14/07/2024
HEINRICHS GEDANKEN
Fatale Entwicklung:
Absage an den Freiwilligen Dienst bei den Feuerwehren
Feherwehr. Pflichtaufgabe der Träger. Der Anteil an hauptberuflichen Kräfte ist dabei sehr gering, getragen wird diese Aufgabe durch die Freiwilligkeit von mehr als 95% aller Feuerwehrfrauen und -männer. Insgesamt waren 2021 um die 1,4 Mio. Kräfte bei der Feuerwehr.
Über Jahrzehnte warben die Freiwilligen um Nachwuchs. Jugendfeuerwehren sollten mit einem oft aufwendigen Rahmenprogramm junge Menschen binden. Dabei galt es, die Bedürfnisse junger Menschen mit den zwingenden Notwendigkeiten einer Arbeit bei der Feuerwehr im Einklang zu bringen. Kameradschaft, Disziplin, Lehrwilligkeit und sicherlich sportliches Spektrum zählen dabei zu den Säulen einer Vorbereitung.
Nun standen mögliche Anwärter an den Toren ihrer Feuerwehr nicht unbedingt Schlange. Nur Wenige trieb eine Begeisterung in die Arme der Freiwilligen. Sie waren es dann auch, die später blieben.
In der Entwicklung der jungen Menschen verändern sich die Lebensumstände. Schule, Ausbildung, Beruf, dann Partnerschaften, die Gründung einer Familie, all das beeinflusst maßgeblich den Werdegang bei der Feuerwehr. Nach Wohnungswechsel mit neuer Umgebung ging es oft nicht zuerst zur Feuerwehr, sondern die eigenen Belange hatten Vorrang. Wenige schafften es dann doch, wieder in den Dienst einer wenn auch anderen Feuerwehr zu treten. Sind es 10%, so ist der Anteil derer, die von der Jugendfeuerwehr in die "richtige Wehr" überwechseln, schon recht großzügig geschätzt.
Wer bleibt, hat die Wahl. Entweder als spezialisierte Kraft in den Reihen eines perfekten Teams für Rettung und Schutz oder als Führungskraft mit lenkenden Aufgaben. Wer aber glaubt, dass seine Freiwilligkeit von all jenen, die um die Arbeit ihrer Feuerwehr wissen, auf Händen getragen wird, erfährt zunehmend Anfeindung. Oft ist es das Geld für den Bestand einer Feuerwehr, das Ärger bereitet. Denn: Jene, die Gelder bewilligen müssen, haben generell keine Ahnung von dem , was ihre Feuerwehr im Einsatz so treibt. Wie auch, niemand schaut zu, retten die Kräfte Menschen ausbrennenden Häusern, helfen dem Rettungsdienst bei Schwerstverletzten verunfallter Autos oder bergen Tote bei allen möglichen Einsätze. Alleine schon die Momentaufnahmen der Eindrücke, die sie dabei zu verarbeiten haben, gebietet sich, anderen nicht daran teilhaben zu lassen.
Längst hat die Begeisterung an Feuerwehr und ihrer Technik oder an der Arbeit im Team bei der Rettung oder dem Schutz von Menschen nachgelassen. Junge, ja, sogar jüngste Menschen wachsen im virtuellen Umfeld einer medial versorgten Unterhaltungstechnik auf. Und da Kinder die Kunden von morgen sind, weiß die Unterhaltungsindustrie um immer raffinierteste Methoden. "Das nächste Level" braucht mehr Zeit, die der Begeisterung für das wahre Leben verloren geht.
Führungskräfte, Wehrleiter, Stadt- oder Gemeindebrandmeister erleben zunehmend den ständigen "Zweikampf", geht es um die Belange ihrer Feuerwehr. Und da Menschlichkeit bekanntlich nur kostet und ohnehin in der heutigen Zeit als Luxus gilt, mithin also nichts mehr zählt, werden die Belange der örtlichen Wehr sofort in Abrede gestellt. Sogar dann, sind sie noch nicht einmal formuliert.
In einigen Gesprächen erfuhr ich vom Aufgeben aus dem Ehrenamt. Gestandene Führungskräfte haben schlichtweg die Nase voll. Anerkennung für die Leistung, die diese Kräfte zusätzlich für ihre Feuerwehr aufbringen, erfahren keine Anerkennung. Wie auch, kommen die politischen Entscheidungsträger auch und insbesondere heute aus der Schicht jener, denen durch mediale Berieselung eine Sozialkompetenz quasi aberzogen wurde.
Ich kann sie gut verstehen. Sie, die gerade in Grenzsituationen den Kopf hinhalten und Entscheidungen treffen, die über Leben oder Tod entscheiden. Sie, die durch ihre Umsichtigkeit nachhaltigen Schaden von Mitmenschen fernhielten. Sie, die ihrer hohen Verantwortung für eingesetzte Kräfte ihrer Feuerwehr immer gerecht wurden. Sie haben keine Lust mehr, sich den sich ständig wiederholenden Einwendungen bei Diskussionen über den Betrieb ihrer Feuerwehr zu stellen.
Die Smartphone-Generation unseres politischen Bodensatzes, fern einer erforderlichen Elite, kapiert nicht die Arbeit unserer Feuerwehren. Kein Wunder, dass dieser so wichtige, historisch begründete und heute mehr denn je wichtige Einrichtung die Mitglieder wegrennen.
Ich mache mir Sorgen. Ich mache mir große Sorgen über die Zukunft unserer Freiwilligen Feuerwehren.