09/07/2025
Stellungnahme von Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage Bundeskoordination weil wir eine gerechte Bildung brauchen – ohne rassistische Scheinlösungen wie „Migrationsquoten“. Statt über Herkunft zu diskutieren, sollten wir über Ressourcen, diskriminierungskritische Praxis und echte Teilhabe sprechen!
Sanem Kleff: „Sprachförderung für alle statt Migrationsquote!“
Nach den Äußerungen der Bildungsministerin Karin Prien zu einer „Migrationsquote“ an Schulen wird in den Medien über die Sinnhaftigkeit von einer Sprachstandserhebung bei Schulkindern diskutiert, also die Messung der Kenntnisse der deutschen Sprache. Hier das Statement der Direktorin der Bundeskoordination von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage, Sanem Kleff, die jahrzehntelang Deutsch als Zweitsprache unterrichtete und entsprechende Lehrkonzepte entwickelte.
„Für alle Kinder, die keinen altersgerechten Sprachstand der deutschen Sprache vorweisen können, ist eine altersgerechte Sprachförderung unerlässlich – dazu gehören nicht nur Kinder mit nichtdeutscher Herkunftssprache, sondern alle, die eine Förderung benötigen.
Frühzeitige Sprachstandsmessungen sind ein wichtiges Instrument, um Bedarfe zu identifizieren. Alle Messergebnisse ergeben aber nur dann Sinn, wenn ihnen angemessene Fördermaßnahmen möglichst früh in Kita, Hort und Schule folgen. Für einen altersgerechten Sprachunterricht brauchen die Einrichtungen angemessen qualifiziertes Personal und generell eine bessere Ausstattung. Wenn aus Sprachstandserhebungen keine konkreten Lösungen folgen, tragen sie zur Stigmatisierung, Diskriminierung und Ausgrenzung von Kindern bei. Keinesfalls dürfen solche Messungen eine Grundlage für eine ,Obergrenze‘ oder eine ,Quote‘ sein, wie sie derzeit diskutiert werden.
Die Diskussion um eine ,Migrationsquote‘ stigmatisiert alle migrantischen Kinder und ist in keiner Weise hilfreich. Bestehende rassistische Vorurteile und diskriminierendes Verhalten an Schulen würden dadurch verstärkt werden. Wenn angestrebt wird, maximal 30 Prozent Kinder mit nichtdeutscher Herkunftssprache an Schulen zu haben, ist es eine erfundene Zahl, eine fachlich nicht begründbare, willkürliche Quote. Zudem zeigt eine ganze Reihe von offenen Fragen, dass es sich dabei um ein Schlagwort handelt und nicht um eine echte Maßnahme: Wo sollen die Kinder zur Schule gehen, wenn eine Quote erreicht ist und andere Schulen zu 100 Prozent belegt sind? Ist es mit der Rechtsgrundlage der Schulbehörde überhaupt vereinbar, Grundschulkinder, ob nun mit Migrationshintergrund oder ohne, eine Schule außerhalb des Einzugsgebiets zuzuweisen? Und wer organisiert und bezahlt den Transport der jüngeren Kinder?“
Foto: Wolfgang Borrs