05/12/2025
Am letzten Tag der ICOM Jahrestagung standen zwei Panels im Zentrum, die eindrucksvoll zeigten, wie vielfältig die Kraft der Museen wirksam wird – sowohl im Umgang mit Objekten als auch im Inneren der Institutionen
👉 Unter dem Titel „DINGE UND SINNE – Von sorgenden Objekten“ diskutierten die Kuratorinnen Monika Keenan (Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum) und Dr. Mahret Ifeoma Kupka (Museum Für Angewandte Kunst Frankfurt) mit Jules Rijssen (Imagine IC, Amsterdam). Moderation: Alina Gromova (Jüdisches Museum München). Auf unterschiedliche Weise legten sie dar, wie sich Objekte als Resonanzkörper durch Kontakt mit den Menschen verändern, aber wie sie gleichzeitig auch Einfluss auf ihn nehmen. So zeigte Jules Rijssen, dessen museale Begegnungsstätte Imagine IC in einem vornehmlich migrantisch bewohnten Stadtviertel am Rande Amsterdams liegt, wie es anhand von Objekten bzw. einem gemeinsamen Erbe gelingen kann, zu verhandeln, „wer wir gemeinsam sind und wer wir sein möchten“. Dr. Mahret Ifeoma Kupka ergänzte den Gedanken um die Chancen, die die Dekolonialisierung von Objekten und Sammlungen birgt. So können Gruppen, für die Sammlungen ursprünglich nicht angelegt waren, auf eine neue Weise Zugang erhalten und dadurch bislang verschlossene Narrative und Erkenntnisse liefern. Monika Keenan hob den Diskurs auf die digitale Ebene. Digitale Installationen öffnen gänzlich neue Möglichkeiten, sich mit Objekten auseinanderzusetzen.
👉 Das Panel „MENSCHEN – Von kümmernden Strukturen“ untersuchte, wie Museen Mitarbeitende stärken und echte Beteiligung ermöglichen können. Die Inputs zeigten, wie wichtig neue Organisationsformen, Strukturen wie auch Care-Arbeit sind, um Museen zu Orten machen, an denen sich alle willkommen fühlen. Moderation: Dr. Felicia Sternfeld (Europäisches Hansemuseum Lübeck). Dr. Sascia Bailer (CARING CULTURE LAB) unterstrich die Notwendigkeit, „Caring Infrastructures“ langfristig zu etablieren, dabei müssten Museen auch über die eigenen Wände hinausdenken und mit der Community in Dialog treten. Lara Abul-Ella & Josefina Trittel (Kulturstiftung der Länder) stellten die Arbeit des gerade gestarteten Projektes PRISMA (Programm zur Stärkung der Diversität und kulturellen Teilhabe an Museen) vor, das herausfinden möchte, wie sich Museen gestalten lassen, in denen sich möglichst alle Menschen angesprochen und repräsentiert fühlen. Wenn wir Unbehagen nicht aushalten können, so Steph Scholten (The Hunterian / University of Glasgow) sei langfristig kein Wandel möglich. Die Sprecher:innen waren sich einig, dass nachhaltiger Wandel nicht über Nacht geschieht, deshalb sei es um so wichtiger, nicht vor der Menge der notwendigen Veränderungen zu kapitulieren, sondern auch im Kleinen, im alltäglichen Miteinander innerhalb und außerhalb der eigenen Institutionen zu beginnen.
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Fotos: Martin Kunze