ADHS Deutschland

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21/05/2026

Was ist ADHS? Prof. Romanos erklärt im Rahmen des DGKJP-Kongresses 2026 in Kürze, wie man Personen, die nichts von der ADHS wissen, das Störungsbild in einfachen Worten beschreiben kann.

Eine nicht ganz ernst gemeinte kulturgeschichtliche Referenz auf die ADHS-Therapie fanden wir unlängst im umfangreichen ...
18/05/2026

Eine nicht ganz ernst gemeinte kulturgeschichtliche Referenz auf die ADHS-Therapie fanden wir unlängst im umfangreichen Werk von Egon Friedell, einem österreichischen Schriftsteller, hier in dessen "Kulturgeschichte der Neuzeit". Im zweiten Kapitel des zweiten Buchs, überschrieben mit "Le Grand Siècle", finden sich im Abschnitt "Das Ideal der Fettleibigkeit" die schönen Sätze zum Barock:

"Schon in der äußeren Erscheinung zeigt sich das Streben nach steifer Distanz, dessen stärkstes Symbol die Perücke ist; rasche Bewegung, impulsive Handlungen sind in diesem Kostüm einfach unmöglich: alles, Schritt und Gebärde, Gefühlsausdruck und Körperhaltung, ist in ein geheimes Quadratnetz gebannt. Ebenso wenig gibt es ein improvisiertes Reden und Schreiben: die einzelnen möglichen Anlässe sind gegeben und für diese Anlässe sind bestimmte Worte gegeben; andere zu gebrauchen, hätte man nicht für Originalität, sondern für einen Mangel an Geschmack und künstlerischem Takt angesehen. Im Gegenteil: wer am vollkommensten die vorgeschriebenen Regeln erfüllt, gilt als der Geistreichste; denn Geist haben heißt: der Form zum Siege verhelfen."

Allerdings zeigte uns Miloš Forman in seinem wunderbaren Film "Amadeus" aus dem Jahr 1984 eindrucksvoll, dass zumindest ein barockes Musikgenie wie Mozart ungeachtet seiner Perücke impulsiv und hyperaktiv sein konnte ...

14/05/2026

Ein weiteres Interview während des DGKJP-Kongresses in Würzburg. Dr. Dr. . Hans-Christoph Aster spricht über das Thema "Suchtmittel als Selbstmedikation".

13/05/2026

Unser Vorstandsmitglied Astrid Neuy-Lobkowicz bei "Punkt 12" über die ADHS in der zweiten Lebenshälfte. Zu diesem Thema hat sie - gemeinsam mit Daniel Schöttle, Chefarzt des Zentrums für seelische Gesundheit, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Asklepios Klinikums Hamburg-Harburg - aktuell ein neues Buch veröffentlicht: Neuy-Lobkowicz/Schöttle, "AD(H)S in der zweiten Lebenshälfte", erschienen bei Kösel.

https://www.facebook.com/reel/1038417322698884

Unter der Überschrift "Schwelende Vulkane: Die ADHS-Form, die Eltern und Ärzte überfordert" findet sich auf der Internet...
12/05/2026

Unter der Überschrift "Schwelende Vulkane: Die ADHS-Form, die Eltern und Ärzte überfordert" findet sich auf der Internetseite der "Frankfurter Rundschau" ein Text, der die Erkenntnisse einer im Februar diesen Jahres in JAMA Psychiatry veröffentlichten Studie.

Die Studie, für die Daten des West China Hospital of Sichuan University (WCH), der University of Cincinnati (UC), des Kennedy Krieger Institute in Baltimore-Washington, D.C, des New York University Langone Medical Center, der Oregon Health & Science University sowie des Peking University Institute of Mental Health analysiert wurden, hat ein elaboriertes Design, das hier nicht umfassend dargestellt werden kann.

Vereinfacht gesagt, erstellten die Forscher aus Gehirnscans von Kinder und Jugendlichen mit und ohne ADHS im Alter von 6-18 Jahren individuelle Karten des Volumens der grauen Substanz. Um ähnliche Muster in Regionen der grauen Hirnsubstanz zu quantifizieren, wurden komplexe anatomisch-mathematische Verfahren angewendet, die auf drei topologischen Metriken beruhen: Degree Centrality (quasi die Verlinkungsdichte), Nodal Efficiency (ein Maß für die Effektivität von Hirnknoten, Informationen zu verarbeiten und weiterzuverteilen) und Participation Coefficient (ein Maß für die Vielfalt der Verbindungen in unterschiedliche Hirnregionen).

Im Ergebnis konnten drei Subgruppen von ADHS-Ausprägungen anhand der Hirnscans identifiziert werden, die letztlich den Typen in DSM und ICD entsprechen: einen überwiegend unaufmerksamen Typus, einen überwiegend hyperaktiv-impulsiven Typus sowie einen kombinierten Typus, der zugleich mit emotionaler Dysregulation einhergeht. Die neuronalen Profile der einzelnen Typen wiesen dabei jeweils spezifische neurochemische und funktionale Korrelate auf. Die Befunde konnten dabei anhand einer Validierungskohorte repliziert werden konnten, was ihre Generalisierbarkeit belegt.

Die Forscher sehen in den Ergebnissen nicht nur eine Bestätigung für die Sinnhaftigkeit ihres Ansatzes, sondern zugleich einen Gewinn für das Verständnis der neurobiologischen Komplexität von ADHS, nicht zuletzt als Grundlage für eine personalisierte Behandlung. Dabei ergänzt v.a. die signifikante Korrelation des bereits bisher in den Diagnosemanualen beschriebenen Mischtypus mit emotionaler Dysregulation das Bild der ADHS. Letztlich sollte diese Erkenntnis über kurz oder lang dazu führen, dass Kriterien zur Emotionalität in die Kriterienliste der Diagnosemanuale aufgenommen werden - und dies nicht nur im Fall von Erwachsenen, für die entsprechende Forderungen bereits seit Jahren in der Fachwelt diskutiert werden, sondern auch im Kontext der Diagnose von Kindern und Jugendlichen.

https://www.fr.de/wissen/schwelende-vulkane-die-adhs-form-die-eltern-und-aerzte-ueberfordert-zr-94302564.html

Leider einmal mehr hinter einer Bezahlschranke verborgen, findet sich auf der Internetseite des SPIEGEL unter der Rubrik...
11/05/2026

Leider einmal mehr hinter einer Bezahlschranke verborgen, findet sich auf der Internetseite des SPIEGEL unter der Rubrik "Health" ein Interview mit unserem Vorstandsmitglied Frau Dr. Astrid Astrid Neuy-Lobkowicz zur ADHS im Erwachsenenalter. Anlass ist die Veröffentlichung ihres Buches über die »AD(H)S in der zweiten Lebenshälfte«.

"ADHS? Haben mittlerweile gefühlt alle. Zumindest um mich herum. Meine Kinder, einige Kollegen und alle Promis, denen ich auf Instagram folge. Deswegen habe ich ein bisschen gestöhnt, als das neue Buch der Ärztin Astrid Neuy-Lobkowicz auf meinem Schreibtisch landete [...]. Mein erster Gedanke: die Großeltern jetzt auch noch?" So leitet die Journalistin Anika Freier das Interview. Im Verlauf fragt sie durchaus hartnäckig nach: "Täuscht das Gefühl, oder begegnet einem die Diagnose ADHS mittlerweile überall? Vergisst nicht jeder mal was? Wie kann man 40, 50, 60 Jahre alt werden, ohne zu bemerken, dass man diese Probleme hat?"

Berechtigte Fragen, auf welche die Fachärztin für Psychosomatik und Psychotherapie gute Antworten hat: "Menschen mit ADHS sind oft schlecht darin, für sich selbst zu sorgen und ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen. Ein Beispiel: Wer sich gesund ernähren möchte, muss vorausplanen. Aber das schaffen Betroffene nicht, die werden von ihrem Hunger überrascht und essen dann Fast Food. Überspitzt formuliert: Davon nehmen sie zu und bekommen Diabetes. Auch in Unfälle sind ADHSler häufiger verwickelt. Viele von ihnen sind starke Raucher, trinken zu viel und haben überdurchschnittlich häufig ein Drogenproblem. Oft versuchen Betroffene damit unbewusst, ihre ADHS-Symptome selbst zu behandeln."

Insgesamt ein guter Abriss über die ADHS im Erwachsenenalter, ihre Symptomatik und Folgeerkrankungen, der ggf. auch ein vierwöchiges Testabo für 1 Euro wert ist. ADHSler aufgepasst: Rechtzeitige Kündigung nicht vergessen!

Sie vergessen Ihre Termine, können schlecht aufräumen, halten sich deshalb sogar für dement oder depressiv? In vielen Fällen kann ADHS dahinterstecken. Doch es gibt Hilfe.

11/05/2026

Unser junges Social-Media-Team, das v.a. auf Instagram und seit kurzem wieder auf TikTok aktiv ist, hat im Rahmen des 34. DGKJP-Kongresses vom 22. bis 25. April 2026 in Würzburg mehrere Fachleute zur ADHS interviewt. Hier ein kurzes Gespräch zur Frage der ADHS-Prävalenz mit dem Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Marcel Romanos, der als Vorsitzender der DGKJP zugleich als Kongresspräsident fungierte. Wichtiger noch: Er ist auch ein ordentliches Mitglied unseres Vorstandes des ADHS Deutschland e.V. - wir sind dankbar und stolz, dass er sich auf diese Weise für die Selbsthilfe engagiert!

„Alles passiert gleichzeitig.“ Und alles kehrt wieder. Auch Überschriften zur ADHS kehren wieder, denn 2018 schrieb Chri...
10/05/2026

„Alles passiert gleichzeitig.“ Und alles kehrt wieder. Auch Überschriften zur ADHS kehren wieder, denn 2018 schrieb Christopher Lauer in der ZEIT unter demselben Titel einen Aufsatz zur eigenen ADHS-Betroffenheit: „Wer ADHS hat, nimmt die Welt anders wahr. Das ist keine Kinderkrankheit, sagt Christopher Lauer, sondern eine Chance. Von Christopher Lauer.“

Christopher Lauer? Wer war das nochmal? Sie erinnern sich: Als Mitglied der Piratenpartei wurde er als einer ihrer Vertreter 2011 ins Berliner Abgeordnetenhaus gewählt. 2014 trat er aus der Piratenpartei aus, 2016 verlor er - wie alle Piraten - seinen Platz im Abgeordnetenhaus. Zuvor war er in die SPD eingetreten, drei Jahre später trat er aus der SPD wieder aus und bei den Grünen ein. Einen aussichtsreichen Listenplatz zur erneuten Wahl ins Berliner Abgeordnetenhaus erhielt er bei keiner Partei mehr. Als erster öffentlich bekennender ADHS-Influencer der deutschen Facebook-Anfangsjahre kann er allerdings auf einen ADHS-typischen Lebenslauf verweisen.

Jetzt passiert also wieder alles gleichzeitig. In einer ZEIT-Reportage schreibt Moritz Hackl über die Münchner „calm-Klinik“, eine „Privatklinik von Morgen“ für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik mit dem Schwerpunkt „Stressfolgeerkrankungen wie u.a. Depressionen, Burnout und AD(H)S“. Gehen wir davon aus, dass der Name „calm“ ( = ruhig) mit Bedacht gewählt wurde. Vielleicht hat die Leiterin, Dr. med. Kira Wolff MPH, ihren „Master of Public Health“ gleichermaßen strategisch gewählt, um ihre Prädestination für die ADHS-Therapie ihrem Namen anfügen zu können. Während MPH zudem für Methylphenidat (© Ritalin) und „Miles per Hour“ steht, was auch irgendwie hyperaktiv klingt, klänge LDX (Lisdexamfetamin) eher wie ein Flughafenkürzel ...

Denen, die nicht hinter die Bezahlschranke des ZEIT-Artikels schauen können, wollen wir kurz verraten, was in den „Geschichten aus der calm-Klinik“ - in unmittelbarer Nachbarschaft des legendären „Paulanergartens“ - so alles passiert. „Die Einrichtung ist spezialisiert auf Stressfolgeerkrankungen und besonders auf ADHS, also Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Wolff ist leitende Ärztin der Privatklinik, die das calm im Namen sehr ernst nimmt. Die Wände sind in einem beruhigenden Mildgrün gestrichen, der Boden ist aus Holz. Wolff spricht in einem Ton, als hätte sie sich selbst das leiseste Flackern von Wut operativ aus den Stimmbändern entfernen lassen: so sanft, verständnisvoll.“

Bevor man darüber streiten mag, ob die ADHS eine „Stressfolgeerkrankung“ ist, taucht man ein in die Geschichten von Dragan, der nachts „mit 200 Gedanken pro Sekunde durch seinen Kopf“ fährt, von Simone, die aufgrund von Essstörungen und Depressionen kam und nun ADHS-diagnostiziert ist, und von Stefan, „freiberuflicher Partyveranstalter und Medienschaffender“, den die ADHS-Diagnose nicht überrascht, der sie weder herbeigesehnt hat noch durch sie erleichtert ist, der sie vielmehr als ein weiteres Problem auf der langen Liste seiner Probleme sieht. Dr. Wolff spricht in diesem Zusammenhang von einer „Demaskierung“ der Störung durch die hohen Ansprüche, die die heutige Zeit an uns stellt, die wir selbst an uns stellen. Die ADHS wird aus dieser Perspektive zur Manifestation des Scheiterns an einem Zuviel-Wollen, und in diesem Sinne durchaus zu einer Stressfolgeerkrankung.

Interessant ist dabei die Dialektik des Artikels. Er nimmt die beschriebenen Patienten der Tagesklinik ernst, denn ihre Alltagsprobleme seien enorm und keiner sehe in der Diagnose eine wesentliche Veränderung seines Lebens. Zugleich mokiert sich der Autor über ADHS-Betroffene, die ihren Befund „in ihre Instagram-Bio“ aufnehmen: »ADHS Mama von 2« oder »Vanlife / ADHS / Hunde«. „Mit gutem Willen lässt sich dieses performative Bekenntnis zu einer Diagnose als eine Form der Selbstermächtigung und Enttabuisierung verstehen.“ Und zitiert den Ethik-Professor Hanno Sauer: „Den eigenen psychischen Zustand zu thematisieren, ist eine Angewohnheit, die man sich leisten können muss, denn die Stigmaprahlerei konzentriert sich sehr stark in bestimmten Kreisen, in denen es zum guten Ton gehört, wenigstens ein paar Traumata verarbeiten zu müssen und gute Therapeuten weiterempfehlen zu können.“ Klingt ein bisschen nach einem Woody-Allen-Film.

Am Ende des Artikels zieht Hackl Parallelen zur Neurasthenie-Diagnose Anfang des 20. Jahrhunderts. „Genau wie heute war damals die Welt im Umbruch, die Menschen waren auf sich selbst zurückgeworfen.“ Der US-Psychiater George Miller Beard hatte 1880 ein zweibändiges Werk unter den Titeln „A Practical Treatise on Nervous Exhaustion (Neurasthenia)“ und „American Nervousness, With its Causes and Consequences“ veröffentlicht und den Begriff der „Neurasthenie“ in die Medizin eingeführt. Im Vorfeld des Ersten Weltkriegs wurde die Diagnose zum Modegrund der Wehruntauglichkeit des gebildeten Bürgertums in Europa. In den USA brachte er die Nervosität seiner Landsleute mit dem technischen Fortschritt in Verbindung: Dampfkraft, Tagespresse, Telegrafie, Wissenschaften sowie die geistige Aktivität von Frauen, die besser nicht zu viel selbst denken sollten.

Moritz Hackl, der Autor des ZEIT-Artikels, fragt sich, ob damals wie heute eine Diagnose die Lösung sein kann? „Es ist überhaupt keine Frage, ob ich ADHS habe oder nicht“, sagt Dragan gleich zu Beginn des Anamnesegesprächs in der calm-Klinik – er habe es. Vielleicht manifestiert sich in dieser rhetorischen Frage das eigentliche Problem unseres heutigen Umgangs mit psychiatrischen Diagnosen diesseits und jenseits von Zeitungsfeuilletons und Social Media: Es ist überhaupt keine Frage, dass man in einer Welt, in der Identität und Individualität ein und alles der menschlichen Existenz sind, etwas braucht, das diese kollektive Einzigartigkeit begründet und rechtfertigt.

Für den Autor erklärt die ADHS-Diagnose, „warum jemand nicht mithalten kann, doch sie stellt nicht infrage, ob die Geschwindigkeit vielleicht viel zu hoch sein könnte“. Wie die Neurasthenie erklärt Hackl die ADHS zum gesellschaftlichen Problem einer unzureichenden Passung von individueller Leistungsfähigkeit und sozialem Anspruch. Doch ist es wirklich die Gesellschaft, die einen unbedingten Takt vorgibt, an dem immer mehr scheitern, als demaskierte, wie Frau Dr. med. Kira Wolff MPH sagt, die Realität die Störung? Es ist doch nicht das Scheitern in der Welt, das ADHS- und Autismus-Diagnosen in den letzten Jahren so populär gemacht hat!

Ist es nicht vielmehr die Idee, dass wir alle gerne Einsteins wären, die uns zwingt, anderen und uns selbst zu erklären, warum wir es nicht sind?! Daher hat die ADHS-Community lange vor der Neurodiversitätsbewegung den vermeintlich zerstreuten Professor zum ADHS-Paradebeispiel erklärt, obwohl nichts in Einsteins Biographie, den seine Gouvernante „Pater Langweil“ nannte, ein belastbares Indiz für seine Betroffenheit bietet. Selbst als die ADHS noch unstrittig eine Störung war, mutete es tröstlich an, zumindest in einer Hinsicht Einstein gleich zu sein: Hochbegabt, aber mit Legasthenie, Dyskalkulie und eben ADHS – noch mehr ADHS als Einstein, weshalb uns der Nobelpreis auf immer und ewig verwehrt bleiben wird.

Einstein wäre niemals Social-Media-Influencer geworden. Er war ein Perfektionist und scheute die Öffentlichkeit in allem, worin er nicht gut war, was er nicht zu Ende gedacht hatte. Er wäre zu keiner Wahl angetreten, bei der er nicht davon ausgehen konnte, dass er sie gewinnt. Hätte es die ADHS-Diagnose zu seinen Lebzeiten bereits gegeben und wäre bei ihm ADHS diagnostiziert worden, so hätte er darüber geschwiegen. Er hätte die ADHS im eigentlichen Sinne des Wortes als Störung begriffen, als ärgerliches Hindernis auf dem Weg zur Erkenntnis. Die ADHS hätte ihm weder zur Individualität noch zur Identität getaugt. Hätte er geglaubt, sie könnte ihn an der Ausarbeitung der Allgemeinen Relativitätstheorie hindern, hätte er sich gar nicht erst an der Theorie versucht. Hätte er die Allgemeine Relativitätstheorie dennoch entwickelt, so wäre es ihm in der eigenen Wahrnehmung trotzdem gelungen, gegen die Konditionen seines Lebens, gegen die ADHS, nicht mit ihr. Unter seiner „Superkraft“ hätte er seinen Willen verstanden, sich in seinem Denken durch nichts aufhalten zu lassen, auch nicht durch die ADHS.

Alles passiert gleichzeitig! Für Einstein wäre diese Feststellung kein Beleg für die Begrenztheit menschlicher Aufmerksamkeit, sondern für den Ereignishorizont, die Grenze des Messbaren. Es ist nicht wahr, dass ADHS-Betroffene die Welt anders wahrnehmen, zumindest nicht aufgrund ihrer ADHS. Jeder nimmt die Welt auf seine Weise wahr, und gehört zu dieser Weise die Annahme, die ADHS veränderte die eigene Wahrnehmung, so ist dem so. Die Demaskierung der ADHS, von der die ärztliche Leiterin der calm-Klinik spricht, ist allerdings keine Folge der Überforderung der Betroffenen, sondern des ADHS-Begriffs selbst, der heute – zumal aufgegangen im Begriff der Neurodiversität – eine gleichermaßen individuelle wie universale Erklärung des Daseins sein soll: so etwas wie eine Allgemeine Relativitätstheorie der Psyche.

Ein solcher von konkreten Symptomen und Beeinträchtigungen befreiter Begriff bietet sich ganz vorzüglich als Identität an. Er lockt auch Menschen in Arztpraxen, Ambulanzen und private Kliniken, die oft zweifellos leiden und sich selbst verstehen wollen. Sicherlich eignet er sich auch als Entschuldigung und „eine Art Selbstschutz gegen die Herausforderungen des Alltags“, wie der Psychotherapeut Thorsten Padberg es in den letzten Jahren in zahlreichen Interviews immer wieder formulierte. Auch Moritz Hackl zitiert ihn in seinem Artikel. Padberg sagt aber auch: „Psychologie wird die Welt nicht retten!“ Weder die Psychodiagnostik noch die Psychotherapie. Zumindest jenen Teil der Menschheit nicht, der glaubt, dass er durch Diagnose und Therapie von etwas geheilt werden kann, das er nicht als sein ureigenstes Problem begreift.

https://www.zeit.de/2026/19/adhs-erwachsene-diagnose-symptome-klinik-muenchen

"Gefährliche Fehlinformationen" überschreibt die Pressestelle der Universität Duisburg-Essen eine Studie, in deren Verla...
27/04/2026

"Gefährliche Fehlinformationen" überschreibt die Pressestelle der Universität Duisburg-Essen eine Studie, in deren Verlauf 177 deutschsprachige Videos mit rund 94 Millionen Aufrufen zu psychischen Störungen auf TikTok untersucht wurden, darunter auch die ADHS. Ergebnis: "Von den analysierten Videos wurden nur 19,2 % als korrekt eingestuft. 33,3 % waren falsch, 18,1 % übergeneralisiert (also zu allgemein formuliert, ohne wissenschaftliche Grundlage), und 29,4 % handelten lediglich von persönlichen Erfahrungen und gaben keine wissenschaftlichen oder medizinischen Hintergrundinformationen wieder."

Nicht überraschend.

https://www.uni-due.de/2026-04-07-gefaehrliche-fehlinformationen-auf-tiktok

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