26/03/2026
„Wer sich nicht bewegt, verliert – nicht nur Muskeln, sondern Lebensqualität.“
Mit dieser klaren Botschaft unterstreicht der Sportwissenschaftler Professor Dr. Ingo Froböse seit Jahren die zentrale Bedeutung regelmäßiger Bewegung – insbesondere im fortschreitenden Alter.
Wissenschaftlich ist belegt: Ab 28 Jahren beginnt der natürliche Muskelabbau. Ohne gezieltes Training verlieren wir schleichend Kraft, Stabilität und Koordination. Gleichzeitig nehmen beruflicher Druck, mentale Belastung und Stress zu. Genau hier setzt Sport an. Krafttraining erhält die Muskulatur, Ausdauertraining stabilisiert das Herz-Kreislauf-System, koordinative Reize fördern die neuronale Leistungsfähigkeit. Bewegung wirkt wie ein biologischer Schutzschirm – körperlich wie mental.
Gerade im Alter geht es nicht um Rekorde, sondern um Selbstständigkeit, Widerstandskraft und Lebensfreude. Doch wer genau hinsieht, erkennt: Mit der richtigen Trainingsstruktur lässt sich die sogenannte Sarkopenie, der altersbedingte Muskelschwund zwar nicht komplett stoppen aber deutlich reduzieren und auch ambitionierte Ziele sind im höheren Alter noch realistisch. Eine Sportart, die all diese Faktoren in einzigartiger Weise vereint, ist das Masterboxen.
Im Mittelpunkt stehen dabei nicht junge Wettkämpfer, sondern eine breit gefächerte Altersgruppe, in der aktuell Teilnehmer von Mitte 30 bis hin zu 79 Jahren gemeinsam trainieren. „Wer rastet, der rostet“, sagt der erste Vorsitzende Reginald Schulze – und bringt damit die Philosophie des Angebots auf den Punkt. Während sich jüngere Sportler im klassischen Leistungs- und Wettkampfbereich wiederfinden, bietet das Masterboxen eine eigene Trainingswelt für all jene, die bewusst etwas für ihre Gesundheit, ihre Fitness und ihr mentales Wohlbefinden tun möchten. Es geht nicht darum, mit Jüngeren mitzuhalten – ein Ansatz, der laut Schulze ohnehin „nicht zielführend“ sei –, sondern darum, im eigenen Tempo stärker, beweglicher und ausgeglichener zu werden.
Masterboxen beim KSC Bensheim hat auch eine wichtige gesellschaftliche Komponente
Dabei hat das Masterboxen beim KSC Bensheim auch eine wichtige gesellschaftliche Komponente. Es geht nicht nur um Training, sondern auch um Gemeinschaft. Über die Jahre entstehen Freundschaften, soziale Kontakte werden gepflegt und ausgebaut. Gerade für Menschen, die im Berufsleben stark eingespannt sind oder einen Ausgleich zum Alltag suchen, entwickelt sich das Training schnell zu einem festen Ankerpunkt. Immer dienstags um 17 Uhr treffen sich in der Regel zwischen zehn und fünfzehn Teilnehmer – Tendenz steigend.
Dass Boxen dabei oft mit falschen Vorurteilen behaftet ist, erlebt der Verein regelmäßig. „Man muss nicht dumm sein, um boxen zu wollen“, stellt Schulze klar und lacht. Tatsächlich zeigt sich beim Blick in die Trainingsgruppe nämlich ein ganz anderes Bild als das klassische Klischee: ein anderes Klientel als in vielen Boxvereinen, geprägt von Menschen mit Berufs- und Lebenserfahrung, die gezielt an ihrer körperlichen und mentalen Stärke arbeiten möchten. Denn gerade darin liegt die besondere Qualität dieses Sports.
Beim Boxen in Bensheim wird der Kopf frei und der Stress fällt ab
Boxen, insbesondere in seiner kontaktreduzierten Form, gehört laut Schulze zu den gesündesten Sportarten überhaupt – vorausgesetzt, es wird nicht als reiner Wettkampfsport betrieben. Der gesamte Körper ist im Einsatz: Beine, Rumpf, Arme, Koordination und Reaktion greifen ineinander. Gleichzeitig fordert jede Bewegung Konzentration, jede Kombination schult das Gleichgewicht und die mentale Präsenz. Viele Teilnehmer berichten, dass sie im Training nicht nur körperlich gefordert werden, sondern auch mental abschalten können.
Der Kopf wird frei, Stress fällt ab – ein Effekt, der in der heutigen Zeit kaum zu unterschätzen ist. Der Trainingsablauf ist dabei klar strukturiert und auf die Bedürfnisse der Zielgruppe abgestimmt. Nach einem Aufwärmprogramm folgt ein Technikteil, in dem Bewegungsabläufe sauber erarbeitet werden. Ergänzt wird das Ganze durch koordinative Übungen sowie einen gezielten Fitnessblock. Alles ist bewusst etwas ruhiger, kontrollierter und gelenkschonender aufgebaut als im klassischen Boxtraining. Verletzungen? Gab es laut Verein bisher keine – und damit deutlich weniger als beispielsweise im oft zitierten Altherrenfußball.
Auch internationale Erfolge für den KSC Bensheim
Dass beim Masterboxen auch sportliche Erfolge möglich sind, zeigt die Geschichte des KSC Bensheim eindrucksvoll. Mit internationalen Erfolgen, darunter Siege bei Turnieren in Las Vegas, und einem Weltmeistertitel im Masterboxen hat sich der Verein einen Namen gemacht. Besonders hervorzuheben ist Gwenael de Calan, der als erster Weltmeister des Vereins ausgezeichnet wurde und zudem den Titel „Sportler des Jahres“ in Bensheim erhielt. Gleichzeitig zeigen Entwicklungen im Team auch, wie eng Sport und Leben miteinander verbunden sind: Zwei erfolgreiche Sportler stehen aktuell aufgrund familiärer Veränderungen – sie sind Väter geworden – nicht mehr regelmäßig zur Verfügung. Ein Umstand, der den Verein zusätzlich motiviert, neue Interessierte für das Masterboxen zu begeistern.
Ein besonderer Höhepunkt in diesem Jahr wirft bereits seine Schatten voraus: Am 25. April 2026 wird Bensheim Austragungsort der Masters-Weltmeisterschaft. Ein bereits ausverkauftes Event, das nicht nur sportlich von Bedeutung ist, sondern auch als Inspiration dienen soll. Wenn dort Athleten jenseits der 60 in den Ring steigen und zeigen, welche Leistungsfähigkeit auch im höheren Alter möglich ist, wird deutlich, worum es im Kern geht: nicht um Rekorde, sondern um Lebensqualität, Selbstständigkeit und die Freude an Bewegung. Die Idee hinter dem Masterboxen ist damit so klar wie überzeugend: Menschen im besten Alter eine Plattform zu bieten, auf der sie sich körperlich fordern, mental stärken und sozial vernetzen können. Ohne Leistungsdruck, aber mit Anspruch. Ohne Vorurteile, aber mit Respekt. Und mit der Erkenntnis, dass es nie zu spät ist, etwas Neues zu beginnen.
Wer neugierig ist, kann sich unkompliziert per Mail an [email protected] melden oder dienstags um 17 Uhr einfach vorbeikommen und mittrainieren.