21/01/2026
Wie sind AKWs finanzierbar?
Kernkraftwerke sind Grossprojekte. Finanzierungsseitig nicht anspruchsvoller als NEAT oder Autobahnen.
«AKWs sind nicht finanzierbar» ist ein häufiges Argument. Weltweit wird es widerlegt: Über 50 Reaktoren sind im Bau. Ein KKW kostet 5–6 Mrd. CHF bei 8–10 Jahren Bauzeit – die NEAT kostete 23 Mrd. und der Bau dauerte über 20 Jahre.
Das erste KKW, Beznau 1, finanzierte die damalige NOK (Nordostschweizerische Kraftwerke) aus eigenen Reserven sowie mit Krediten anderer Kraftwerksgesellschaften. Die NOK war 1914 gegründet worden zur Versorgung der Nordostschweizerischen Kantone mit Strom und ging 2001 in der heutigen Axpo auf.
Ähnlich verfuhr die BKW beim Bau des KKW Mühleberg, wobei der Kanton Bern als Hauptaktionär eine zentrale Rolle spielte.
Heute wird davon ausgegangen, dass KKWs privatwirtschaftlich gebaut werden. Während der Bauphase fallen jährlich Investitionen von rund einer Milliarde an – ohne Ertrag, aber mit hohen Zinskosten. Im Betrieb bleiben nach Zinsen und Betriebskosten nur begrenzte Mittel zur Amortisation. Entscheidend sind daher tiefe Finanzierungskosten.
Darlehen vom Bund: Die 30-jährigen Bundesanleihen rentieren zurzeit leicht über einem halben Prozent. Wenn der Bund eine Anleihe zu Gunsten eines Erbauers eines KKW auflegen würde, könnte dieser vom tiefen Zins profitieren.
• «Regulated Asset Base» (RAB):
Das ist ein System, das im Vereinigten Königreich angewendet wird. Dabei erhebt der Stromversorger einen Zuschlag auf dem Strompreis, analog unserer heutigen Netzabgabe, der dem Erbauer des Kraftwerks die Investitionskosten deckt. Das heisst, die Stromkunden gewähren eine Vorfinanzierung für das Kraftwerk und profitieren später von tiefen Strompreisen.
• BBB-Modell («bauen, besitzen, betreiben»):
Der Lieferant finanziert, betreibt und verkauft den Strom selbst. Rosneft nutzt dieses Modell in der Türkei und in Ägypten; auch SMR-Anbieter wie Oklo planen damit.
• Differenzverträge:
Das Risiko für den Investor wird minimiert, indem der Staat einen festen Strompreis garantiert. Wenn der Marktpreis unter diesem garantierten Preis liegt, zahlt der Staat die Differenz. Liegt er darüber, erhält der Staat die Differenz. Mit diesem Modell wird Hinkley Point C gebaut.
• CO₂-Abgabe (theoretisches Modell):
Die CO₂-Abgabe ist eine Lenkungsabgabe, deren Erträge grundsätzlich an die Bevölkerung zurückfliessen. Denkbar wäre, einen Teil davon für den Bau eines KKW zu nutzen, da alle von einer sicheren und klimafreundlichen Stromversorgung profitieren. Verfassungsrechtlich zulässig wäre auch der Einsatz von weniger als der Hälfte – selbst das ergäbe noch hunderte Millionen Franken pro Jahr.
Man hat früher Kernkraftwerke finanziert, man finanziert in aller Welt Kernkraftwerke. Es gibt keinen Grund, warum das in der Schweiz nicht wieder möglich sein sollte. Es ist die alte Geschichte: Wer nicht will, sieht Probleme – wer will, sieht Lösungen.
Welche Finanzierung passt zur Schweiz?