19/05/2026
Heute gedenken wir des Genozids an den Pontosgriech:innen im Osmanische Reich und später in der Türkei. Zwischen 1912 und 1923 wurden bis zu 1,2 Millionen Griech:innen systematisch durch osmanische und kemalistische Truppen ermordet. Das Ziel war, ähnlich wie bei dem Völkermord an den Armenier:innen, Assyrer:innen und Aramäer:innen, die christliche Präsenz auszulöschen – die osmanische Regierung und auch die kemalistische Bewegung nach Ende des Osmanischen Reiches strebten einen ethnisch einheitlichen, islamischen Staat an. Schon vor dem Völkermord waren die Griech:innen Unterdrückung, Zwangskonvertierungen und Gewalt bis hin zu Massakern und Pogromen ausgesetzt. Doch der Völkermord, der sich über mehr als zehn Jahre erstreckte und in drei Hauptphasen aufgeteilt wird, bildete eine grausame Eskalation dieser Verfolgung. Laut .eu, einem Verband der Vereine der Griechen aus Pontos in Europa, wurden „ganze Gemeinden entwurzelt, Männer in Todesarbeitsbataillone geschickt, Frauen und Kinder auf Todesmärsche getrieben, Dörfer niedergebrannt. Ziel war die vollständige Auslöschung – physisch, kulturell und historisch – von Gemeinschaften, die seit über 3000 Jahren existiert hatten.” Das damalige deutsche Kaiserreich galt als enger Verbündeter des Osmanischen Reiches. Deutsche Diplomat:innen und Militärs wussten um die Vertreibung und Ermordung der christlichen Minderheiten und spielten dabei auch eine unterstützende Rolle, in dem sie beispielsweise Politik, die Vertreibung und Massakrierung ermöglichte, befürworteten und unterstützen.
Der 19. Mai bildet den Gedenktag des Genozids: vor über hundert Jahren, am 19. Mai 1919, begann die dritte und abschließende Phase der Vernichtung. Das Datum des Gedenktages wurde auch gewählt, um dem Befreiungs-Narrativ des am 19. Mai stattfindenden türkischen Nationalfeiertag und Atatürk-Gedenktag etwas entgegenzusetzen und an die genozidalen Verbrechen gegen die Griech:innen zu erinnern.
Heute kämpft die griechische Gemeinschaft immer noch für Anerkennung und Gerechtigkeit. Wir denken heute an die Opfer, die Betroffenen und ihre Nachkommen. Für mehr Informationen folgt .eu, .eu, und .