20/04/2026
Finanzierung des Hospizes bleibt wichtiges Thema
CDU-Fraktion im Verbandsgemeinderat informierte sich vor Ort – Viele Fragen und viele Antworten
Wie sieht es nach über einjährigem Betrieb im Hospiz Rhein-Lahn aus, was hat sich getan, was bleibt zu tun? Das waren nur einige der Fragen, die die Vertreter der CDU-Fraktion im Verbandsgemeinderat BEN bei ihrem Besuch des Hospizes in Nassau-Scheuern hatten. Dr. Martin Schencking, Initiator des Hospizes und dessen Ärztlicher Leiter, Vorsitzender des Fördervereins und der Stiftung Hospiz Rhein-Lahn, nahm sich fast zwei Stunden Zeit, um den Kommunalpolitikern die Räume zu zeigen und ihre Fragen zu beantworten.
Reichen denn acht Plätze im Hospiz aus, wollte Fraktionsvorsitzender und Kandidat für das Bürgermeisteramt der Verbandsgemeine Bad Ems-Nassau Oliver Krügel wissen. Ja, sie reichen derzeit aus, könnten noch um einen Platz erweitert werden. Wie lange verweilen die Gäste im Hospiz? Im Durchschnitt fünf bis sieben Tage, aber es gibt auch Gäste die mehrere Wochen oder Monate im Hospiz leben.
Zusammen mit Oliver Krügel waren die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Petra Wiegand (Nassau) und Ratsmitglied Peter Nörtershäuser (Nievern) gekommen. Stimmt es, dass Menschen spüren, dass sie bald sterben, fragte Petra Wiegand. Ja, das trifft in vielen Fällen zu, bestätigte der Palliativmediziner Dr. Martin Schencking. Mit ihm sind zwei weitere Palliativärzte für jene Menschen zuständig, für die das Haus am Sauerborn 4 im Stadtteil Scheuern ihre letzte Station im Leben ist.
Sie sollen ein möglichst gutes Leben bis zuletzt haben, bestens begleitet in Ruhe und menschenwürdig sterben können. Was im Klinikalltag meist nicht möglich ist, wird im Hospiz gewährleistet: Eine quasi 1:1-Betreuung. „Wir nehmen die Schmerzen“, verdeutlicht Dr. Schencking. Gleiches gilt für weitere Symptome. Niemand müsse Angst haben zu ersticken. Auch Ängste und Unruhe können die Ärzte und die Fachkrankenpfleger*innnen Palliativcare lindern.
Peter Nörtershäuser interessierte sich unter anderem für die Finanzierung der Einrichtung. Diese ist in der Tat ein Problem, weil die Krankenkassen nur 90 Prozent der Kosten übernehmen. Die fehlenden Beträge müssen aus Eigenmitteln, also aus Spenden, aufgebracht werden. „Wir brauchen Spenden wie die Luft zum Atmen“, erklärte Dr. Schencking. Pro Jahr beläuft sich der Spendenbedarf für den Betrieb des Hospizes auf 200 000 bis 250 000 Euro. Staatliche Zuschüsse gibt es nicht. Dieses Defizit wollen die Vertreter der CDU-Verbandsgemeinderatsfraktion in ihre Netzwerke in Land und Bund zur Diskussion stellen.
„Hier ist jeder Quadratzentimeter spendenfinanziert“, erfuhren die Kommunalpolitiker und auch, dass zum acht Millionen teuren Neubau des Hospizes kein einziger Cent aus öffentlichen Mitteln geleistet wurde. „Ohne unsere Großspender würde hier kein Stein auf dem anderen stehen“.
Wie sieht es mit Sterbehilfe aus, wollten die Besucher weiter wissen. In der Tat hat das Hospiz viele Anfragen. „Dafür sind wir die falsche Adresse“, antwortete Dr. Schencking. Gleiches gilt für Sterbefaster. Man habe viele Schwersterkrankte die Hilfe suchen.
Was ist Ihre Motivation für solch ein Engagement, interessierte Oliver Krügel. „Ich bin Bopparder und habe ein karnevalistisches Gemüt“, antwortete Dr. Schencking scherzhaft. Doch im Ernst, ohne die Unterstützung seiner Frau und seiner Familie wäre ein solcher Einsatz mit tausenden von Überstunden und hunderten von Veranstaltungen über die lange Zeit nicht möglich. „Ohne Ehrenamt wird es nicht gehen“, weiß der engagierte Mediziner und Menschenfreund.
Die Besucher hatten Gelegenheit, sich in allen Räumlichkeiten des Hospizes Rhein-Lahn umzusehen so in der Wohnküche, in der jeden Tag frisch gekocht wird und die Gäste auch essen können, im Wohnzimmer, einem Raum für viele Aktivitäten so für Geburtstagsfeiern, zu denen auch schon einmal 30 Personen kommen. Verblüfft zeigten sie sich über die bei Dunkelheit leuchtenden Himmelskörper im Raum der Stille und auch das Pflegebad überzeugte.
Ebenso konnten sie den gerade neu gestalteten Park in Augenschein nehmen, in den die Gäste in ihren Pflegebetten gebracht werden können. Jeder von ihnen hat am Zimmer einen barrierefreien Balkon. Etliche Gäste haben sich dafür entschieden, dort in der Natur zu versterben. Von Angehörigen gerne angenommen wird die Möglichkeit, im geräumigen Zimmer ihrer Liebsten mit zu übernachten. Auch die völlig offenen Besuchszeiten kommen gut an.
„Ich bin maximal beeindruckt“, konstatierte Petra Wiegand nach dem Gespräch und dem Rundgang durch die hellen, wohnlichen Räume. Für Peter Nörtershäuser wurde noch einmal deutlich, wie wichtig ein würdevolles Sterben ist. Oliver Krügel befand: „Wie gut, dass es das Hospiz gibt. Es ist ein wahres Pfund für Nassau und die Region“. Vy
Bildunterschrift:
Vertreter der CDU-Fraktion im Verbandsgemeinderat BEN informierten sich im Hospiz Rhein-Lahn in Nassau. Bei der Besichtigung des Pflegebades v.l.n.r.: Petra Wiegand, Oliver Krügel, Dr. Martin Schencking, Peter Nörtershäuser. Foto: Christine Vary