30/11/2025
⭐ Tipps wie die Feiertage für Kinder und Erwachsene im Autismus-Spektrum zugänglicher gemacht werden können ⭐
Die Advents- und Weihnachtszeit ist für viele Menschen mit festen gesellschaftlichen Erwartungen verbunden: Familienfeiern und gesellige Gespräche, laute Musik, ein üppiges Festmahl. Für autistische Kinder und Erwachsene kann diese Zeit jedoch mit erheblichem Stress verbunden sein. Denn das, was für viele als „besonders stimmungsvoll“ gilt steht oft im Widerspruch zu den Bedürfnissen neurodivergenter Menschen nach Reizschutz, Struktur und Rückzugsmöglichkeiten.
Nachfolgend sechs praktische Tipps, wie wir die Feiertage für autistische Kinder und Erwachsene inklusiver gestalten können:
⭐ 1. Reize reduzieren: Viele autistische Menschen reagieren empfindlich auf visuelle, akustische oder olfaktorische Reize. Blinke-Lichterketten, Dauerbeschallung mit Weihnachtsmusik und intensive Gerüche können schnell überfordern. Eine reizreduzierte Gestaltung, beispielsweise mit statischen Lichtern und kurzen Musikphasen in angenehmer Lautstärke, hilft, sensorische Überlastung zu vermeiden.
⭐ 2. Klare Abläufe: Unvorhersehbare Tagesabläufe, unregelmäßige Essenszeiten und spontane Programmpunkte sind häufig eine Belastung. Klare Tagespläne geben Sicherheit. Auch Rückzugsmöglichkeiten und geplante Pausen sollten fest eingeplant werden. Für autistische Kinder können bebilderte Tageskarten helfen, Erwachsene profitieren oft von schriftlichen Ablaufplänen.
⭐ 3. Soziale Interaktionen nicht erzwingen: Nicht jeder verträgt lange Gespräche oder Gruppenfeiern. Niemand sollte gezwungen werden, sich an geselligen Runden zu beteiligen. Ein respektvoller Umgang bedeutet auch, ein „Nein“ zu akzeptieren, ohne Druck oder abwertende Kommentare.
⭐ 4. Sind Überraschungen okay? Viele autistische Menschen erleben Überraschungen nicht als positiv, sondern als bedrohlichen Kontrollverlust. Unerwartete Geschenke oder plötzliche Programmänderungen können Überforderung, Rückzug und Meltdowns auslösen. Sprechen Sie vorab ab, ob Überraschungen gewünscht sind. Wunschlisten sind oft eine bessere Lösung.
⭐ 5. Essen ohne Zwang: Viele autistische Menschen haben selektive Essgewohnheiten und feste Essensrituale die Sicherheit bieten. Es ist nicht als persönlicher Affront gemeint, wenn jemand lieber Nudeln mit Butter isst als Gänsebraten. Autistische Kinder sollten nicht gezwungen werden, „wenigstens mal zu probieren“.
⭐ 6. Rückzugsorte schaffen: Einen abgedunkelten Raum anbieten, Noise-Cancelling-Kopfhörer erlauben: Rückzugsräume zu ermöglichen signalisiert Wertschätzung für unterschiedliche Bedürfnisse und beugen Reizüberflutung vor.
Nicht das perfekte Bilderbuch-Weihnachten ist wichtig, sondern gemeinsame positive Erinnerungen, eine schöne Zeit zu erleben, bei der sich alle wohlfühlen konnten.
Eine geruhsame Adventszeit wünscht Ivonne Fernández, Vorsitzende von NeuroDivers e.V.