28/04/2026
STÜCKWERK – In der „Hochzeitslesung“, in 1. Korinther 13,9 steht der Satz: „Stückwerk ist unser Erkennen…“ Vieles hier ist Stückwerk: Der Automotor stottert, der Strom fällt kurz mal aus, im Wasserhahn kommt grad mal gar nichts, das spontan angestimmte Lied in der Werktagsmesse zerfällt (fast)… Am besten sieht man es auf dem Bau: Jetzt ver-bauen wir, wozu wir das Geld haben. Kredite gibt es keine, und nächstes Jahr ist es teurer. Also ausgeben und bauen, was da ist. Nächstes Jahr reicht es vielleicht für den nächsten Handwerker. Und wenn eine Kirche halbfertig ist, ziehen wir ein. Und wir freuen uns an jedem Ruck, den der Bau macht.
Stückwerk ist, was ich hier „leiste.“ Was bleibt von meinem Unterricht, den ich zwischen zwei Trimesterferien
in zweieinhalb Monaten gegeben habe? Was vom Deutschkurs für Priester, der jetzt definitiv eingeschlafen
ist? Verstummt das E-Piano, wenn ich gehe, oder packt es Jacob, dem ich ein paar Stunden geben konnte,
oder sonst jemand? Das kann bedrückend oder frustrierend wirken. Ist es für mich nicht! Auf der Karte von
Voyage-Partage, die ich wie geplant im Flugzeug geöffnet habe, steht ein Zitat von Christoph Albrecht SJ: „Es gibt einen Unterschied zwischen Leistung und Fruchtbarkeit.“ Die Leistung ist nicht riesig, aber ich bin sicher, dass es Frucht trägt! Stückwerk heisst für mich: Ich teile, was ich habe. Ich warte nicht, bis es perfekt ist, bis ich 100% sicher bin, ich will, ich könnte, sollte…. Hier, heute, los, packen, tun, versuchen, scheitern, aufstehn, weitergehen! Und Freude haben an dem, was am Abend entstanden ist: immerhin, nicht perfekt, aber ein Stück weiter! Das tut doch einem Schweizer gut, oder nicht? Bei uns scheint alles durchgeplant, ver-sichert, abgefedert, scheinbar in unserer Hand… Haben wir nicht! Es ist letztlich in Gottes Hand. Vielleicht sind sich die Menschen hier dessen umso mehr bewusst…
Daniela, Nigeria