07/03/2026
Der Amtshof (Teil 6)
Bei den Bauarbeiten in den 1970er Jahren auf dem Amtshof in Altentreptow stieß die Klempnerbrigade Bringmann vom VEB Gebäudewirtschaft beim Ausheben eines Grabens in etwa 80 Zentimeter Tiefe auf Keramikscherben. Sie lagen dort in großer Menge und konnten im Gewicht von mehreren Kilogramm geborgen werden. Es handelt sich um mittelalterliches rot gebranntes Küchen- und Tafelgeschirr sowie Gläser- und Flaschenreste.
Das Eßgeschirr war zum Teil bunt bemalt. Zahlreich waren Grapenreste. Grapen sind mittelalterliche Kochtöpfe, die auf drei oder vier Beinen stehend ins offene Herdfeuer gesetzt wur-den, um die Speisen zu kochen.
Ein Grapendeckel mit Knopf zum Anheben (Durchmesser 24 Zentimeter) zeigt schöne Bandverzierungen, die mit der Hand eingeritzt sind. Die rote Farbe der Scherben läßt darauf schließen, daß das Geschirr in Altentreptow gefertigt und im Ziegelofen gebrannt wurde. Es wurde also bei gleicher Temperatur gebrannt wie die Ziegelsteine, die zum Hausbau verwendet wurden, und hat daher die gleiche rote Färbung.
Anscheinend wurde das beschädigte und unbrauchbar gewordene Geschirr in einen offenen Graben geworten, der entlang einer Befestigungsmauer, deren Reste gleichfalls vorgefunden wurden, in die Kleine Tollense entwäs-serte.
Dank gebührt dem Brigadier Bringmann und seinem Kollegen Klemens Kramer sowie dem Lehrling Lothar Lubs, daß sie die Funde nicht achtlos wegwarfen, sondern sorgfältig bargen.
Wo die Funde abgeblieben sind wissen wir leider nicht. Nachforschungen in Depos vom damaligen Kreis Neubrandenburg gestalten sich schwierig. Möglicherweise warten sie aber noch auf eine Wiederentdeckung…