31/05/2026
Warum Wildtierhilfe in Aachen und Umgebung aktuell nur schleppend funktioniert. Die Realität vor Ort zeigt immer deutlicher, dass das System in seiner aktuellen Form nicht tragbar ist. Es fehlt an grundlegenden Strukturen. 😢
Ein Beispiel ist die Suche nach einem Grundstück für eine Auswilderungsvoliere für Rabenvögel. Ich habe vor 2 Jahren die Stadt kontaktiert, aktiv nach Flächen gesucht und konkrete Vorschläge gemacht. Es kam keine echte Unterstützung oder Koordination zustande. Am Ende hat eine Privatperson geholfen und auf ihrem Grundstück mehrere große Volieren ermöglicht. Ich bin eine der wenigen Pflegestellen in drei (!!) Kreisen die überhaupt noch aktiv Rabenvögel aufnimmt und versorgt. Es gibt kaum noch Kapazitäten oder spezialisierte Stellen und genau diese Tiere sind besonders aufwendig in der Pflege. Ohne diese Volieren wäre es mir nicht möglich gewesen Rabenvögel aufzunehmen.
Ein weiteres Problem ist die Wildtier Hotline Aachen und die Erstberatung. Immer wieder werden Finder falsch oder unvollständig beraten wodurch Tiere viel zu spät oder in schlechtem Zustand bei Pflegestellen ankommen. Die Personen an der Hotline halten sich verständlicherweise an feste Vorgaben und Leitlinien die von Stellen erstellt wurden, die oft wenig praktische Erfahrung mit Wildtieren im Alltag haben.
Das führt dazu, dass Tiere teilweise unterschiedlich bewertet werden. Arten wie Krähen oder Tauben z.B. werden oft als weniger relevant eingeordnet oder es wird eher zur Beobachtung geraten. In der Praxis kann das fatale Folgen haben, weil genau diese Tiere dann zu spät oder in deutlich schlechterem Zustand bei Pflegestellen ankommen.
Dazu kommt, dass Rabenvogelkinder teilweise über Tage hinweg nur beobachtet werden. Sie werden am Boden sitzen gelassen mit der Annahme dass die Eltern sie weiter versorgen oder dass sie einfach nur das Fliegen lernen. Wenn diese Tiere dann doch gebracht werden sind sie oft schon stark geschwächt und dehydriert. Die Chancen stehen dann deutlich schlechter als wenn sie viel früher in fachliche Pflege gekommen wären. Gerade bei Dohlen (sehr Aktuell momentan) kommt ein weiterer wichtiger Punkt hinzu. Dohlen sind Höhlenbrüter und Jungtiere gehören nicht auf den offenen Boden. Wenn eine Dohle am Boden sitzt und nicht einmal mehr in der Lage ist mehr als einen Meter zu flattern dann ist das kein normales Verhalten. Dann stimmt etwas nicht. Entweder ist das Tier zu jung oder verletzt oder geschwächt.
Aktuell betreue ich neben gut 30 Tauben und anderen Wildtieren 34 Rabenvögel gleichzeitig. Viele kommen stark dehydriert oder verletzt an oft in einem Zustand der vermeidbar gewesen wäre wenn früher richtig eingeschätzt worden wäre was das Tier braucht.
Ein weiteres konkretes Beispiel ist eine adulte Ringeltaube mit deutlicher Flügelverletzung. Es wurde zunächst der nächstgelegene Tierarzt kontaktiert in der Hoffnung auf schnelle Hilfe oder zumindest eine Einschätzung. Vor Ort wurde das Tier jedoch nicht untersucht. Es wurde nur eine Mullbinde mitgegeben. Danach wurde die Taube noch rund 40 Minuten zu mir transportiert. Als sie ankam zeigte sich eine offene Humerusfraktur. Ich musste sie zu meiner Tierärztin bringen zum einschläfern. 😪
Ein weiteres Beispiel ist ein einzelnes Entenküken das telefonisch so beraten wurde, dass es zurück ins Nest gesetzt werden sollte obwohl keine Eltern oder Geschwister mehr in der Nähe waren. Das Tier kam einen Tag später zum Glück stabil an. 💐
Ein ganz wichtiger Punkt sind auch die Kosten
Futter, Medikamente, Ausstattung und vor allem Tierarztkosten summieren sich sehr schnell. Viele Tiere brauchen intensive Pflege über Wochen oder Monate. Das alles wird im Ehrenamt getragen.
Alle meine Kollegen arbeiten am Limit. Aber genau das ist das strukturelle Problem: Wildtierhilfe wird in der Praxis auf wenige einzelne Pflegestellen abgeladen ohne ausreichende Finanzierung ohne funktionierende Koordination und ohne belastbare zentrale Strukturen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Notfälle keine Uhrzeiten kennen. Sie passieren Sonntags, an Feiertagen, nachts oder mitten in der Nacht. Die Last bleibt bei den wenigen Pflegestellen hängen die versuchen rund um die Uhr verfügbar zu sein ohne echte Absicherung.