29/01/2022
Heute versammelten wir uns auf dem Rathausplatz, um den 562 Todesopfern der Corona-Pandemie in Augsburg zu gedenken.
Zum Einstieg wurde eine Schweigeminute für die Verstorbenen abgehalten. Mit einem Gedicht über den Verlust von geliebten Menschen begann die erste Rednerin ihren Wortbeitrag. In einer eindrücklichen Anektote über den Besuch ihrer Großmutter in einem Augsburger Altenheim kurz vor den Zeiten von Besuchsverboten und Kontaktbeschränkungen wurde klar: auch vermeintlich "schon altes" Leben kann voller Freude und In-die-Zukunft-blicken sein. Schmerz und Trauer nach einem Verlust, der vermieden hätte werden können, ist riesig und schier unaushaltbar, auch wenn "die Menschen schon alt waren". Sätze wie "Sie wären sowieso bald gestorben" sind Hohn und ein Schlag ins Gesicht von allen Betroffenen, Trauernden, Pflegenden und Solidarischen in unserer Gesellschaft.
Die zweite Rednerin erzählte davon, wie es sich für uns in vollem Wortsinn unfassbar anfühlt, wenn wir auf die Todeszahlen in Augsburg, aber auch weltweit blicken. Die Zahlen übersteigen unser Vorstellungsvermögenn, entziehen sich jeder Greifbarkeit. Deshalb richteten wir den Blick darauf, dass hinter jeder Zahl ein Mensch steht über den jemand sagt: Es war mein Mensch. Ein Mensch mit einer Geschichte: mit einer Vergangenheit, aber dank dem Virus keiner Zukunft mehr.
Aufmerksam gemacht wurde außerdem darauf, dass das Sterben in Zeiten der Pandemie oft in Einsamkeit geschah und immernoch geschieht. Dass Leidenswege und Abschiede in Isolation und fernab von Liebsten und Vertrauten bestritten werden müssen. Eindrücklich und unverblümt schilderten Mitarbeiterinnen der Intensivstation des Augsburger Uniklinikums via Sprachaufnahme, wie qualvoll die Situationen auf den Intensivstationen in den letzten zwei Jahren waren: für Erkrankte und Sterbende, für deren Angehörige, aber auch für die Angestellten, die dabei zuschauen müssen, wie die Pandemie einfach geschieht.
Zwischen den Redebeiträgen wurde - von Gitarre begleitet - gemeinsam mit allen Teilnehmer*innen der Gedenkfeier Lieder gesungen.