21/03/2026
Wenn Menschen mit Demenz aggressiv werden – und was dabei oft übersehen wird
Viele Angehörige erleben Situationen, die sie tief verunsichern.
Man möchte helfen – beim Duschen, beim Anziehen, im ganz normalen Alltag – und plötzlich entsteht Abwehr.
Ein Schlag. Wut. Ablehnung.
In solchen Momenten entsteht oft die Frage:
Warum passiert das?
Was dabei häufig nicht gesehen wird, ist das, was im Inneren dieser Menschen geschieht.
Menschen mit Demenz leben oft in einem Zustand dauerhafter innerer Unruhe. Sie können Reize nicht mehr richtig einordnen, Gefühle nicht mehr regulieren und Situationen nicht mehr verstehen. Was für uns selbstverständlich ist, wird für sie unübersichtlich, fremd oder sogar beängstigend.
Diese innere Unruhe bleibt nicht nur ein Gefühl.
Sie wirkt sich auch körperlich aus. Viele Betroffene stehen unter einer dauerhaften Stressreaktion: der Puls steigt, der Blutdruck kann erhöht sein, der Körper ist angespannt. Es fehlt der innere Ruhepunkt, der für uns selbstverständlich ist. Dieser Zustand geht auf Dauer an die Substanz und verstärkt die Unruhe zusätzlich.
Wenn sich diese Spannung entlädt, geschieht das häufig in Form von Abwehr oder Aggression.
Nicht, weil der Mensch verletzen möchte.
Sondern weil er sich in diesem Moment nicht mehr anders helfen kann.
Und genau hier liegt ein entscheidender Punkt:
Ein Mensch mit Demenz kann sich nicht mehr selbst beruhigen.
Das bedeutet, dass wir als Außenstehende eine Aufgabe übernehmen, die früher selbstverständlich beim Betroffenen selbst lag. Wir geben Struktur, wir geben Orientierung, wir geben Sicherheit.
In vielen Situationen gelingt das durch Ruhe, durch klare Abläufe und durch eine verständliche, zugewandte Kommunikation.
Es gibt jedoch auch Phasen, in denen diese äußere Stabilität allein nicht mehr ausreicht. Wenn die innere Unruhe zu stark wird, wenn Angst und Anspannung den Alltag bestimmen oder wenn es immer wieder zu Eskalationen kommt, kann auch eine ärztlich abgestimmte medikamentöse Unterstützung sinnvoll sein.
Dabei geht es niemals darum, einen Menschen ruhigzustellen.
Es geht darum, ihm etwas zurückzugeben, das er selbst nicht mehr herstellen kann:
innere Ruhe.
Denn erst, wenn diese innere Anspannung nachlässt, entsteht wieder die Möglichkeit für etwas, das oft verloren geht:
ein Gefühl von Sicherheit, von Entspannung – und manchmal auch ein Stück Lebensfreude. (Quelle: Demenzforum)