06/10/2026
Gertrud Sonder wurde als Tochter von Eisig und Meta Neumann geboren, die 1904 nach Mergentheim zogen. Sie heiratete Salomon Sonder und brachte 1907 den gemeinsamen Sohn Hans Simon zur Welt. Ab 1924 war Gertrud in der Nervenklinik in Werneck untergebracht. Während ihr Sohn 1928 nach New York emigrierte, wurde ihre Ehe 1935 vom Landgericht Würzburg aufgrund ihrer Erkrankung geschieden.
Im Herbst 1940 geriet Gertrud in die Maschinerie der NS-Krankenmorde. Auf Anordnung des Würzburger Gauleiters Hellmuth wurde die Anstalt Werneck ab dem 3. Oktober 1940 geräumt. 760 Frauen und Männer wurden innerhalb weniger Tage abtransportiert. Gertrud Sonder war bereits zuvor, am 14. September, in die Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar verlegt worden. Am 20. September 1940 deportierte man sie in die Tötungsanstalt Hartheim, wo sie noch am selben Tag im Rahmen der sogenannten „Aktion T4“ ermordet wurde.
Ein wichtiger Aspekt bei der Rekonstruktion solcher Biografien ist die systematische Verschleierung der Taten durch die Nationalsozialisten. In einigen Aufzeichnungen, wie dem Gedenkbuch Yiskor, wird als Todesdatum fälschlicherweise der 25. Januar 1941 in Chelmno angegeben. Tatsächlich wurde ihr Tod jedoch durch ein fiktives Standesamt in der Stadt Chełm (im besetzten Polen) beurkundet. Dies war bei jüdischen Opfern der Patientenmorde gängige Praxis: Den Angehörigen sollte vorgetäuscht werden, ihre Verwandten seien nach Polen verbracht worden und dort verstorben.
Erst durch den Abgleich verschiedener Archive lassen sich die tatsächlichen historischen Fakten und die Schicksale der Opfer verlässlich nachzeichnen.