Der kleine Nazareno - Schweiz / Hilfe für Strassenkinder

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Unser Verein unterstützt mit seinen Spendengeldern die grösste Organisation in Brasilien "O Pequeno Nazareno - Der Kleine Nazareno", welche Strassenkindern eine konkrete Zukunft bietet und ihnen ein menschenwürdiges Dasein ermöglicht.

Neujahrsgrüsse von Bernardo (Ausschnitt)Als wir unsere Arbeit im Armenviertel beendet hatten, kam eine hochschwangere Fr...
02/01/2026

Neujahrsgrüsse von Bernardo (Ausschnitt)

Als wir unsere Arbeit im Armenviertel beendet hatten, kam eine hochschwangere Frau auf uns zu. Ihr Name ist Joana und sie lud uns ein, bei ihr vorbeizuschauen. Das war der Beginn einer derjenigen Geschichten, die mir in diesem Jahr sehr unter die Haut gingen.

In ihrer Erzählung deutete sie nicht einmal an, dass sie Hilfe benötigte, obwohl ihre aktuelle Lage, jede Mutter erschaudern lassen würde. Joana wollte nur Reden und ihre Sorgen mit jemanden teilen. Ihr Mann sei auf der Arbeit, so erzählte sie. Er sammelt recycelbaren Abfall im Müll. Von ihrer vorherigen Wohnung wurden sie vertrieben, weshalb ihre beiden Töchter ihren Schulplatz verloren hätten. Sie würden jetzt ihrem Vater helfen. Aber heute hätten die beiden Töchter sie gebeten, nicht zu arbeiten. „Wir wollten zu Hause bleiben, um uns um Mama zu kümmern“, sagte die ältere Tochter Fátima, um den Worten der Mutter mehr Gewicht zu verleihen. Uns war klar, dass es nicht der passende Moment war, um uns über mittel- und langfristige Hilfsmaßnahmen auszutauschen. Als wir schon auf die Haustür zugingen, erwähnte sie fast schon beiläufig, dass sie jetzt zusammen mit ihren beiden Töchtern zur Bushaltestelle gehen müsse. Ihr Mann sei wohl noch in einer Bar, denn eigentlich wollte er aufgrund ihres Zustandes heute etwas früher nach Hause kommen. Aber sie könne nicht mehr auf ihn warten, denn sie müsse jetzt zur Entbindungsklinik. Den ruhigen, stoischen, fast nebensächlichen Tonfall ihrer Stimme hat sich tief in mein Gedächtnis gebrannt. Ich dachte nur - das passiert jetzt ja wohl gerade nicht wirklich? Sie brauchte nicht zur Bushaltestelle zu gehen. Sie schaute uns überrascht an, als das Uber-Taxi, das wir für sie gerufen hatten, in der Nebenstraße auf sie wartete. Noch in derselben Nacht ist ihr Sohn zur Welt gekommen. Durch das Jugendamt hatte eine Mitarbeiterin innerhalb eines Monates erreicht, dass ihre beiden Töchter wieder zur Schule gehen konnten! Das wollten wir gebührend feiern und so machten wir uns, ausgerüstet mit Lebensmittelpaketen und einem Stapel Babywindeln, auf den Weg zu ihr.

Ohne euch wäre all unsere Hilfen für diese Menschen nicht möglich gewesen. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle – von ganzem Herzen und auch im Namen unseres gesamten Nazareno-Teams – für eure oft über viele Jahre hinweg gezeigte Unterstützung bedanken. Ein besonderer Dank gilt auch Daniela, der Gründerin des Kleinen Nazarenos in der Schweiz, für ihren unermüdlichen ehrenamtlichen Einsatz, sowie allen Mitgliedern des Schweizer Vereins.

Ich danke euch allen von Herzen und wünsche euch alles erdenklich Liebe und Gute. Euch allen, ein wunderbares neues Jahr!

Euer Bernardo
Gründer der Organisation: Der Kleine Nazareno/Brasilien

In den ersten Jahrzehnten, seit der Gründung des Kleinen Nazareno, haben wir uns fast ausschließlich auf diejenigen Kind...
05/05/2025

In den ersten Jahrzehnten, seit der Gründung des Kleinen Nazareno, haben wir uns fast ausschließlich auf diejenigen Kinder und Jugendlichen konzentriert, die am Straßenrand lebten, auf
den Fußwegen oder vor den Türen von Geschäften schliefen, von wo sie tagsüber verscheucht wurden. Anders als in anderen Großstädten, wie Rio de Janeiro oder São Paulo, gab es in der
Innenstadt von Fortaleza keine einzige Familie, die auf der Straße lebte, mit einer Ausnahme: Vor meiner Universität, wo ich 5 Jahre lang Rechtswissenschaft studiert habe, gab es eine Familie, die
sich unter einem abenteuerlichen Geflecht aus Pappe, Holz und Plastiktüten abends immer zurückzog. Sonst weit und breit, Kinder und Jugendliche, die allein auf der Straße lebten.
Nicht nur, dass wir ein paar hundert Kinder seit Eröffnung des Nazareno-Dorfes aufgenommen haben.
Wir haben viele Kommissionen vor Ort geleitet, 2005 die Nationale Kampagne im brasilianischen Senat gegründet, die verschiedene Gesetzesverschläge zusammen mit staatlichen Organen und
Nichtregierungsorganisationen erarbeitet hat, die heute als normative Richtlinien Anwendung finden. Nicht zu vergessen, die unzähligen Protestaktionen in Fortaleza und in den meisten Bundesländern. Es gab Zeiten, in denen unsere Aktionen mehrmals im Jahr auf der Titelseite von hiesigen Tageszeitungen abgebildet waren. Unser Haupanliegen war immer, dass jedes Straßenkind das
Grundrecht zugesprochen haben sollte, nicht auf der Straße zu leben. In Fortaleza sind es mittlerweile 7 staatliche Einrichtungen, die sich auf die Aufnahme von Straßenkindern spezialisiert haben. Gerade in den letzten Jahren ist die Zahl der Straßenkinder, die allein und ohne Familienangehörige auf der Straße wohnen, schlafen und leben, aus sehr verschiedenen Gründen und Sachverhalten, drastisch geschrumpft und für diejenigen Kinder und Jugendlichen, die von der Straße weg möchten, ist es
nachweislich möglich zu behaupten, dass es genügend staatliche Einrichtungen in Fortaleza gibt, die diese Kinder aufnehmen können. Selbst Maranguape, wo sich das Nazareno-Dorf befindet, hat seit Anfang des Jahres eine Aufnahmestelle und ein Heim für notleidende Kinder geschaffen. Noch ein wesentlicher Aspekt des Rückgangs der Anzahl der vom Nazareno-Dorf aufgenommenen Kindern besteht darin, dass die Jugendämter aus Fortaleza von den richterlichen Stellen in den letzten Jahren immer stärker angewiesen wurden, nur in Ausnahmesituationen der Aufnahme von Straßenkindern in Einrichtungen einzuwilligen, die sich außerhalb von der Stadt Fortaleza befinden. Da genug freie
Stellen in den staatlichen Einrichtungen in Fortaleza zur Verfügung stehen und aus allen oben genannten Gründen ist es absehbar, dass der Kleine Nazareno, diejenigen Aktivitäten, die sich um die
Aufnahme von Straßenkindern drehen, einstellen werden können. Auch in Recife und Manaus gibt es erste Anzeichen für eine Verringerung der Anzahl von Kindern, die ohne Begleitung einer
erziehungsberechtigten Person auf der Straße leben. Ob diese Tendenz allerdings anhält und sich der Situation in Fortaleza in Zukunft angleichen wird, ist noch nicht voraussehbar.
Wir haben all die Jahre den Leidensweg der Straßenkinder begleitet und Strukturen und Methodologien geschaffen, um diesen Kindern zu helfen. Durch die Reduzierung der Anzahl der Kinder, die auf der Straße leben, haben wir erstmals die Gelegenheit, diejenigen Orte aufzusuchen, wo alles seinen Ursprung nimmt. Es sind Orte, wie die Elendsviertel in Fortaleza, wo Kinder, Jugendliche und Familien in extremer Armut, Gewalt und Hoffnungslosigkeit leben. Gerade die jungen Menschen in den Elendsvierteln stehen in ständiger Gefahr, sich der allgegenwärtigen Drogenmafia anzuschließen, falls ihnen eine konkrete Aussicht auf eine bezahlte Arbeitsstelle verwehrt bleibt. Wir stellen immer wieder Parallelen fest, zwischen der Realität der Menschen in den Elendsvierteln und der Realität derjenigen Kinder, die wir vor Jahrzehnten auf der Straße kennengelernt haben. Es ist dieselbe Ausgrenzung, derselbe tägliche Überlebenskampf, dieselbe Perspektivenlosigkeit, mit dem
Unterschied, dass es sich in den Favelas um tausende von Familien handelt, die eingepfercht in menschenunwürdigen Barracken leben. Wie damals, als wir Strukturen aus dem Boden gestampft haben und ein sozialpädagogisches Konzept erarbeiteten, um in Fortaleza, und dann später in Recife und Manaus, den Straßenkindern konkrete Lebenshilfen anbieten zu können, so gewinnen unsere
Hilfsangebote in den Elendsvierteln immer klarere Umrisse. Dabei konzentrieren wir uns, diejenigen soziale Risikofaktoren anzugehen, die bei fortwährender Bestehung einen besonders negativen
Einfluss auf das körperliche, geistige und seelische Wohlbefinden der Kinder ausüben.
In Recife und Manaus werden wir weiterhin Strassenkinder aufnehmen, aber in Fortaleza haben wir einen anderen Weg eingeschlagen. Wir müssen dort hingehen, wo der Staat und auch die Zivilgesellschaft in Form von Nichtregierungsorganisationen nicht präsent sind. Der Kleine Nazareno muss sich jetzt neben den Strassenkindern in Recife und Manaus um diejenigen Kinder und
Jugendlichen kümmern, die aus ihrem gewohnten Umfeld vertrieben wurden, aufgrund von Gewalt und extremer Armut und denen nur noch die Option der Armensiedlung bleibt, einer Anhäufung von unbewohnbaren Baracken, die aus Pappe und Holz aus dem Boden gestampft wurden.
Die Kinder und Jugendlichen suchten aus sehr unterschiedlichen Gründen nach Wegen, der Situation in der eigenen Familie zu entfliehen. Es war, von einigen Ausnahmen abgesehen, keine Entscheidung gegen die eigene Familie, nur gegen die als unerträglich empfundenen Lebensumstände. „Ich ekelte
mich vor den Ratten, die aus ihren Löchern kriechten und durch mein Zimmer liefen.“ So war es bei Antony, einen Jungen, den wir später bei uns aufgenommen haben, die Anzahl der Ratten der
entscheidende Grund nach Unterkunftsalternativen zu suchen. In Fortaleza sind es heute ganze Familien, die aus unterschiedlichen Gründen gezwungen werden, solche drastischen Entscheidungen
für sich und ihre Kinder zu treffen. Sie stehen vor der Wahl: sie gehen in eine Armensiedlung, oder sie gehen zur Straße! Das sind die beiden Lebensalternativen, vor denen die Familien stehen. Grob
geschätzt: ein Drittel der Familien werden von der Drogenmafia vertrieben, ein Drittel können sie die Miete nicht mehr leisten und ein Drittel hat andere Gründe. Früher wie heute, obwohl natürlich in
vielen Aspekten völlig unterschiedlich, läuft es auf dasselbe hinaus: auf die Tatsache, dass Kinder und Jugendliche in völlig menschenunwürdigen Lebensverhältnissen aufwachsen.

Anzahl der von uns heute direkt betreuten Kinder, Jugendliche und Familien:
Fortaleza
307 Jugendliche im Berufsausbildungszentrum, 8 Jugendliche im Nazareno-Dorf und 180 Jugendliche im Sportzentrum, 20 Mütter, die ihren Sohn oder Tochter durch Gewalt verloren haben, 20
schwangere Mädchen oder junge Mütter unter 18 Jahren und 350 Familien in den Armensiedlungen
Manaus
120 Jugendliche im Berufsausbildungszentrum und 12 aufgenommene Jugendliche, 20 Mütter, die
ihren Sohn oder Tochter durch Gewalt verloren haben, 20 schwangere Mädchen oder junge Mütter
unter 18 Jahren,
Recife
20 Kinder und Jugendliche im Nazareno-Dorf/Itamaracá.
Die Arbeiten mit den Müttern, die jemanden aus der eigenen Familie durch Mord/Totschlag verloren haben, oder auch Opfer von häuslicher Gewalt sind und die Arbeiten mit den minderjährigen
schwangeren Mädchen wird für 3 Jahre vom brasilianischen Mineralunternehmen Petrobrás in den folgenden Städten finanziert werden:
1.)Guamaré (RN)
2.) Areia Branca (RN)
3.) Belém (PA)
4. São Luíz (MA)
5. Oiapoque (AP)
6. Carauari (AM)
7. Coari (AM)
8. Manaus/AM
9. Maranguape/CE
10.Paracuru/CE
11. São Gonçalo do Amarante/CE
12 Fortaleza/CE.
Der Auslöser der Gründung des Kleinen Nazareno war die Not der Kinder und Jugendlichen, die auf der Strasse leben. Heute arbeiten wir mit Kindern und Jugendliche in verschiedenen straßenverbundenen Situationen und mit Kindern und Jugendlichen, die zusammen mit ihrer Familie aufgrund von Gewalt und extremer Armut vertrieben worden sind und in Armensiedlungen leben. Wir haben Vereinsnetzwerke in Fortaleza und auf nationaler Ebene gegründet, helfen bei der Entwicklung
von elementaren Gemeindestrukturen und setzen uns tagtäglich für die Verteidigung der Menschenrechte von Kindern und Jugendlichen auf der Strasse und in Armensiedlungen ein. Der
Kleine Nazareno wurde erst in Deutschland, dann in Brasilien und in der Schweiz gegründet. Interessanterweise ist von Beginn an auf dem Logo nicht allein der Name des Vereins sichtbar, aber auch seine Mission. Ich darf euch ohne jegliche Abstriche versichern, 31 Jahre nach dessen Gründung, dass der Kleine Nazareno in der Tat sich zu einem Verein für Gerechtigkeit und Menschenwürde entwickelt hat.

Mobile SchoolGlücklicherweise werden wir im nächsten Jahr auf ein Artefakt zurückgreifen können, welches ausgeklügelt wu...
01/04/2024

Mobile School
Glücklicherweise werden wir im nächsten Jahr auf ein Artefakt zurückgreifen können, welches ausgeklügelt wurde, um die erste Kontaktaufnahme auf der Straße kreativ zu gestalten. Arnoud Raskin, Gründer des „Mobile School“ (belgischer Verein, mit Sitz in Löwen) hat eine ausklappbare Tafel auf Räder entwickelt, die gefüllt ist mit Lehrmaterialien und Brettspielen.

Nachdem er jahrelang zwischen Lateinamerika und Belgien pendelte und besonders in Kolumbien hautnah die Situation der Straßenkinder kennenlernte, konzipierte er als Designer ein Produkt, welches die erste Kontaktaufnahme der „Streetworker“ mit den Kindern erleichtert und gleichzeitig den Zugang zu pädagogischen Spielen und Lernübungen ermöglicht. Unter einigen Mitbewerbern aus Südamerika, wurde der Kleine Nazareno in Brasilien ausgewählt. Wir bekommen eine neue „mobile Schule“ zur Verfügung gestellt. Die Übersetzungsarbeiten laufen seitens der Organisation auf Hochtouren. Denn obwohl die Mobile
School mittlerweile schon in mehr als 30 Ländern zum Einsatz kommt, müssen die über 300 Spiele erst einmal ins brasilianische portugiesisch übersetzt werden.

In erster Linie wird die Mobile Schule auf den Straßen und Plätzen der Innenstadt von Fortaleza zum Einsatz kommen. Aber ich sehe auch schon die Freude in den Augen der Kinder der Armensiedlungen, wenn wir die Tafeln auf Rädern vor ihnen ausbreiten werden!

Liebe Freunde des Kleinen NazarenosNeue Herausforderungen für den Kleinen Nazareno/Fortaleza:Gleich drei Schicksalsschlä...
14/02/2024

Liebe Freunde des Kleinen Nazarenos

Neue Herausforderungen für den Kleinen Nazareno/Fortaleza:

Gleich drei Schicksalsschläge brachen über Dona Leonora ein, bis sie keinen anderen Ausweg mehr sah, als zusammen mit ihren drei Enkelkindern auf der Straße zu leben. Ihr Ehemann, mit dem sie in einem einfachen Haus lebte, verstarb plötzlich und sie selbst verlor ihre Arbeitsstelle in einer Textilfabrik, als diese den Konkurs anmeldete. Zu allem Übel fing zu jener Zeit ihre Tochter an Drogen zu nehmen und konnte die Verantwortung für ihren damals 11-jährigen Sohn nicht mehr tragen. Danach kamen noch zwei weitere Enkelkinder zur Welt, um die sich Dona Leonora alleine kümmerte. Sie fing an, nach wiederverwertbaren Materialien zu suchen, um diese an Zwischenhändler zu verkaufen und so etwas Geld zu verdienen. Sie erzählte unter Tränen, dass sie sich eines Tages ganz verzweifelt, zusammen mit ihren drei Enkelkindern, auf der Straße wiederfand, als sie das Geld für die Miete nicht mehr aufbringen konnte.
Während des Besuchs eines Ehepaares, dass in Deutschland lebt und die Arbeit des Kleinen Nazarenos auf der Straße kennenlernen wollte, sind wir auf Dona Leonora und ihre Familie aufmerksam geworden. Gemeinsam mit dem Sozialarbeiter vom Kleinen Nazareno wurde beschlossen, dieser Familie im Rahmen einer finanziellen Sofortmaßnahme, die vom Ehepaar gestemmt wurde, zu helfen. Innerhalb von ein paar Tagen war die Wohnung, in der Dona Leonora zusammen mit ihrer Familie heute lebt, gemietet. Sie wurde schon in offizielle Sozialhilfe Programme der brasilianischen Regierung eingeschrieben und wir hoffen, dass ihr aufgrund ihrer Notsituation bald eine Sozialwohnung zugesprochen wird. Neben einer kleinen Hilfe vom Kleinen Nazareno, muss sie für ihren Unterhalt und den ihrer Enkel selbst aufkommen.
In den ersten Jahrzehnten, seit der Gründung des Kleinen Nazareno, haben wir uns fast ausschließlich auf diejenigen Kinder und Jugendlichen konzentriert, die am Straßenrand lebten, nachts auf den Fußwegen oder vor den Türen der Geschäfte schliefen, wo sie tagsüber verscheucht wurden. Anders als in anderen Großstädten wie Rio de Janeiro oder São Paulo, gab es in der Innenstadt von Fortaleza keine einzige Familie, die auf der Straße lebte, mit einer Ausnahme: Vor der staatlichen Universität, wo ich 5 Jahre lang Rechtswissenschaft studierte, gab es eine Familie, die sich immer abends unter einem abenteuerlichen Geflecht aus Pappe, Holz und Plastiktüten zurückzog. Sonst lebten Kinder und Jugendliche alleine auf der Straße. Nicht nur, dass wir ein paar hundert Kinder seit der Gründung des Nazareno-Dorfes aufgenommen haben. Wir haben auch viele Kommissionen vor Ort geleitet und 2005 die Nationale Kampagne im brasilianischen Senat gegründet, die verschiedene Gesetzesvorschläge zusammen mit staatlichen Organen und Nichtregierungsorganisationen erarbeitet hat, die heute als normative Richtlinien Anwendung finden. Nicht zu vergessen, die unzähligen Protestaktionen in Fortaleza. Es gab Zeiten, in denen unsere Aktionen mehrmals im Jahr auf der Titelseite von hiesigen Tageszeitungen abgebildet waren. Unser Hauptanliegen war immer, dass jedes Straßenkind das Grundrecht zugesprochen bekommt, nicht auf der Straße leben zu müssen. In Fortaleza sind es mittlerweile 6 staatliche Einrichtungen, die sich auf die Aufnahme von Straßenkindern spezialisiert haben. Als wir unsere Arbeiten aufnahmen, gab es keine einzige! Wenn sich auf der einen Seite die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die allein auf der Straße leben, deutlich verringert, gibt es andererseits schon seit länger Zeit einen Anstieg von Familien, die auf der Straße leben. Unter den Markisen von Kaufhallen und Einzelhandelsgeschäften treffen sich abends unzählige Menschen, um eine weitere Nacht auf der Straße zu verbringen. Es sind oft Mütter, zusammen mit ihren Kindern und Jugendlichen. Es ist offensichtlich, dass wir uns in naher Zukunft verstärkt der Herausforderung stellen werden, möglichst vielen Familien Mittel und Wege zu eröffnen, nicht mehr auf der Straße leben zu müssen. Obwohl es uns möglich war, neben der Familie von Dona Leonora, einer zweiten Familie, auch mit 3 Kindern, zu helfen, so werden diese vereinzelten Hilfsmaßnahmen in Zukunft keine Ausnahmen mehr darstellen.

01/05/2023
Ricardo & FranciscoDie Hauptursache der erschütternden Lebensläufe  der vom Nazareno-Dorf in Fortaleza aufgenommen Kinde...
01/05/2023

Ricardo & Francisco

Die Hauptursache der erschütternden Lebensläufe der vom Nazareno-Dorf in Fortaleza aufgenommen Kinder geht heute ausnahmslos auf den Drogenkonsum von Mitgliedern ihrer Kernfamilie zurück. Wie eine Walze, die alles unter sich zerstört, frisst sich der Drogenkonsum von Angehörigen mit all den desaströsen Konsequenzen tief in die Herzen und das Selbstverständnis der Kinder ein. Es ist jetzt drei Jahre her, dass mich Antônio Carlos, Streetworker vom Kleinen Nazareno, vom Krankenhaus aus anrief.
Er besuchte Ricardo, der gerade vom Operationsaal für die stationäre Behandlung auf ein Mehrbettzimmer gekommen war. Seine beiden Hände waren fast bis zum Ellbogen in einen Schienenverband eingewickelt, denn die Verletzungen waren beträchtlich. Zwei Kugeln in jeder Hand hatten Blutgefäße, Nerven und Handknochen durchtrennt. Von der kriminellen Organisation, die in seiner Gemeinde die Rechtsprechung hat, war er beim Stehlen ertappt worden. Auf der Stelle verurteilt, wurde er dazu gezwungen, seine beiden Hände auszustrecken, immer wieder aufs Neue, bis alle vier Schüsse abgefeuert waren.
Auch bis zu diesem traumatischen Erlebnis hatte ihn das Leben nicht mit Samthandschuhen angefasst. Der Vater, wie auch seine Mutter, waren drogenabhängig und starben, als er noch klein war. Eine enge Beziehung hatte er zu seiner Oma, die schon gesundheitlich angeschlagen war, als Ricardo von ihr aufgenommen wurde. Nach ihrem Ableben hat sich eine Tante bereit erklärt, sich um ihn zu kümmern. Damals war er 8 Jahre jung und hatte schon alle Personen verloren, die ihm etwas bedeuteten. Daher kann es kaum überraschen, dass er Schwierigkeiten hatte, sich wieder neu zurechtzufinden. Rebellisch und aufmüpfig kam er immer später nach Hause, bis er endgültig das Weite suchte.
So kam er das erste Mal zum Kleinen Nazareno. Mehr schlecht als recht hat er es immerhin zwei Jahre lang geschafft, sich den Regeln im Dorf unterzuordnen, aber trotz aller Bemühungen, auch seitens der Psychologin, beschloss er, ohne uns zu fragen, zurück zu seiner Tante zu gehen. Wir hatten nur spärliche Informationen über seine persönliche Situation, bis zu dem Zeitpunkt, als er ins Krankenhaus eingeliefert wurde und er eine Krankenschwester bat, unseren Mitarbeiter zu benachrichtigen.
So kam Ricardo das zweite Mal zum Kleinen Nazareno. Es würde mich freuen, wenn ich euch jetzt eine authentische Bekehrungsgeschichte präsentieren könnte. In Wirklichkeit, um es milde auszudrücken, strapazierte er nicht nur unsere Geduld, sondern schaffte es immer wieder, uns an die eigenen Grenzen zu bringen.
Umso größer war die Überraschung, als wir erfuhren, dass ausgerechnet unser Ricardo (rechts vorne) unter vielen Mitstreitern zusammen mit Caroline (links im Bild) vom Berufsausbildungszentrum einen der sehr begehrten Ausbildungsplätze beim staatlichen Mineralunternehmen Petrobrás ergattert hatte. Neben vielen anderen Vergütungen bekommen die Auszubildenden dort einen vollen Mindestlohn, doppelt so viel wie in anderen Betrieben. Dem theoretischen Unterricht wird viel Gewicht zugemessen und ein erfolgreicher Abschluss der Ausbildung mündet in einen Vertrag als offizieller Angestellter der Petrobrás. Wir wissen gar nicht mehr wohin vor lauter Freude, dass Ricardo damit die Chance hat, seinem Leben eine neue und positive Richtung zu geben. An seinem ersten Arbeitstag haben wir ihn, zusammen mit Caroline und ein paar Jungs, die schon arbeiten, aber noch im Nazareno-Dorf leben, zum Mittagessen eingeladen.
Und wo wir schon dabei sind, folgt nun noch eine außergewöhnliche Geschichte von jemandem, der auch mit ins Restaurant eingeladen wurde. Von Francisco hatte ich interessanterweise schon gehört, als er noch im Mutterleib ruhte. Es sind genau 17 Jahre her, dass ich zusammen mit meinen Mitarbeiter/innen eine sehr liebe Frau kennenlernte, die unter einer Brücke zusammen mit ihren Enkelkindern in erbärmlicher Armut hauste. Ihre Tochter sei schwanger, so erzählte sie uns. Es sei ein Junge und er würde wohl auch unter der Brücke wohnen müssen.
Dem Neugeborenen und seiner Mutter blieb zumindest dieses erspart, denn nach ein paar Monaten bekam ich die Nachricht, dass die Oma, zusammen mit ihrer Tochter und ihren Enkelkindern eine Wohnung in einem Elendsviertel gemietet hatte. Das neugeborene Kind hiess Francisco. Als dieser 7 Jahre alt war und auf der Straße lebte, haben wir ihn bei uns aufgenommen. Seine Oma ist vor ein paar Jahren leider verstorben. Ich hätte ihr noch liebend gerne die Freude gemacht und erzählt, dass ihr Enkelkind eine Arbeitsstelle bei einem Pharmaunternehmen angetreten hat und dass es ihm, im Vergleich zu früheren Zeiten, ausgezeichnet geht.
Es handelt sich um unseren Francisco, der 10 Jahre später, zusammen mit Ricardo und Caroline, der Leiterin des Berufsausbildungszentrums, von uns zum Mittagessen eingeladen wurden. Gründe zum Feiern gibt es Genüge.

Der kleine Nazareno war am Wollimärt vertretenBei strahlendem Sonnenschein konnte der Wollimärt am 11. Juni 22 endlich w...
24/06/2022

Der kleine Nazareno war am Wollimärt vertreten

Bei strahlendem Sonnenschein konnte der Wollimärt am 11. Juni 22 endlich wieder durchgeführt werden. Der Kleine Nazareno durfte am Solidaritäts-Stand der refomierten Kirche Selbstgemachtes wie Holunderblütensirup, Feigensenf und Kräutersalz verkaufen. Auch Glitzertatoos für Kinder waren im Angebot. Die Freude über all die glitzernden Feen, Einhörner und Co. war gross und die Kinderaugen glänzten mit den Tatoos um die Wette.
Am Kaffee- und Kuchenbüffet wurden vom Team der Kirche gegen eine Spende viel Feines angeboten.

So dürfen wir nach einem kurzweiligen Markttag den grossartigen Betrag von insgesamt 1621.- entgegennehmen.
Wir danken der refomierten Kirche Wollishofen ganz herzlich für die tolle Unterstützung und den vielen Besucherinnen und Besuchern für ihr grosses Interesse an unserem Projekt.
Es war eine Freude, am Wollimärt mit dabei sein zu dürfen.

Daniela Nick
Der Kleine Nazareno - Schweiz

Liebe Freunde des Kleinen NazarenosSchicksalhafte Begegnung in der Innenstadt von RecifeKaum der Sprache bemächtigt, irr...
11/05/2022

Liebe Freunde des Kleinen Nazarenos

Schicksalhafte Begegnung in der Innenstadt von Recife

Kaum der Sprache bemächtigt, irrte ich an den Abenden im Frühling 1987 mit meinen ausgelatschten Flip-Flops in den vollgestopften Straßen und verdreckten Gassen in der Innenstadt von Recife umher. Da begegnete ich dem traurigen Blick eines Kindes, das sich unter einer schmutzigen Pappe versteckt hielt, in Lumpen gekleidet war und dessen Hand sich verzweifelt an einer Flasche Schusterleim festklammerte. Die unvorstellbare Situation der sogenannten Straßenkinder hatte meine Pläne aus der Bahn geworfen, denn ich war Franziskanermönch und studierte Philosophie und Theologie. Wie sagte noch der ehemalige Schwergewichtsboxer Mike Tyson: „Jeder hat einen Plan, bevor er eins auf die Fresse bekommt“.

Das Schicksal dieser Kinder lag mir am Herzen und ich erspare euch die Beschreibung der Bilder, die mir abends, nachdem ich wieder im Konvent war, durch den Kopf gingen. Bis zur Gründung der Associação Beneficente O pequeno Nazareno, im Jahre 1994, war noch ein langer und steiniger Weg. Mittlerweile studierte ich schon Rechtswissenschaft an der Universität in Fortaleza, um einen Beruf zu erlernen, den ich nie angetreten habe. Denn ab 1996 hatten wir die Möglichkeit, Kindern aus Fortaleza einen Weg aus dem zerstörerischen Kreislauf von Armut, Drogen und Einsamkeit auf der Straße anzubieten. Im August 2002 wurde es möglich, ein altes Versprechen einzulösen. Wir konnten unsere Filiale in Recife eröffnen, damit Kindern wie Carlos (9 Jahre) und seinem Cousin Antônio, von denen ich euch jetzt erzähle, eine konkrete Lebensalternative bieten zu können.
Schon das erste Mal, als er Antônio auf der Straße antraf, wollte Severino, der seit vielen Jahren als Streetworker in Recife für uns tätig ist, unbedingt etwas unternehmen. Es war seine professionelle Verpflichtung und eine persönliche Herausforderung Antônio zu helfen, der sich innerhalb kürzester Zeit völlig gehen ließ, sich nur noch mit Schusterleim zudröhnte und, aus Verzweiflung, da sich seine Familie nicht mehr um ihn kümmerte, jegliche Selbstachtung verloren hatte. Severino musste viele Hürden nehmen, denn all seine Vorschläge trafen auf taube Ohren. Vielleicht hätte Antônio nie einer Veränderung seiner Lebenssituation zugestimmt, wäre Carlos, sein Cousin, nicht wie er selbst auf der Straße gelandet.

Severino brauchte keine grosse Überzeugungsarbeit zu leisten, denn Carlos war heilfroh und dankbar, dieser Hölle auf der Straße zu entfliehen. Er nahm unser Angebot sofort an. Jetzt kam auch Antônio ins Schwanken! Die familiäre Verbundenheit zu seinem Cousin gab ihm die Kraft, seine leicht nachvollziehbare Wut und Verzweiflung bei Seite zu legen und den Schritt in einen neuen Lebensabschnitt zu wagen.

Einladung zum Street Child World Cup in Doha, KatarEin  paar Monate vor den offiziellen Fußballweltmeisterschaften im Wü...
04/04/2022

Einladung zum Street Child World Cup in Doha, Katar

Ein paar Monate vor den offiziellen Fußballweltmeisterschaften im Wüstenstaat Katar, organisiert die englische Nichtregierungsorganisation Street Child United, mit Hauptsitz in London, eine Meisterschaft für Straßenkinder aus 20 verschiedenen Ländern. Und wieder wurde der Kleine Nazareno zu diesem Sportevent eingeladen. Seit der Fußballweltmeisterschaft 2014 in Rio de Janeiro sind wir mit von der Partie.
Die Mannschaft besteht aus 9 Spielern, die von 3 Erwachsenen begleitet und betreut werden. Die Planungen sind noch nicht völlig abgeschlossen. Ein Vertreter des Kleinen Nazarenos nimmt zurzeit an einer Versammlung teil, um bei den Vorbereitungen mitzuhelfen. Voraussichtlich wird die Mannschaft des Kleinen Nazarenos Mitte April am Hamad International Airport der Hauptstadt Doha am persischen Golf ankommen. Neben den offiziellen Spielen werden die Jugendlichen auch Zeit haben, sich den alten Emir Palast und das Nationalmuseum anzusehen. Wie immer entstehen für den Kleinen Nazareno keine Unkosten durch die Teilnahme an der Fußballweltmeisterschaft,
denn sämtliche finanzielle Aufwendungen werden vom Organisator getragen.

Video: https://www.instagram.com/tv/CbnXCChl3a1/?utm_medium=share_sheet

Adresse

Surbgasse 13
Oberweningen
8165

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