28/11/2025
Fasnacht für alli – und das gleich dreimal. Catherine nimmt euch mit in die bunte Fasnachtswelt und zu einem Projekt, das vom Bärenfonds unterstützt wird:
Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal die Schul-Fasnacht erlebt und mich sogleich in diese ganz grossartige Aktion verliebt. Bei dem für mich wichtigsten und schönsten Cortège präsentierten über 13‘000 Basler Kindergarten- und Primarschulkinder ihre selber gemachten kunterbunten Kostüme und Requisiten. Zu Recht stolz zogen sie durch die Freie Strasse und sorgten dafür, dass die richtig vielen Zuschauer:innen aus dem Staunen gar nicht mehr herauskamen.
Feuerwehrfrauen, Farbstifte und überhitzte Weltkugeln verstanden sich beim Einstehen auf dem Münsterplatz genauso gut wie Kühe, Krokodile und Hühner. Und natürlich fehlten auch Harlekin, Blätzlibajass, Waggis und Co. nicht. Und für mich war dabei das Beste: Die Gesichter der Kinder, die unter den Larven verschwunden sind, waren nicht minder vielfältig und divers als ihre kreativen Werke.
Nach diesem beglückenden Ereignis freute ich mich dann noch mehr darauf, am nächsten Vormittag als Pfyffere im Bärenspiel das jährliche Bläsischulhaus-Zügli zu begleiten. Die kostümierte Kinderschar zog nun durch ihr eigenes Viertel. Diesmal säumten ihre Familien und Freunde ihren Weg oder applaudierten ihnen aus den Fenstern. Darunter waren ganz viele, die eher nicht zur Schulfasnacht in die Stadt gehen würden. Die Freude der Neu-Fasnächtler:innen über diese Aufmerksamkeit für sie war vielleicht gerade deshalb besonders gross und mein Respekt vor den so engagierten Lehrpersonen im Bläsi, die das alles möglich machen, nicht kleiner. Ob Schulhaus-Fasnacht oder eine Mega-Aktion wie die Basler Schulfasnacht, alles erfordert ganz viel enthusiastischen Einsatz von Erwachsenen und jedes Zügli zeugt von einer gemeinsamen Meisterleistung.
Nach diesen beiden Erlebnissen war für mich erst recht klar, auch beim Bären-Projekt „Fasnacht für alli“ mitzumachen. Die Bären stehen ja für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen in Basel und sind dafür u.a. in Projekten im Bereich des Sports tätig, insbesondere beim Basketball. Eine Mannschaft des BC Bären Kleinbasel, der von der Gesellschaft zum Bären vor 25 Jahren als integratives, gemeinnütziges Projekt lancierte wurde, spielt sogar in der NLB.
Ein bisschen weniger bekannt, aber nicht minder erfolgreich ist das Bären-Engagement beim Projekt „Fasnacht für alli“. Insbesondere Kleinbasler-Kindern mit unterschiedlichstem Migrationshintergrund, die sonst wenig oder gar nicht mit Cliquen in Kontakt kommen, wird in deren Schule an drei Nachmittagen wahlweise Trommeln oder Piccolo spielen näher gebracht.
Direkt nach der Fasnacht geht es jeweils los mit den drei Gratisübungsstunden. 2025 war die Teilnahme mit über 70 Kindern aus dem Bläsi-Schulhaus richtig rekordverdächtig. Aber es machten genügend Mitglieder aus dem Bärenspiel mit, sodass die Kinder dennoch in kleinen nach Alter eingeteilten Gruppen ihre ersten Versuche an den Instrumenten machen konnten. Alle bekamen ein Piccolo oder Böckli und Trommelschlägel gestellt. Und während der drei Wochen durften die Kinder diese Leihgaben auch zum Üben mit nach Hause nehmen.
Die Lehrpersonen im Bläsi-Schulhaus hatten schon im Rahmen der Schulfasnacht ganze Arbeit geleistet und den Kindern beim Basteln viel über das kulturelle Basler Grossereignis, seine Geschichte und seine Bräuche erzählt. Als wir beim ersten Treffen zur Auflockerung in
unserer Gruppe nach den Lieblings-Fasnachtskostümen fragten, nannte niemand Spiderman, Mickey-Mouse oder gar Indianer. Harlekin, Pierrot und Ueli machten das Rennen. Und die Erst- und Zweitklässler:innen erzählten uns auch ganz munter, was sie sonst noch so alles wussten: wann der Morgestraich beginnt und dass man da nicht mit Blitzlicht fotografieren soll, dass der Umzug in Basel Cortège heisst und auch, dass bei der Fasnacht eine Larve vors Gesicht gehört und nicht wie bei der Pandemie eine Maske.
Und als jedes Kind ein Piccolo und - ganz wichtig - ein Täschlein in der richtigen Farbe bekommen hatte, gingen alle mit Eifer ans Ausprobieren. Die einen versuchten, zunächst dem kurzen Teil ihres Piccolos einen Ton zu entlocken, andere steckten mit unserer Unterstützung gleich die Teile aufeinander und verteilten hoch konzentriert ihre Fingerchen auf die Löchlein. Und dann zeigten wir ihnen auch schon, wie sie gezielt Luft ins Mundstück bringen können, damit ein richtiger Ton entsteht.
Der Einstieg für Kinder ist beim Piccolo recht schwierig, umso besser, dass die Instrumente zwischen den Terminen zum Weiterüben mitgenommen werden dürfen. So können die meisten Mini-Pfyffer:innen am dritten Nachmittag schon einzelne Töne spielen, manche sogar einfache Tonfolgen.
Der letzte Nachmittag hielt dann noch eine besondere Überraschung bereit: der Besuch im Junteressli-Cliquenkeller, wo vor Eintreffen der Kids verschiedene spannende Stationen vorbereitet wurden. So leuchteten auf der Entdecker-Tour bei einem spontanen Morgestraich-Zügli echte Kopflaternen. Ein Tambourmajor-Stab wurde eifrig ausprobiert und dabei vielleicht von einer grossen Trommler:innen-Karriere geräumt. Und natürlich bestaunten die Kids auch alte Laternen.
Abschliessend verteilten die Vertreter:innen der jungen Garden Infomaterial an den potentiellen Nachwuchs, dem sie ihre Clique davor vorgestellt hatten. Und als Krönung bekamen alle auch noch ein Teilnehmer:innen-Diplom.
Jedes Jahr melden sich einige der Kinder, in der Trommel- oder Piccolo-Schule einer jungen Garde an. Und die anderen freuen sich bestimmt schon auf die nächste Fasnacht, das nächste Bläsischulhaus-Zügli und vielleicht ja auch aufs nächste Mal „Fasnacht für alli“. Ich werde bestimmt wieder dabei sein.