13/02/2026
Stellungnahme der Allianz Ukrainischer Organisationen
Bestraft für die Erinnerung
Die Allianz Ukrainischer Organisationen verurteilt den Ausschluss des ukrainischen Olympiasportlers Wladyslaw Heraskewytsch vom Skeleton-Rennen durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) auf das Schärfste.
Wladyslaw Heraskewytsch wurde ausgeschlossen, weil er einen Helm trug, der an ukrainische Sportlerinnen und Sportler erinnerte, die im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine getötet wurden. Es waren nicht einfach Namen. Es waren seine Freunde. Trainingspartner. Kolleginnen und Kollegen, mit denen er jahrelang gearbeitet, gelacht und gekämpft hat. Sein Helm war kein politisches Statement. Er war ein stilles, würdiges Zeichen des Gedenkens.
Seit Beginn der russischen Vollinvasion im Jahr 2022 wurden über 650 ukrainische Sportlerinnen, Sportler und Trainer getötet. Hinter jeder Zahl steht ein Mensch: junge Talente, erfahrene Coaches, Olympiateilnehmer, Kinder mit großen Träumen. Einige starben an der Front, weil sie ihr Land verteidigten. Andere wurden bei Raketen- und Drohnenangriffen auf ihre Heimatstädte getötet. Während wir diese Worte schreiben, gehen die Angriffe weiter. Russische Raketen und Drohnen treffen weiterhin Wohnhäuser, Sportanlagen, Schulen. Der Krieg ist keine abstrakte Nachricht – er ist tägliche Realität.
Und während dieser Krieg andauert, während ukrainische Athletinnen und Athleten an der Front kämpfen oder unter Bomben leben, dürfen sogenannte „neutrale“ Athleten aus Russland an internationalen Wettbewerben teilnehmen. Gleichzeitig wird einem Ukrainer untersagt, seiner getöteten Freunde zu gedenken.
Das ist nicht nur widersprüchlich – es ist zutiefst unmenschlich.
Wir halten fest: Der Ausschluss von Wladyslaw Heraskewytsch entbehrt jeder juristischen und formalen Grundlage. Sein Verhalten verstößt weder gegen die Regeln noch gegen die ethischen Prinzipien des IOC. Die Entscheidung wirkt politisch motiviert, subjektiv und nicht nachvollziehbar. Das IOC nimmt sich das Recht heraus zu bestimmen, wo und wie um getötete Sportlerinnen und Sportler getrauert werden darf. Das ist inakzeptabel.
Der olympische Gedanke steht für Würde, Respekt, Solidarität und Menschlichkeit. Wenn ein Athlet dafür bestraft wird, dass er seiner ermordeten Freunde gedenkt, dann gerät dieser Gedanke ins Wanken. Schweigen angesichts von Unrecht darf keine Option sein.
Sportlerinnen und Sportler tragen nicht nur Verantwortung für ihre Leistung, sondern auch für ihre Haltung. Wladyslaw Heraskewytsch hat Haltung gezeigt. Er hat Mitgefühl gezeigt. Er hat Menschlichkeit gezeigt.
Wir rufen die internationale Sportgemeinschaft auf, Solidarität mit Wladyslaw Heraskewytsch zu zeigen. Erinnerung ist kein Vergehen. Gedenken ist kein Regelbruch. Menschlichkeit darf nicht sanktioniert werden.
Das Verhalten des Internationalen Olympischen Komitees ist ein Armutszeugnis.
Wladyslaw Heraskewytsch bleibt seinen Prinzipien treu. Er steht für Mut, Würde und Verantwortung – weit über den Sport hinaus.
Und wir alle stehen in der Pflicht, dem Unrecht nicht gleichgültig zu begegnen.
Foto: Getty Images/Andrew Milligan