05/10/2026
Liebe Freunde und Follower, mal kurz etwas in eigener Sache:
Heute ist mal wieder so ein Tag ...!
Kontrolltermin beim Tierarzt, normale Betreuung unserer Bewohner, plötzlicher und unerwarteter Tod einer Hofbewohnerin und das Handy klingelt ebenfalls ganz gerne!
Ok, vielleicht melde ich mich nicht superfreundlich; allerdings bin ich auch keine Telefonhotline und verkaufen will ich auch nichts.
Am anderen Ende ein leicht gestresster Mensch mit der Frage, ob wir einen Hahn aufnehmen können. Nein, können wir nicht, antworte ich recht knapp, grätsche ihm ein bisschen ins Wort, indem ich kurz erkläre warum wir zu 2 alten Hühnern nicht einen 6 Monate alten Hahn dazu nehmen können. Normalerweise sollte das selbsterklärend und das Gespräch beendet sein. In diesem Fall, der sich vor gerade mal 20 Minuten ereignete, war das aber nicht der Fall. Es kommt die Frage, warum ich denn nicht verstehe, wie verzweifelt man sei und diesen Hahn nun loswerden müsse. Grundsätzlich verstehe ich das Problem, jedoch andererseits ist es gelöst, wenn man es an einen anderen Menschen weiterreicht? Für den Probleminhaber sicher, aber für den Hahn und auch für mich nicht. Stimmt es, bin ich eiskalt und wenig hilfreich, wenn ich erneut die Fakten darlege, weshalb ich nicht helfen kann? Dieses Gespräch hätte nun ewig fortgesetzt werden können, ähnlich wie die Frage, was zuerst da war, das Ei oder das Huhn. Warum kann man nicht akzeptieren, dass nicht alle so funktionieren, wie man erwartet? Warum muss ich, nur weil ich einen Gnadenhof leite, die Verantwortung eines anderen Menschen übernehmen?
Warum muss ich meine ureigene Verantwortung einem Dritten, nämlich in diesem Fall mir, aufdrücken wollen, wenn ich sage, wie heute im Telefonat geschehen, dann haben sie die Schuld, wenn er geschlachtet wird.
Mit den Worten "wenn es ihnen damit besser geht ", habe ich das Gespräch beendet.
Trotzdem bleibt, wie immer, ein bitterer Beigeschmack.
In den letzten Wochen merke ich, dass mein "Fell" nicht mehr so dick ist.
Mehr als 10 Tiere in einem halben Jahr zu verlieren, ist sehr schwer und muss verarbeitet werden. Auch wenn ich mit einer großen Portion Professionalität an die Arbeit heran gehe, sind es Lebewesen, mit denen ich viel Zeit meines Lebens verbracht habe, die gegangen sind und die ich teilweise in den Tod begleitet habe.
Wer will mir etwas von Verantwortung erzählen? Das steht niemand zu, der nicht eine Stunde in meinen Schuhen gegangen ist.
Mittlerweile nehme ich mir einfach raus, so zu sein, wie ich bin.
Normalerweise bin ich die Letzte, die nicht versucht, zu helfen; jedoch einfach einem fremden Menschen die ureigene Verantwortung überstülpen zu wollen, das geht gar nicht. Auch wenn es jetzt ein Hahn vermutlich mit seinem Leben bezahlt, muss ich an erster Stelle an unsere beiden alten Hühner denken, denn die würden den Einzug eines Hahnes mit ihrem Leben bezahlen. .. und genau das ist die Verantwortung, der ich mich seit mittlerweile 35 Jahren tagtäglich stelle und immer im Sinne der mir anvertrauten Lebewesen entscheide.
Bei meinem Gesprächspartner vorhin wäre das aber nicht angekommen, weshalb ich mir die Energie hierfür gespart habe.
Liebe Freunde, das musste ich mir jetzt einmal von der Seele schreiben, denn auch das sind Dinge, die neben allen anderen Sachen tagtäglich geschehen.
Anfragen, Tiere aufzunehmen, erreichen mich täglich und ich sage niemals leichtfertig nein, sondern versuche immer noch einen Tipp zu einer Lösung zu geben und oft helfe ich auch, aber es geht halt nicht immer.
Die Entscheidung zu treffen, das ist meine Verantwortung, der ich mich immer wieder stelle und die ich niemals auf andere abwälzen würde.
Danke für das Lesen des langen Textes; er gibt auch einen kleinen Einblick in den Alltag und zeigt, dass es leider nicht nur Hunde kuscheln und Friede, Freude, Eierkuchen auf unserem Hof gibt.
Habt einen schönen Abend 💞