17/10/2026
🦧Heilung braucht Zeit – besonders, wenn nicht nur der Körper verletzt wurde. 🦧
Sura war noch ein Baby, als er vor mehreren Jahren an diesem Tag auf einer gerodeten Waldfläche gefunden wurde. Sein Finder hielt ihn eine Zeit lang illegal als Haustier, ehe er ihn in die Obhut von BOS übergab.
Das Orang-Utan-Baby wurde bei seiner Ankunft im BOS-Rettungszentrum gründlich untersucht. Dabei stellten unsere Tierärzte fest: Drei Finger an der linken Hand des kleinen Primaten fehlten. Die frischen Wunden schienen von einer scharfen Klinge zu stammen.
In der Quarantäne erlebten wir Sura zutiefst verängstigt. Er klammerte sich an seine Babysitterin - seine Ersatz-Mama - und sah immer wieder auf seine verletzte Hand, als würde er versuchen zu begreifen, was ihm geschehen war.
Stück für Stück gaben die Sicherheit und Ruhe im Rettungszentrum und die geduldige, liebevolle Fürsorge seiner Babysitterin Sura das Vertrauen zurück. Wir konnten beobachten, wie seine seelische Heilung begann. Und er lernte auch wieder zu klettern – trotz seiner Einschränkung.
Jahr für Jahr wurde Sura stärker, körperlich wie auch seelisch.
Am 18. November 2021 war Sura so weit, dass er auf die Vorauswilderungsinsel Badak Besar umziehen konnte. Dort bereitet er sich seitdem auf eine mögliche Rückkehr in den Regenwald vor.
Manche Spuren jedoch bleiben.
Wenn Menschen ihn rufen, bedeckt Sura noch immer sein Gesicht und vermeidet Blickkontakt – ein Verhalten, das bei Orang-Utans nach großem Stress oder Angst beobachtet wird.
Suras Geschichte zeigt, wie tief Erlebtes nachwirken kann. Orang-Utans können belastende Erinnerungen in sich tragen – und brauchen, genau wie wir Menschen, Zeit, Vertrauen und Schutz, um heilen zu können.
Aber Suras Weg wird nicht von dem bestimmt, was ihm angetan wurde. Sondern von der Stärke, die er seither zeigt.
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