16/02/2026
Westsahara: Autonomie im Eiltempo
Warum der jüngste US-Vorstoß eher auf Anerkennung des Faktischen als auf einen klassischen Friedensprozess zielt (Quelle: El Confidencial) https://www.elconfidencial.com/mundo/2026-02-09/sahara-occidental-acuerdo-marruecos-argelia-1hms_4299861/
Ein Bericht der spanischen Online Zeitung El Confidencial beschreibt eine neue Dynamik im Westsahara-Konflikt: Washington wolle den seit Jahrzehnten festgefahrenen Prozess beschleunigen und setze dabei auf Tempo und Ergebnisorientierung. Im Mittelpunkt steht demnach nicht mehr ein offenes, von den Vereinten Nationen getaktetes Verfahren, sondern ein politisch eng geführter Deal mit klarer Deadline. Allein diese Logik ist bereits eine Botschaft: Wer ein Zeitfenster setzt, definiert den Handlungsrahmen und zwingt die Beteiligten, sich einer bestehenden Realität zu fügen, statt auf ein theoretisch offenes Ergebnis zu warten.
Nach El Confidencial soll Marokko bei einem Treffen in der US Botschaft in Madrid einen deutlich ausgearbeiteten Autonomie Entwurf präsentiert haben. Bemerkenswert ist weniger die Idee der Autonomie an sich, die Rabat seit Jahren verfolgt, sondern die Verschiebung im Ansatz: weg von einem Selbstbestimmungsreferendum mit Unabhängigkeitsoption hin zu einer Lösung, die die marokkanische Souveränität faktisch voraussetzt und institutionell ausformt. Für die Polisario, die weiterhin auf eine Volksabstimmung pocht, bedeutet das einen strukturell enger werdenden Verhandlungskorridor, je stärker Autonomie international als praktikabler Endzustand betrachtet wird.
Gleichzeitig ist die Rolle Algeriens der eigentliche Prüfstein. Wenn Algerien tatsächlich an einer solchen Runde beteiligt war, deutet das auf wachsenden externen Druck hin, sich zumindest prozedural einzubinden, ohne die eigene Grundposition öffentlich zu revidieren. Das passt zu einem Konflikt, der längst nicht nur territorial ist, sondern auch eine Frage regionaler Ordnung, Sicherheit und Bündnispolitik in Nordafrika ist.
Inhaltlich liest sich der skizzierte Autonomie-Zuschnitt wie eine klassische Doppelstruktur. Auf regionaler Ebene sollen politische Gremien und Zuständigkeiten entstehen, die Verwaltung und wirtschaftliche Entwicklung ermöglichen. Gleichzeitig verbleiben die entscheidenden Souveränitätsressorts beim Zentralstaat: Außenpolitik, Verteidigung, Justiz und Finanzen. Autonomie wäre damit weniger ein Schritt in Richtung Staatlichkeit als vielmehr ein institutioneller Rahmen, der lokale Selbstverwaltung zulässt, während die strategische Steuerung in Rabat bleibt. Der häufig zitierte Vergleich mit Grönland oder Katalonien dient vor allem als kommunikative Brücke für westliche Adressaten: Er macht das Modell verständlich, ohne die spezifische Konfliktgeschichte aufzulösen.
Politisch besonders sensibel sind die humanitären Bausteine, die in dem Entwurf auftauchen sollen: Mechanismen für die freiwillige Rückkehr der in Tinduf lebenden Flüchtlinge und Amnestieregeln für demobilisierte Kämpfer. Solche Elemente sind nicht nur Versöhnungsrhetorik, sondern betreffen auch die praktische Ordnung nach einem Konflikt: Registrierung, Eigentumsfragen, lokale Repräsentation und damit die tatsächliche Funktionsfähigkeit der Autonomie.
Unterm Strich würde sich, folgt man El Confidencial, weniger ein neuer Plan als eine neue Lesart ergeben: Der Prozess zielt stärker auf die Anerkennung des Faktischen und dessen institutionelle Absicherung. Ob daraus Stabilität entsteht, hängt am Ende nicht an der Architektur allein, sondern an glaubwürdigen Garantien für regionale Rechte, internationaler Absicherung und daran, ob Algerien bereit ist, diesen Weg zumindest indirekt mitzutragen.
La diplomacia estadounidense pretende que Marruecos, el Polisario y Argelia firmen en mayo en Washington un acuerdo marco que ponga fin al conflicto de la antigua colonia española que empezó hace medio siglo