29/01/2026
➡️ Gewalt gegen Frauen: Sefra hat neue Außenstelle im Raum Miltenberg eröffnet ⬅️
*** Mehr Flexibilität, aber Personalmangel bleibt ***
Die neue Außenstelle im Raum Miltenberg ist ein erster Schritt hin zu mehr Flexibilität, löst aber nicht das Grundproblem des chronischen Personalmangels: so sieht Sefra-Leiterin Giovanna Camertoni die Erweiterung des Beratungsangebots für von Gewalt betroffene Frauen in der Region.
Gut 20 Prozent der rund 1500 Beratungen, die die Mitarbeiterinnen von Sefra im Jahr durchführen, werden von Frauen aus dem Landkreis Miltenberg wahrgenommen. Der Hauptteil verteilt sich auf Frauen aus Stadt (31 Prozent) und Landkreis (41) Aschaffenburg, der Rest gibt keinen Wohnort an.
Der ländliche Raum, so die Sefra-Leiterin, sei im Vergleich zur Stadt besonders und herausfordernd, so auch der Landkreis Miltenberg. Dort gebe es mehr große Einfamilienhäuser, weitläufige Grundstücke, wo Hilfeschreie oft nicht von den Nachbarn gehört würden. Hinzu kämen die großen Entfernungen zwischen den Ortschaften und damit zu Anlaufstellen und Hilfsangeboten. Besonders herausfordernd: die enge soziale Vernetzung auf dem Land, dieses "jeder kennt jeden". Das könne positiv besetzt sein, aber auch professionelles Handeln erschweren.
Letzteres ist auch ein Grund, warum die genaue Adresse der neuen Außenstelle den Frauen erst bei einem vereinbarten Beratungstermin genannt wird. Sie ist jeden Dienstag von 9 bis 16 Uhr geöffnet. Außerhalb dieser Zeit können Termine in der Sefra-Hauptstelle in Aschaffenburg ausgemacht werden.
Giovanna Camertoni betont, dass die neue Außenstelle allen Frauen aus dem Einzugsgebiet offenstehe, wenn diese beispielsweise im Raum Miltenberg arbeiteten oder dringend eine Beratung suchten. Grundsätzlich soll die Filiale höhere Flexibilität bieten.
Die Zahl der Frauen, die Hilfe bei Sefra gesucht haben, sei in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen, sagt Camertoni. "Außerdem sind die Fälle teilweise komplexer geworden und die Mittel, die benutzt werden, um Gewalt und Stalking auszuüben, haben sich erweitert." Beispielsweise um Cyberstalking oder K.o.-Tropfen. "Gewalt bleibt Gewalt, aber die Formen verändern sich und das benötigt auch eine ständige Anpassung und Fortbildung in der Frauenberatungsstelle", betont die Sefra-Leiterin.
Finanziert wird die neue Außenstelle von Stadt und Landkreis Aschaffenburg sowie dem Landkreis Miltenberg, auch das Land Bayern gibt bis zu 8000 Euro im Jahr dazu. Den Rest muss der Verein aus Spenden tragen.
Beantragt hat Sefra die Außenstelle bereits 2024, damals noch unter der Leitung von Susanne Knörzer, der Vorgängerin von Camertoni. Letztere hat den Antrag 2025 um das Ansuchen nach zusätzlichem Beratungspersonal ergänzt. Aber nur die Errichtung der Außenstelle sei genehmigt worden. Dabei, so hat Giovanna Camertoni anhand umfangreichen Zahlenmaterials festgestellt, sei die Region stark unterversorgt.
Derzeit gibt es bei Sefra insgesamt zwei Vollzeitstellen und eine Teilzeitstelle für Beratung, Leitung und Prävention sowie eine Teilzeitstelle für die Verwaltung. Um die gut 380.000 Personen im Einzugsgebiet nach den Mindeststandards für Frauenberatungsstellen optimal versorgen zu können, seien aber 17 Stellen nötig. Hinzu kämen nochmals gut sieben Stellen für Prävention.
"Nicht dass ich wüsste", antwortet Giovanna Camertoni auf die Frage, ob mittelfristig weitere Außenstellen für die Beratung von gewaltbedrohten Frauen geplant seien. Sie hoffe indes immer noch auf die Aufstockung des Personals von Sefra.
Nichts Konkretes weiß die Leiterin bislang auch über die Umsetzung des im Februar 2025 verabschiedeten Gewalthilfe-Gesetzes in der Region. Dieses sieht für Frauen und ihre Kinder einen Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung bei geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt vor. Das noch von der Ampel-Regierung beschlossene Gesetz tritt am 1. Januar 2032 in Kraft.
Im Überblick: Kontakt zu Sefra
Selbsthilfe- und Beratungszentrum für Frauen in Aschaffenburg (Sefra), Frohsinnstraße 19, 63739 Aschaffenburg. Beratung in Aschaffenburg: Montag, Dienstag und Freitag 9 bis 17 Uhr, Donnerstag 9 bis 18 Uhr, Mittwoch nach Vereinbarung. Außenstelle Miltenberg: jeden Dienstag von 9 bis 16 Uhr. Auch Online-Beratung ist möglich. Sofort-Dolmetschung in 16 Sprachen bei Telefon- und persönlicher Beratung (seit April 2022 auch Ukrainisch). In Akut- und Notfällen sind kurzfristige Beratungstermine möglich. Telefon 06021 24728, E-Mail: [email protected], https://www.sefraev.de
Text: Cornelia Müller/Main-Echo
https://www.main-echo.de/region/kreis-miltenberg/mehr-flexibilitaet-aber-personalmangel-bleibt-art-8659091
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