026

Es ist nicht leicht, seine Haltung im Leben entsprechend der Natur zu bewahren und auch dem äußeren Leben zu genügen.

Epiktet fährt fort:

„Im Gegenteil, es ist durchaus notwendig, dass, wer sich um das eine kümmert, das andere außer Acht lassen muss.“

Epiktet hatte die Angewohnheit, sich gelegentlich drastisch auszudrücken. Man darf auch nicht vergessen, dass es sich bei seinen Texten um Mitschriften aus Vorlesungen und Debatten mit den Studierenden handelt. Dass man die äußeren Güter und das äußere Leben völlig außer Acht lassen sollte, dürfte nicht gemeint sein. Wohl aber, dass das Wichtigste im Leben der eigene Seelengarten ist, um den man sich mehr kümmern sollte als um die Anhäufung äußerer Güter und die Sorgen des äußeren Lebens. Unser Inneres ist das Wichtigere.

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Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Vorstellungen von den Dingen.Und weiter sagt Epiktet:„[…] W...
05/05/2026

Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Vorstellungen von den Dingen.

Und weiter sagt Epiktet:

„[…] Wenn wir deshalb gehindert oder beunruhigt oder betrübt werden, so sollen wir nie in andern die Ursache suchen, sondern in uns, das heißt, in unseren Vorstellungen!“

Eine der wichtigsten Einsichten der praktischen Philosophie der Stoa war es, den Einfluss unserer Vorstellungen auf unser Wohlbefinden zu erkennen. Je nachdem, wie wir die Dinge, Ereignisse oder Menschen bewerten, einordnen und in unser Weltverstehen einfügen, entwickeln wir Gefühle und Emotionen, belastende, erfreuliche oder neutrale. Auf diesem Wege bestimmen unsere Vorstellungen maßgeblich unser Wohlbefinden. Viel weniger als die äußeren Umstände, das äußere Geschehen oder die Mitmenschen, entscheiden sie darüber, ob wir unser Dasein als glücklich erleben oder eher unzufrieden sind. Deshalb ist die Philosophie so wichtig, weil sie für wahre, angemessene und hilfreiche Vorstellungen sorgt.

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Die einen Dinge stehen in unserer Gewalt, die anderen nicht.Von dieser grundlegenden Unterscheidung geht der stoische Ph...
04/05/2026

Die einen Dinge stehen in unserer Gewalt, die anderen nicht.

Von dieser grundlegenden Unterscheidung geht der stoische Philosoph Epiktet aus (um 50-138 n. Chr.). Er war ein freigelassener Sklave, aus dem ein berühmter und allseits geachteter Philosoph wurde. In Nikopolis, an der heutigen Grenze zwischen Griechenland und Albanien, unterhielt er eine viel besuchte philosophische Schule. Im Anschluss an das Zitat heißt es:

„In unserer Gewalt stehen Vorstellung, Wunsch, Begierde und Abneigung; mit einem Wort alles, was unser Werk ist [was von uns ausgeht]. Nicht in unserer Gewalt stehen dagegen Leib, Besitz, Ansehen, Ehrenstellen; mit einem Wort alles, was nicht unser Werk ist.“

Es handelt sich um eine der zentralen Erkenntnisse der stoischen Philosophie. Wir sollen uns mit dem beschäftigen, was wir in der Hand haben, das andere aber „der Vorsehung überlassen“ oder, wie sich Epiktet ausdrückte: „das geht uns nichts an“. Häufig regen wir uns über Ereignisse auf, auf die wir keinerlei Einfluss haben. Das ist sinnlos und erschöpft nur unsere Energie. Diese Energie sollen wir besser dort einsetzen, wo wir etwas beeinflussen und Gutes schaffen und bewirken können, vor allem in unseren Vorstellungen, unserem Bewerten, unserer inneren Welt und in unserem unmittelbaren Lebensumfeld.

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Die Welt ist eine Brücke, geht darüber, aber baut kein Haus auf ihr!Der Ausspruch soll von dem malaiisch-islamischen Sch...
03/05/2026

Die Welt ist eine Brücke, geht darüber, aber baut kein Haus auf ihr!

Der Ausspruch soll von dem malaiisch-islamischen Schriftsteller Bukhari al-Jauhari (17. Jh.) stammen. Das Leben ist Wachstum, Wandel, Veränderung, Entstehen und Vergehen. Das Feste und Unveränderliche widerspricht seinem Wesen. Platon sagte einmal, dass derjenige, der dieses Leben wähle, Werden und Vergehen wähle. Häuser sind nur Herbergen auf dem Lebensweg. Das pulsierende Leben bleibt nicht stehen.

Eine altindische Erzählung lautet folgendermaßen: Ein indischer Herrscher wollte sich einen neuen Palast errichten lassen. Als er sich einmal in der Natur aufhielt, sah er am Himmel eine Wolke, deren Form genau dem entsprach, wie er sich seinen neuen Palast vorstellte. Schnell holte er Papier und Stift, um die Gestalt festzuhalten. Doch als er wieder zurückkam, hatte die Wolke ihre Form schon völlig verändert. Daraufhin dachte der Herrscher über die Vergänglichkeit der Welt nach. Er gab schließlich all seine Herrschaft und seinen Besitz auf, zog sich in ein Kloster zurück und führte fortan das Leben eines Mönchs. Nachdem Konfuzius den Laotse getroffen hatte, soll er gesagt haben: „Der Drache schwingt sich auf dem Wind und den Wolken in den Himmel. Heute habe ich Laotse gesehen, er ist wie ein Drache!“ Das Leben ist ein ständiger Fluss, auf dem wir in unserem kleinen Kahn dahingetrieben werden, ohne Halt zu finden, aber mit der Möglichkeit, ihn zu steuern.

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