Später sind Chlauseselrottä mit dem Samichlaus unterwegs. Um 21:30 Uhr findet ein prächtiger Umzug aller Rottä statt. Unsere vernetzte und schnelllebige Welt steuert immer mehr auf einen kulturellen Einheitsbrei hin. Die Zeiten sind beliebig und identitätslos geworden. Das Bewahren von althergebrachten Traditionen und Bräuchen hilft diese Lücke zu füllen. Das wussten schon unsere Vorfahren und hie
lten erst recht daran fest. So gab es zum Beispiel beim Chlauseslä zu früheren Zeiten immer wieder Bestrebungen, dem „Klausjagen“ Einhalt zu gebieten. Der Rat der Stadt Zug als oberstes Organ des alten Standes Zug verfügte am 12. Dezember 1760 dass «...das nächtliche Herumziehen, Schellen und "tumultieren" in der "St. Nicolai-nacht" bei höchster Strafe verboten ist». Von dem liessen sich die alten Ägerer aber nicht abhalten. Anna Ithen schrieb dazu 1897 für das Schweizerische Archiv für Volkskunde: «Gegenwärtig herrscht das Klausjagen nur noch im Aegerithal in grösserem Umfange, wo weder Verbote noch Strafen bisher diese eingefleischte Sitte zu unterdrücken vermocht haben». Dass diese Tradition so hoch gehalten wurde, hatte natürlich auch praktische Gründe. Dezember) waren früher Chlauseslä der Kinder heute die Geschenke weit reicher ausgefallen als zu Weihnachten. «Am Klausmorgen stehen für Kinder und Dienstboten grosse Schüsseln, selbst Körbe, mit Geschenken gefüllt auf dem Tisch» schreibt dazu Anna Ithen. Doch was soll in die Schüsseln gegeben werden, wenn man selber nichts hat? Da war das Chlauseslä am Vorabend eine gute Gabenquelle. Nicht alle Sitten haben die Zeiten überdauert. So war es früher Brauch, in der Chlauseselrottä am Abend neben dem Samichlaus und dem Schmutzli auch einen verkleideten Esel mitzuführen. Weiter war das „Füttern“ des Chlausesels zuweilen eine feurige Angelegenheit. Geldspenden wurden nämlich in ein Stück Papier eingewickelt, angezündet und brennend in den „unersättlichen“ Schlund des Chlausesels geschoben. Das Geislächlepfä auf der anderen Seite war und ist ein wichtiges Element des Brauches. «Schon Wochen vorher wird das Herannahen des Klaus durch „Schafgeiseln" angekündigt. Halbwüchsige Jungen begeben sich zu diesem Zweck in der Dämmerung auf eine benachbarte Wiese hinaus. Dort lassen sie ihre langen Peitschen im Takte knallen, welcher Lärm zuweilen nur durch einen gewaltigen Hornstoss unterbrochen wird» so Ithen. Der Fortbestand des Brauches schien lange Zeit nicht gesichert. In den dreissiger und vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ging das Chlauseslä zurück. Wieder Auftrieb erhielt der Brauch durch das Hörspiel von Lehrer Fridolin Stocker "Holi holi hüü, dä Chlaus isch doo!", das 1946 vom Radio in der Bogenmatt aufgezeichnet wurde. Von da an zeigten sich wieder mehr Chlausesler am Vortag vor St. Niklaus im Tal. In Unterägeri erhielt der Brauch ab den 1950er Jahren noch eine karitative Komponente. Die im Dorf von den Chlauseselrottä gesammelten Spenden gehen seither an wohltätige Zwecke im In- und Ausland. Damit gibt der Brauch, kombiniert mit einer wohltätigen Ausrichtung, Ideale und Identität für die es sich einzusetzen lohnt. Heute hat der Brauch einen festen Platz im Ägerital und hat überregionale Bekanntheit erlangt. Das Chlauseslä ist darum auch in der ‚Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz‘ des Bundesamtes für Kultur zu finden. Die Internetseiten von Chlauseslä Unterägeri unter www.chlauseslae.ch sind zudem Teil des Webarchivs Schweiz e-Helvetica der Schweizerischen Nationalbibliothek (NB). Bis jetzt zeigte die Bevölkerung von Unterägeri immer viel Sympathie und Zuspruch für das Chlauseslä. Wir danken allen Sponsoren, Spendern und Helfern herzlich, die uns unterstützen.