ADHS Deutschland

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Bei "MDR um 4" ging es zuletzt um "Späte Diagnose, neue Perspektive - ADHS in der zweiten Lebenshälfte", u.a. mit unsere...
21/08/2026

Bei "MDR um 4" ging es zuletzt um "Späte Diagnose, neue Perspektive - ADHS in der zweiten Lebenshälfte", u.a. mit unserem Vorstandsmitglied Astrid Neuy-Lobkowicz. In das Interview eingebettet sind die Beispiele von drei erwachsenen Frauen, die erst spät die Diagnose ADHS erhielten, und dies aus unterschiedlichen Gründen.

In einem Fall, weil die 52-Jährige beruflich erfolgreich war und niemand, auch die Betroffene selbst nicht, an eine Beeinträchtigung glaubte, bis sie nach Jahrzehnten der Hyperaktivität erschöpft war. Im anderen Fall, weil die bereits in der Kindheit diagnostizierte ADHS des Bruders die ADS seiner Schwester im Alltag der Familie überlagerte. Im dritten Fall, da fälschlicherweise die Diagnose einer Depression gestellt wurde, deren Therapie über Jahre nichts brachte, jedoch den Zeitpunkt hinausschob, zu dem schließlich die richtige Diagnose gestellt wurde.

Ein sehenswerter Beitrag.

https://www.ardmediathek.de/video/mdr-um-4/spaete-diagnose-neue-perspektive-adhs-in-der-zweiten-lebenshaelfte/mdr/Y3JpZDovL21kci5kZS9iZWl0cmFnL2Ntcy9iMTRlMmQ4Yy03NTBiLTQ2ZGMtYjkxMy05YmQwOTY0ZDIxMWU

19/08/2026

Auf der Seite des SWR findet sich aktuell ein Beitrag, der eine Diskussion aufgreift, die auch in den USA zunehmend intensiver geführt wird: Das Heranwachsen einer Generation, deren Verhältnis zu psychiatrischen Diagnosen v.a. durch Social Media geprägt ist.

In einem Gastkommentar der US-amerikanischen Psychiaterin Suzanne Garfinkle-Crowell in der New York Times, Autorin des Buchs "Girlhood, Translated: Understanding Young Women in the Age of Therapy Speak and Self-Diagnosis”, schreibt sie:

"Natürlich sind nicht nur Mädchen im Teenageralter und junge Frauen diejenigen, die auf die Therapiesprache zurückgreifen. Erhebungen zufolge schreiben sich 50 Prozent der Generation Z selbst psychische Erkrankungen zu; Identitäten, die auf einer Krankheit basieren, haben bei jungen Menschen – sowohl online als auch offline – Fuß gefasst."

Während man die verzerrte Darstellung der Störungsbilder durch vermeintlich oder tatsächliche Betroffene in den "Sozialen Netzwerken" sowie die Selbstdiagnose aus fachlicher Perspektive beklagen kann, sieht Garfinkle-Crowell in diesem Trend dennoch einen Vorteil sowie eine Botschaft. "Um das klarzustellen: Ich lebe nach wie vor lieber in einer Welt, in der alle zu viel über Traumata reden, als in einer, in der man in eine Schublade gestopft wird, nur weil man anders ist."

Und sie formuliert, was sich aus ihrer Sicht häufig hinter der Selbstdiagnose versteckt: "Wer sagt, er habe ADHS, möglicherweise aber nicht alle klinischen Kriterien erfüllt, will damit wahrscheinlich ausdrücken, dass er sich zerstreut oder überfordert fühlt oder befürchtet, sein Leben nicht im Griff zu haben. Wenn jemand von Angstzuständen spricht, kann man ziemlich sicher sein, dass die Person nervös, unruhig oder unsicher ist. Wenn dich das Wort »depressiv« abschreckt, versuche stattdessen zu verstehen, warum sich die betreffende Person hoffnungslos, einsam oder verzweifelt fühlt."

Wer sich durch die Übertragung der Diagnose in einen Gefühlsausdruck nicht in seiner Pathologie ernstgenommen sieht, sollte bedenken, dass es der Psychiaterin nicht darum geht, die Berechtigung einer Diagnose zu hinterfragen, sondern einen Sinn in der Selbstpathologisierung zu finden, sowohl für die Betroffenen als auch sich selbst als Ärztin. "Letztendlich ist das Übertragen ein Akt der Empathie – der Versuch, die Grenzen der eigenen Perspektive zu überwinden. Sich dieser Mühe zu unterziehen, ist eine wirkungsvolle Möglichkeit, einem anderen Menschen zu helfen, sich besser zu fühlen."

Sie sieht in der Tendenz zur Identifizierung mit psychischen Störungen weniger ein medizinisches als ein sprachlich-kulturelles Problem: "Sprache kann bestimmte Aspekte der Wahrheit beleuchten und andere zugleich verschleiern. Vielleicht ist das der Grund, warum Claude Monet die Ansicht zugeschrieben wird, man müsse den Namen einer Sache vergessen, um sie wirklich sehen zu können. [...] Wenn es um die Sprache der Therapie geht – sei es in meiner Praxis oder bei Ihnen zu Hause –, ist eine solche Übersetzung ein wichtiger erster Schritt."

Die im SWR-Artikel zitierten Fachleute sehen allerdings eine andere Gefahr, die auch wir bereits auf diesen Seiten thematisierten. "ADHS und Autismus würden sehr oft als Zeichen von Besonderheit, Kreativität oder Sensibilität gedeutet. Neurodiversität wird als Vielfalt gesehen und nicht mehr mit Defiziten verbunden, sondern positiv gewertet. Doch die Grenze zwischen ganz alltäglichen Schwierigkeiten und tatsächlich schwereren Erkrankungen ist so kaum mehr zu ziehen. »Dieses Pathologisieren von Alltagserlebnissen ist eine Gefahr bei der Sache«, warnt Mittmann."

Gloria Mittmann, Psychologin an der Karl-Landsteiner-Privatuniversität in Krems und Mitautorin einer Studie, die dieses Jahr im "International Journal of Clinical and Health Psychology" erschien, in deren Verlauf 93 klinische Psychologinnen und Psychologen zur Selbstdiagnose von Klienten befragt wurden, fasst die Studienbefunde zusammen: "Viele Patienten und Patientinnen kommen heute gar nicht mehr mit einer offenen Frage in die Praxis, sondern mit einer festen Erwartung. Besonders häufig ginge es dabei um ADHS und Autismus. Schizophrenie, Depression und Angststörungen spielten deutlich seltener eine Rolle."

Wer sich für den Artikel der New York Times (in englischer Sprache) interessiert, findet ihn unter folgendem Link: https://www.nytimes.com/2026/08/18/opinion/therapy-speak-daughter-trauma-anxiety.html

Der SWR-Beitrag (in deutscher Sprache) findet sich unter:
https://www.swr.de/leben/gesundheit/adhs-autismus-neurodiversitaet-als-statussymbol-bei-jungen-menschen-100.html

In »SPIEGEL HEALTH« erschien zuletzt die Fortsetzung der Geschichte von Ursula Frühe über das Leben ihres Sohnes Lukas m...
14/08/2026

In »SPIEGEL HEALTH« erschien zuletzt die Fortsetzung der Geschichte von Ursula Frühe über das Leben ihres Sohnes Lukas mit der ADHS, über deren ersten Teil wir bereits vor einigen Wochen berichteten. Der Text beginnt mit der Erwartung, das Gröbste überstanden zu haben, als Lukas die 10. Klasse des Gymnasiums erreichte. Allein die Aussage seiner Lehrerin "Er steht sich nur selbst im Weg, weil er sich mit anderen vergleicht, dann fühlt er sich schlecht, weil er länger braucht!" wirft einen neuen Schatten auf die Erfolge und das Elend der zurückliegenden Jahre.

Während Lukas seinem jüngeren Bruder, der vor dem Hintergrund der Erfahrungen der Mutter mit dem ältesten Sohn weitaus früher die Hilfen erhielt, die er als gleichfalls von der ADHS Betroffener brauchte, seinen leichteren Weg gönnte, war sein Vertrauen in den eigenen Weg ungleich geringer. Bis in die 12. Klasse traute er sich nicht, den Mitschülern die ADHS-Diagnose zu offenbaren. Als er es mit Hilfe eines Beratungslehrers schließlich tat, blieb er dennoch ein Außenseiter in seiner Schulklasse.

Dann kam Corona und die Eltern saßen mit drei pubertierenden Jungen in der Wohnung der Familie fest. Der Alltag veränderte sich, doch reagierte jeder der Söhne anders. Der hyperaktive Mario war "dauernd aggressiv", der unauffällige Leon "traurig und verwirrt" über die neue Situation - und Lukas wurde depressiv. Während die Schule Leon ermöglichte, abseits des Familienchaos im leeren Schulgebäude zu lernen, waren die beiden Jungs mit ADHS ohne externe Hilfen in der Wohnung gefangen.

Im Weiteren schreibt Ursula Frühe über die Absurdität der Corona-Jahre. "Als an Pfingsten der Europa-Park wieder öffnete und kurz darauf die ersten Ferienflieger nach Mallorca starteten, blieb für die Mittelstufe die Schule zunächst noch weiter zu." Sie klagte vor dem Verwaltungsgericht gegen die Schulschließung und verlor. Ihr Mann musste wegen einer chronischen Entzündung in die Klinik; Besuche waren aufgrund der Pandemie verboten. Lukas, der sich in den Monaten der Schulschließungen an die Präsenz des Vaters im Haushalt gewöhnt hatte, reagierte mit psychogenen Anfällen.

Es kam noch schlimmer. Am Ende erklärte Lukas sich zu einer stationären Therapie bereit - depressiv, durch Selbstverletzungen gezeichnet und auf dem Weg von der Selbstmedikation in die Sucht. Der Klinikaufenthalt hatte zumindest einen positiven Effekt: Er wolle von Anfang an wieder raus und wusste, dass dieser Weg seine Entschiedenheit, seine Motivation, seine Anstrengung erforderte. "Sein Neustart wurde nur möglich, weil er sich den Versagensängsten aus Kindertagen stellte. Weil er es schaffte, auch die ungeliebten Anteile seiner ADHS anzunehmen und zu verstehen: Da gibt es nichts rauszuschneiden – die ADHS gehört zu mir!"

Eine authentische Geschichte voller Ängste und Hoffnungen, Hinfallen und Wiederaufstehen. Lesenswert!

In Klasse 10 wähnte ich meinen Lukas endlich auf Kurs. Doch dann brach unser Familienkosmos zusammen. Schließlich rettete uns ein Satz seines Therapeuten.

Offenbar nur eine Randnotiz in der aktuellen politischen Diskussion im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, doch ...
12/08/2026

Offenbar nur eine Randnotiz in der aktuellen politischen Diskussion im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, doch aus unserer Sicht als ADHS-Selbsthilfe eine wichtige Frage: Wie soll die Politik künftig mit (Neuro-)Diversität umgehen?

Im Wahlprogramm des AfD-Landesverbands Sachsen-Anhalt sind wir auf folgenden Absatz gestoßen:

"Keine Experimente an unseren Kindern! Das Experiment »Inklusion«, also der gemeinsame Unterricht von behinderten Kindern mit normal begabten Kindern und die Abschaffung der herkömmlichen Förderschulen, ist auf ganzer Linie gescheitert. Die behinderten Kinder erhalten nicht die Aufmerksamkeit, die sie benötigen, finden unter ihren Mitschülern keinen Anschluss, lähmen den Unterrichtsfortgang und bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück. Gerade behinderte Kinder benötigen eine speziell auf ihre Situation abgestimmte Pädagogik, wie sie nur an Förderschulen möglich ist. Hinzu kommt, dass die in Inklusionsklassen oft praktizierte Doppelbesetzung (= zwei Lehrer pro Klasse) in Zeiten des Lehrermangels wertvolle Kapazitäten bindet. Wir werden die Inklusion unverzüglich beenden und die Förderschulen ausbauen! Die zunehmende Heterogenisierung der Lerngruppen ohne ausreichende Differenzierungsinstrumente korreliert mit steigenden Anteilen leistungsschwacher Schüler. Leistungsdifferenzierung ist daher Voraussetzung für Qualitätssteigerung." (Offizielles AfD-Wahlprogramm zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026, S.74)

Wir machten in der Vergangenheit keinen Hehl daraus, dass wir als Selbsthilfeverein, der für Verständnis und Toleranz im Umgang mit ADHS-Betroffenen wirbt, politische Kräfte kritisch sehen, die zu Intoleranz und Ausgrenzung aufrufen. Das Wahlprogramm der AfD in Sachsen-Anhalt (und nicht nur dort) ist voller Ressentiments, Abwertung von Andersdenkenden und rassistischen Konzepten, die durchaus als Blaupausen für eine antidemokratische, diversitätsfeindliche und potenziell gewaltsame Transformation unserer Gesellschaft gelesen werden können. Nicht ohne Grund stuft der Verfassungsschutz den AfD-Landesverband Sachen-Anhalt als "gesichert rechtsextremistisch" ein.

Man kann über die Vor- und Nachteile der Inklusion durchaus streiten - und die »kalte Inklusion« - die in nicht wenigen Ländern als Sparprogramm betrieben wird, da ein auf wenige Schultypen und Bildungswege reduziertes Schulsystem schlichtweg billiger ist als ein ausdifferenziertes Bildungswesen mit speziellen Förderangeboten für die unterschiedlichen Bedürfnisse von Kindern - hat dem grundsätzlich richtigen und wichtigen Inklusionsgedanken großen Schaden zugefügt.

Dennoch kann das Wahlprogramm der AfD in Sachsen-Anhalt nicht anders gelesen werden als ein Weg in die Ausgrenzung von Kindern und Jugendlichen mit Entwicklungsstörungen. Das Schicksal eines Unterrichts in Sonderschulklassen teilen u.a. Kinder mit ADHS oder auf dem Autismus-Spektrum dann mit Kindern mit Migrationshintergrund, für welche die AfD gleichfalls eigenständige Schulklassen fordert, in welchen sie nicht nach den allgemein gültigen Lehrplänen unterrichtet, sondern letztlich auf ihre Abschiebung in ihre tatsächlichen oder vermeintlichen Herkunftsländer vorbereitet werden sollen.

Wir sehen es als ADHS Deutschland e.V., mithin als gemeinnütziger Verein mit einem in unserer Satzung klar umrissenen Bildungsauftrag, als unsere Pflicht an, vor politischen Strömungen zu warnen, die aus unserer Sicht zum Nachteil von ADHS-Betroffenen sind. Die seitens der AfD für Sachsen-Anhalt im Fall einer Regierungsverantwortung geplante Schulpolitik ist zum Nachteil von in ihrer Entwicklung auffälligen, minder begabten oder aus sonstigen Gründen weniger leistungsfähigen Kindern. Sie zielt auf einen Selektionsprozess ab, der gut begabte, »normale« deutsche Kinder fördert, während er Kinder, die nicht der Norm (weiß, psychisch unauffällig, deutsch) entsprechen, aussortiert und abschiebt, sei es in Sonderschulen oder andere Länder.

Das bildungspolitische Konzept der AfD überrascht besonders, da die Wähler der AfD mehrheitlich über ein im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt in Deutschland niedrigeres Bildungsniveau verfügen, weniger verdienen und häufiger arbeitslos sind. Unter allen in deutschen Parlamenten vertretenen Parteien hat die AfD die meisten Wähler, die von Bürgergeld leben und von Sozialtransfers profitieren. Sie wurde in den letzten Wahlen v.a. von Menschen gewählt, die, würde die AfD regieren und ihr Wahlprogramm umsetzen können, am meisten unter den Kürzungen im Sozialbereich leiden werden.

Jeder, der in den kommenden Wahlen seine Stimme abgeben wird, sollte daher bedenken, ob die eigene Wahl eine auf Toleranz und sozialen Ausgleich ausgerichtete Politik unterstützt und nicht zuletzt auch der eigenen Zukunft dient. Die frühere indische Premierministerin Indira Ghandi sagte einst: "Die Geschichte ist der beste Lehrer mit den unaufmerksamsten Schülern." Das Wahlverhalten vieler Menschen nicht zuletzt in Deutschland gibt ihr auf bittere Weise recht.

11/08/2026

Ein Interview des ADHS Deutschland e.V. mit Prof. Dr. Hanna Christiansen, Leiterin des Instituts für Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie-Ausbildung sowie der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie-Ambulanz in Marburg zur Frage, inwieweit die ADHS Einfluss auf das Familienleben hat.

Laut Hochrechnungen der DAK, basierend auf den Daten ihrer Mitglieder, stieg die Zahl der ADHS-Neudiagnosen bei Kindern ...
10/08/2026

Laut Hochrechnungen der DAK, basierend auf den Daten ihrer Mitglieder, stieg die Zahl der ADHS-Neudiagnosen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland in den letzten Jahren wieder deutlich an. Im Jahr 2024 gab es im Vergleich zum Vorjahr 16 Prozent mehr ADHS-Diagnosen einer bei Kindern bis einschließlich 17 Jahren. Jungen bekamen zwar etwa doppelt so häufig eine Erstdiagnose wie Mädchen. Hochgerechnet betraf das 2024 rund 136.500 Jungen und 65.000 Mädchen, doch stieg die Zahl der Neudiagnosen bei Mädchen mit 21 Prozent binnen eines Jahres stärker an als bei Jungen mit gut 14 Prozent.

Der Anstieg betraf alle Altersgruppen, fiel aber bei Schulkindern zwischen 10 und 14 Jahren besonders deutlich aus. So erhielten 2024 insgesamt 18 von 1000 Schulkindern die Neudiagnose ADHS. Im Jahr davor waren es etwa 15 von 1000. Noch höher war die Inzidenz mit 2,4% nur bei Grundschulkindern.

Im verlinkten Artikel wird Prof. Dr. Christoph Correll, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Berliner Charité, mit der Aussage zitiert, dass es sich bei der ADHS dennoch nicht um eine »Modediagnose oder Überdiagnostik« handle. Vielmehr könnten "zunehmender Druck und Stress oder auch negative Einflüsse sozialer Medien [...] bei einer genetischen Veranlagung dazu führen, dass eine psychische Erkrankung eher zum Tragen komme." Zudem ist das Thema in der Öffentlichkeit, nicht zuletzt in den sozialen Medien selbst, heute weitaus präsenter als noch vor wenigen Jahren.

Gut 200.000 Kinder und Jugendliche erhielten im Jahr 2024 die Diagnose ADHS. Laut Krankenkassendaten nahm die Zahl der neuen Fälle deutlich zu, vor allem bei Mädchen.

Auf "Jama Network" erschien zuletzt unter dem Titel "Problematic Social Media Use and Attention-Deficit/Hyperactivity Di...
02/08/2026

Auf "Jama Network" erschien zuletzt unter dem Titel "Problematic Social Media Use and Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder Symptoms in Adolescents" ein Artikel, der den Zusammenhang von "problematic social media use" und ADHS-Symptomen beschreibt. Im Rahmen der prospektiven Kohortenstudie wurden Daten aus fünf jährlichen Erhebungen der „Adolescent Brain Cognitive Development“-Studie genutzt, die ab 2016 an 21 US-Standorten startend mit Kindern im Alter von 9 bis 10 Jahren erhoben wurden. Am Ende gingen die Angaben zu f 11.286 Jugendlichen in die Analyse ein.

Die Datenanalyse zeigte, dass insbesondere bei Jungen mit der in den sogenannten "Sozialen Netzwerken" verbrachten Zeit auch die seitens der Eltern berichtete ADHS-Symptomatik anstieg. Nur für Mädchen ergaben sich Hinweise darauf, dass das Vorliegen einer ADHS mit einer größeren Häufigkeit der Nutzung Sozialer Netzwerke einherging. Bei Jungen fanden die Studienautoren hingegen sowohl im Eltern- als auch Bericht der Betroffenen selbst nur einen signifikanten Anstieg der ADHS-Symptomatik als Folge der Social-Media-Nutzung, mit Ausnahme eines Jahresvergleichs zwischen 14 bzw. 15 und 15 bzw. 16 Jahren.

Wiewohl die Unterschiede in ihrer absoluten Bedeutung gering waren, erbrachte die Studie einen weiteren Hinweis darauf, dass die Nutzung Sozialer Medien die Aufmerksamkeitsleistung von Kindern und Jugendlichen negativ beeinflusst. Unter Fachleuten bestehen heute kaum mehr Zweifel daran, dass Scrollen (worüber wir einigen Tagen schrieben), kurze Videos sowie das Lesen nurmehr kurzer Texte die Fähigkeit zur Willkürsteuerung der Aufmerksamkeit und Konzentration über längere Zeiträume beeinträchtigen. Zugleich ist davon auszugehen, dass die Zahl fehlerhafter ADHS-Diagnosen aufgrund sozialisationsbedingter Aufmerksamkeitsprobleme, die ihren Ursprung nicht oder nur in Teilen in einer genetisch vermittelten neurophysiologischen Disposition des Gehirns haben, beständig zunimmt.

This cohort study examines the association between the level of adverse social media engagement self-reported by youth and attention problems and mental health difficulties during mid-adolescence of these youths reported by parents or caregivers.

Ein altes Thema ist zurück. Vor Jahren gab es bereits einmal die Diskussion, ob Quetschbälle oder die sogenannten "Fidge...
31/07/2026

Ein altes Thema ist zurück. Vor Jahren gab es bereits einmal die Diskussion, ob Quetschbälle oder die sogenannten "Fidget Spinner" bei hyperaktiven Kindern eine motorische Entlastung bieten könnten, welche die Konzentration im Unterricht oder am Arbeitsplatz durch eine bestenfalls andere nicht störende parallele Aktivität unterstützt.

Der Fidget Spinner - zu Deutsch ein "Zappeldreher" - wurde 1993 als Scheibe und einem Dom in der Mitte von der US-Amerikanerin Catherine A. Hettinger zum Patent angemeldet. Keine Firma wollte das Teil produzieren. Nachdem die Erfinderin den Fidget Spinner über Jahre selbst vermarktet hatte, verzichtete sie 2005 auf eine Verlängerung des Patents. Nun brachten gleich mehrere Firmen unterschiedliche Modelle von rotierenden Fingerspielzeugen auf den Markt. Im Weihnachtsgeschäft 2016 wurde der Fidget Spinner schließlich seitens des Forbes-Magazins zum „Must-Have Office Toy For 2017“ stilisiert.

In der Folge wurden die kleinen Handwindmühlen auch als therapeutisches Spielzeug für ADHS-Betroffene beworben. Hätte der G-BA die Dinger zum erstattungsfähigen Hilfsmittel erklärt, wären sicherlich auch Fidget Spinner für 100 Euro das Stück auf den Markt gekommen. Zum Glück nahm unter Fachleuten kaum jemand die Behauptungen ernst, die seitens der Produzenten und Vermarkter zur vermeintlich heilsamen Wirkung der Zappeldreher propagiert wurden. Auch wir im ADHS Deutschland e.V. widersprachen früh der Annahme, ein zusätzlich ablenkender Gegenstand in der Hand eines hyperaktiven Kindes könnte dazu beitragen, dessen Aufmerksamkeitssteuerung zu verbessern.

Nichtsdestotrotz blieben die "Fidget Toys", die Gesamtheit aller Einhandspielzeuge für Zappelkinder, bis heute ein Thema, über dessen Sinnhaftigkeit in der Öffentlichkeit hin und wieder gestritten wird. Mehrfach wurden auch wissenschaftliche Studien durchgeführt, die sich dieses Themas annahmen. Im Jahr 2020 stellten Graziano und Kollegen in ihrem Artikel "To Fidget or Not to Fidget, That Is the Question" fest, dass die Verwendung von Fidget Spinnern die Aufmerksamkeitsleistung von Kindern verschlechtert. Andere Studien erbrachten - wenig überraschend - vergleichbare Befunde, denn ein Spielzeug in den Händen von ADHS-Kindern fördert bestenfalls die Aufmerksamkeit auf das Spielzeug selbst, keinesfalls aber die Konzentration im Schulunterricht.

Der verlinkte Beitrag des Schweizer Fernsehens widmet sich nun noch einmal den Fidget Toys, darunter den Quetsch- oder "Stressbällen". Aufgewärmt wurde das Thema auf den üblichen Social-Media-Plattformen, wo ADHS-Selbstdarsteller aktuell die Vermarktung der Knetknödel und Zappeldreher wieder anheizen. Im SRF warnt die Psychologin Victoria Block allerdings vor dem Kurzschluss, dass "Zappeldrang" per se ein Hinweis auf ADHS sei. "Wippende Füsse, Notizblock-Kritzeleien oder nervöses Kugelschreiber-Gedrücke kennen die meisten von sich selbst oder von ehemaligen Sitznachbarn." Diese Verhaltensweisen sind weder neurodivergent noch eine Störung.

Sport- und Bewegungswissenschaftler Sebastian Ludyga von der Uni Basel stellt fest: Für das "wirkliche Wiederherstellen der Konzentration" taugten die Fingerspielzeuge nicht. Und Psychologin Block ergänzt: "Die allererste Empfehlung wäre abzuklären, ob die Person genug schläft, ob sie sich gut ernährt und ob sie sich im Alltag genug bewegt", sagt Block. Ist wirklich die ADHS die Ursache des Zappelns, hilft eine Umgebung, die Bewegung zulässt, ohne andere zu stören. Im Klassenzimmer sind das beispielsweise Einzeltische mit schweren Stühlen, auf denen man nach Belieben die Sitzposition wechseln kann, ohne dass Tisch und Stühle wackeln, knarzen oder gar umfallen. Demgegenüber sind Möbel und Gegenstände, welche die motorische Unruhe nicht dämpfen, sondern nachgerade unterstützen, kontraproduktiv.

Wir sagen: Besser ein Zappelphilipp als ein Fidgetspinner. Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna?

Fidget Toys versprechen weniger Stress und mehr Fokus. Wem sie helfen – und welche Alternativen es gibt.

Mit dem Wirkstoff "Centanafadin" lässt die US-amerikanische Bundesbehörde zur Überwachung von Lebensmitteln, Arzneimitte...
31/07/2026

Mit dem Wirkstoff "Centanafadin" lässt die US-amerikanische Bundesbehörde zur Überwachung von Lebensmitteln, Arzneimitteln und Medizinprodukten FDA erstmals einen Noradrenalin-, Dopamin- und Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (NDSRI) zur Therapie der ADHS zu. Die Substanz, die unter dem Namen Simtriyo® für ADHS-Betroffene ab 6 Jahren einschließlich Erwachsene auf den Markt kommt, ist hochdosiert auch bei Kindern zwischen 6 und 12 Jahren wirksam. Allerdings zeigten sich in den Zulassungsstudien bei fast 40% der Kinder behandlungsbedürftige Nebenwirkungen, v.a. verminderter Appetit, Ausschlag und Erbrechen.

Direkte Vergleiche mit anderen ADHS-Medikamenten in dezidierten Studien fehlen bislang. Aus studienübergreifenden Vergleichen im Erwachsenenalter wurde berechnet, dass Centanafadin weniger wirksam ist als Lisdexamphetamin und vergleichbar wirksam wie Methylphenidat. Das spricht in Hinsicht auf die ADHS-Symptomatik für einen Fokus auf Impulsivität und Hyperaktivität im Fremdurteil von Eltern und Pädagogen zulasten einer computergestützten objektiven Untersuchung der Aufmerksamkeitssteuerung. Wir erinnern uns an die Zulassung von Guanfacin zur Behandlung der ADHS bei Kindern und Jugendlichen in den USA vor 17 Jahren. Damals wurde es als besonders wirksam bei jüngeren Kindern erachtet, bis Fachleute später feststellten, dass es eher die Müdigkeit statt der Konzentration fördert.

Wie die Autoren der Zulassungsstudien angesichts der massiven Nebenwirkungen der neuen Substanz dazu kommen, das "kurzfristige Sicherheitsprofil" besser als das von Lisdexamfetamin einzuschätzen, bleibt ein bisschen rätselhaft. Fragwürdig ist auch die Aussage, dass es in den Zulassungsstudien unter Centanafadin seltener zu "mehreren unerwünschten Ereignissen" verglichen mit Methylphenidat kam. Angesichts des Umstands, dass sich demgegenüber in so hohem Maße primär behandlungsbedürftige Nebenwirkungen zeigten, ist dies bestenfalls ein relativer Pluspunkt.

Was bislang fehlt, sind Studien über einen längeren Behandlungszeitraum, d.h. länger als nur wenige Wochen. Obgleich die Substanz im Hinblick auf die ADHS-Symptomatik bereits in der ersten Behandlungswoche signifikante Verbesserung zeitigte, warnt die US-Fachinformation vor zwei kritischen Beobachtungen in der Behandlung von Kindern und Jugendlichen: häufigere Suizidgedanken und suizidales Verhalten (vgl. Atomoxetin) als unter Placebo sowie ein theoretischen Missbrauchspotenzial als potentes ZNS-Stimulanz. Daher sollen Kinder und Jugendliche unter Centanafadin-Medikation während der Behandlung engmaschig überwacht werden.

Aktuell gibt es für die Substanz weder eine Zulassung in Deutschland noch einen Zulassungsantrag bei der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA). Das gilt, soweit wir das ermitteln konnten, sowohl für die ADHS als auch andere Störungsbilder wie Depression oder Zwangsstörungen. Sollten sich die in den Zulassungsstudien beschriebenen massiven Nebenwirkungen bestätigen, ist nicht zu erwarten, dass Centanafadin in der ADHS-Therapie ein vergleichbarer Erfolg wie vor 15 Jahren Lisdexamfetamin beschieden sein wird.

Mit der Zulassung von Centanafadin erweitert sich in den USA das therapeutische Spektrum bei ADHS erstmals um einen Vertreter der neuen Wirkstoffklasse der...

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