30/08/2026
Liebe Pfarrangehörige,
wer wüsste nicht um den Schmerz, wenn ein mir nahestehender Mensch erzählt, unheilbar
krank zu sein.
Petri Reaktion auf die Leidensangeküngung Jesu ist da allzu verständlich. Vielleicht ist sie in
vergleichbarer Situation in unserem Denken, wenn nicht sogar in unserem Reden ähnlich.
„Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen!“
Völlig unverständlich ist dagegen Jesu Antwort auf den von Petrus so wohlwollend gemeinten
Protest.
„Satan“, nennt er ihn sogar. „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein
Kreuz auf sich und folge mir nach.“
Hier wird uns von Jesu eine Wahrheit zugemutet, die hart, aber ehrlich ist: Ohne Leid ist das
Leben nicht zu haben! Solange wir in einer Welt leben, die noch nicht ganz erlöst ist, wird es so
bleiben: Ohne Leid ist das Leben nicht zu haben.
Worte, die sich leicht daher gesagt sein lassen, solange das Kreuz im eigenen Leben nicht zur
bitteren Realität gehört. Sie werden schon behutsamer ausgesprochen, wenn uns das Leben mit
unseren Grenzen und Verwundungen konfrontiert.
Die Wahrheit, dass das Leben ohne Leiden nicht zu haben ist, darf aber auch von „hinten“
gelesen werden. Dann heißt sie: „Kein Leid ist ohne Leben! In jedem Leid gibt es Spuren, die
man, ohne Leid, wahrscheinlich nicht entdecken würde. Z.B. die Erfahrung von Trost und
Beistand durch Menschen, von denen man es nie erwartet hätte. Nicht umsonst ist das treue
Durchstehen schwerer Zeiten der Prüfstein für eine gelungene Ehe oder die Echtheid einer
Freundschaft.
Einzig und allein der Lebensweg Jesu ist die Rechtfertigung für die Aussage, dass sich in jedem
Leid Spuren von Leben finden lassen.
Bedeutet der Lebensweg Jesu doch, durch das Leid zum Leben, über den Karfreitag zum
Ostermorgen.
Die Antwort auf die Frage nach dem Warum von Kreuz und Leiden bleibt letzlich unbeantwortet.
Aber eines ist sicher: Am Ende steht Ostern und damit das Leben!
(Pfr. Olzem)
Pfarrvikar