01/04/2022
"Der Wecker ist auf 6.30 Uhr gestellt, damit ich noch 20 Minuten im Bett bleiben und das Kind dann für die Schule fertig machen kann. Er hat heute eine Klausur, und ich muss meinen neuen Kunden das neue Design ihrer Wohnung vorstellen. Um 14:30 Uhr hole ich Mischa von der Schule ab und wir fahren zu Oma Vera. Sie hat uns zum Pfannkuchenessen eingeladen. Mischa mag Pflaumenkonfitüre sehr gerne, und abends fahren wir zum Bahnhof, um unseren Vater zu treffen. Er ist auf dem Rückweg von einer Geschäftsreise. Wir haben vereinbart, dass wir direkt zur Premiere des neuen Films ins Kino gehen. Wir haben uns seit drei Tagen nicht mehr gesehen und ich vermisse ihn so sehr, dass ich hoffe, meinem Liebsten endlich die langersehnte Nachricht mitteilen zu können, nachdem Mischa eingeschlafen ist.
24.02.2022. Ich bin zweieinhalb Stunden vor dem Wecker aufgewacht. Es gab keinen Zweifel - es ist ein Krieg. Das faschistische Russland hat unser Land überfallen. Die Welt war aus den Fugen geraten. Die Prioritäten haben sich geändert und alles Wichtige war völlig unwichtig geworden. Alles, was noch übrig war, war der Wille zu überleben. Das Leben in Kellern, Hunger und Todesgeruch. Und dann ist da noch die ständige Sorge um die Angehörigen und meinen Liebsten, der jetzt unser Land verteidigt.
Dies ist kein Film. Das ist unsere Realität dank dem Hi**er des 22. Jahrhunderts".
Mascha, 28. Kharkiv, Ukraine.