20/05/2026
S-BAHN BERLIN: VERGABEVERFAHREN DROHT ZU SCHEITERN
Die EVG Berlin schlägt Alarm: Das Vergabeverfahren für die Teilnetze Nord-Süd und Stadtbahn steht vor dem Aus. Aktuell liegt eine Beschwerde eines nicht berücksichtigten Bewerbers bei der Vergabekammer.
Schon jetzt ist klar: Ein Abschluss des Verfahrens noch 2026 ist unrealistisch. Danach droht zusätzlich eine Klage vor dem Kammergericht – mit weiteren Verzögerungen von bis zu anderthalb Jahre.
Die Folgen treffen Fahrgäste und Beschäftigte gleichermaßen: Die dringend benötigten Neufahrzeuge werden voraussichtlich erst ab 2033 einsatzbereit sein. Ursprünglich war der Start bereits 2023 geplant. Damit droht eine Verzögerung von mindestens zehn Jahren.
Besonders kritisch sieht die EVG die Ausgestaltung des Vergabeverfahrens. Anstelle klarer und verbindlicher Vorgaben – etwa zu umfassenden Tarifverträgen und sicheren Arbeitsbedingungen – wurde ein kompliziertes und intransparentes Punktesystem geschaffen. Dieses sollte vermeintlich bessere Arbeitsbedingungen belohnen, blieb jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. Auch wichtige Regelungen zum Betriebsübergang und zur Sicherung von Fachkräften wurden nicht konsequent genutzt.
Durch Verzögerungen bei der Fahrzeugbeschaffung, notwendige Sanierungsmaßnahmen von Altfahrzeugen, steigende Kosten infolge von Inflation sowie erhebliche juristische Ausgaben entsteht ein zusätzlicher finanzieller Schaden in dreistelliger Millionenhöhe. Damit muss endlich Schluss sein.
Die EVG Berlin fordert deshalb:
• Künftige Vergabeverfahren müssen transparent, rechtssicher und sozial ausgewogen gestaltet werden.
• Verbindliche tarifliche Standards und klare Regelungen zum Schutz der Beschäftigten müssen zwingend vorgeschrieben werden.
• Die Laufzeiten der Verkehrsverträge sollten ab 2035 synchronisiert werden, um perspektivisch eine Gesamtausschreibung des S-Bahn-Systems zu ermöglichen.
• Ziel muss es sein, die S-Bahn als integriertes Gesamtsystem zu erhalten und eine Zerschlagung dauerhaft auszuschließen.
„Unsere Expertise muss endlich ernsthaft einbezogen werden“, so Robert Seifert. Die politisch Verantwortlichen müssen jetzt handeln!