21/12/2025
In der Türkei halten ältere Stadtviertel ihre öffentlichen Straßenwasserhähne noch immer funktionsfähig, sodass jeder an heißen Tagen trinken, Flaschen füllen oder sich die Hände waschen kann. Steinfassungen sind in Hausecken, Moscheehöfen und schattigen Gassenwänden eingelassen, oft geschmückt mit geschnitzten Mustern oder alter osmanischer Schrift. Ein Messinghahn ragt aus dem Stein, darunter fängt ein flaches Becken das überlaufende Wasser auf, über Jahrzehnte von Spritzern dunkel gefärbt. Am frühen Morgen kommen Menschen mit Plastikkanistern oder Metallgefäßen, füllen sie langsam und plaudern dabei mit Nachbarn oder beobachten den vorbeiziehenden Verkehr.
Zur Mittagszeit, wenn die Sonne hart auf den Asphalt brennt, werden die Hähne leise zu kleinen Abkühlstationen. Ein Lieferfahrer spült sich den Staub aus dem Gesicht, ein Kind schöpft Wasser mit beiden Händen und lacht, als es über das Hemd läuft, eine ältere Person stützt sich auf den Stock, während sich die Flasche tropfenweise füllt. Niemand muss um Erlaubnis bitten oder etwas kaufen; das Wasser ist einfach da – Teil des grundlegenden Versprechens der Straße an alle Vorbeigehenden. Viele dieser Brunnen werden von den Kommunen gepflegt oder durch Spenden erhalten und führen eine lange Tradition öffentlicher Wohltätigkeit fort, in der das Bereitstellen von Wasser als eine der einfachsten Formen von Güte gilt.
In Städten voller Cafés und Markenflaschen wirken diese schlichten Hähne fast altmodisch, doch sie lösen ein sehr modernes Problem: ausreichend trinken in dichter Stadthitze, ohne endlosen Plastikmüll zu erzeugen. Jeder funktionierende Brunnen verwandelt ein Stück Gehweg in gemeinsame Infrastruktur – eine Erinnerung daran, dass Städte allen, die in ihnen leben, noch immer kleine, bedingungslose Ressourcen bieten können.