07/02/2026
Im Mutterleib lagen zwei ungeborene Kinder.
Eines fragte das andere:
„Glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?“
Das andere antwortete:
„Ja, natürlich. Nach der Geburt muss etwas kommen. Vielleicht sind wir jetzt hier, um uns auf das vorzubereiten, was wir später sein werden.“
„Unsinn“, sagte das erste. „Ein Leben nach der Geburt gibt es nicht. Wie soll das überhaupt aussehen?“
Das zweite überlegte kurz und meinte dann:
„Ich weiß es nicht genau. Aber vielleicht gibt es dort mehr Licht als hier. Vielleicht können wir mit Beinen laufen und mit dem Mund essen. Vielleicht haben wir Sinne, die wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen können.“
Das erste lachte:
„Das ist doch absurd. Laufen? Unmöglich. Und mit dem Mund essen? Lächerlich. Die Nabelschnur versorgt uns mit allem, was wir brauchen. Außerdem ist sie viel zu kurz. Ein Leben nach der Geburt ist logisch ausgeschlossen.“
Doch das zweite ließ nicht locker:
„Trotzdem glaube ich, dass es etwas gibt – nur eben anders als hier. Vielleicht brauchen wir diese physische Verbindung dann gar nicht mehr.“
„Unsinn“, entgegnete das erste. „Und wenn es dieses Leben wirklich gäbe, warum ist dann noch nie jemand von dort zurückgekommen? Die Geburt ist das Ende. Danach gibt es nur Dunkelheit, Stille und Vergessen. Es führt nirgendwohin.“
Das zweite sagte ruhig:
„Ich weiß es nicht. Aber ich bin sicher, wir werden unsere Mutter treffen. Und sie wird für uns sorgen.“
„Mutter?“, spottete das erste. „Du glaubst an eine Mutter? Das ist doch lächerlich. Wenn sie existiert, wo ist sie denn jetzt?“
Das zweite antwortete leise:
„Sie ist überall um uns herum. Wir sind in ihr. Wir leben durch sie. Ohne sie könnte diese Welt gar nicht existieren.“
„Ich sehe sie nicht“, sagte das erste. „Also existiert sie auch nicht.“
Darauf antwortete das zweite:
„Manchmal, wenn du ganz still bist, wenn du dich konzentrierst und wirklich zuhörst, kannst du ihre Gegenwart spüren. Und dann hörst du ihre liebevolle Stimme, die von oben nach uns ruft.“