24/05/2026
🔸Paulo trägt ein weisses Gewand, bis an die Füsse.
Er ist Novize im Orden der Benediktiner.
Paulo begegnet mir mit erhobener Brust und breiten Schultern.
Der Gürtel sitzt, so auch sein Gewand. Eine Uniform.
Sein Blick geht geradeaus. Nur selten trifft er auf den meinen.
Als wir miteinander ins Gespräch kommen, wird sein Blick nur langsam weicher.
Und ich erahne ich eine tiefe Sensibilität und Verletzlichkeit.
Damals begegnete ich Paulo nur kurz.
Mein erster kantiger Eindruck wurde durch den zweiten weichen abgerundet.
So begegne ich ihm wieder, diesem sensiblen, strammen jungen Novizen.
Diesmal über längere Zeit.
Paulo kann nicht schwimmen.
Ich bringe es ihm bei.
Wir lachen viel, er ist ein guter Schüler.
Paulo hat ein schönes Gesicht, ist ein attraktiver, sportlicher Mann. Oft sehe ich ihn nachdenklich in die Weite
blicken. Dann erkenne ich die Tiefe, die in ihm leben muss.
Paulo kann gut Englisch und so unterhalten wir uns oft.
Er scheint mich zu verstehen. Nicht nur sprachlich, sondern auch menschlich.
Meine Ausdrücke mit Mund, Gesicht und Körper scheinen ihm nicht fremd.
Heute gehen wir auf das Boot. Zusammen mit Studenten und Lehrern aus der nahegelegenen Stadt.
Wir machen einen Ausflug.
Neben Wasser, Boot und Landschaft bin ich, der Muzungu die Attraktion der Reise.
Viele machen Fotos von und mit mir.
Ich werde behandelt wie ein Star.
Sie heissen mich willkommen, „karibu!“.
Nur Freude, kein Neid, keine Ablehnung. Offene Herzen.