13/10/2026
Schau genau hin!
Eine winzige Bewegung, ein Sichfallenlassen, ein Vertrauen. Dieser Moment trägt so viel, dass er für mich alles Lebenswichtige enthält. Ich kann immer wieder hinsehen und Neues entdecken. Ich kann dabei tief dankbar und gleichzeitig traurig sein. Liebe ist da, und Verbundenheit, eine Nähe, die keine Worte braucht, weil sie sich selbst erklärt. Aber wer genau hinsieht, sieht auch das andere. Hoffnung, die sich an eine Schulter lehnt. Schmerz, der mitschwingt.
Einen Abschied, der sich ankündigt, auch wenn niemand ihn aussprechen mag. Und mitten in alledem, unerklärlich fast, Frieden.
Dieses Bild ist eine stille Widerlegung all dessen, was man Truten über Jahrzehnte abgesprochen hat. Es zeigt, wie komplex, wie klug, wie tief empfindsam diese Tiere sind, und wie wenig Menschen ihnen zutrauen, obwohl sie es längst besser wissen könnten. Truten lieben, Truten feiern, Truten lehren. Sie wollen die Welt erleben, nicht nur überleben. Sie spielen, sie suchen Gesellschaft, sie pflegen Freundschaften, die über Jahre halten, und sie nehmen teil an allem, was um sie herum geschieht, auch an unseren menschlichen Realitäten, an unserer Zuwendung, unserer Abwesenheit, unserer Stimmung, unseren Fragen.
Und sie trauern. Wenn eine Freundin, ein Freund stirbt, verstummt etwas in ihnen, das man von aussen sehen kann, wenn man bereit ist, es zu sehen. Sissi und Viktor sind in einem Körper, der eigentlich für Bewegung gemacht wäre, für Neugier, fürs Erkunden, und der ihr nun, gezüchtet auf Masse statt auf Leben, immer öfter den Dienst verweigert. Sie versteht nicht, warum. Sie spürt nur, dass etwas nicht mehr geht, was früher ging, und lehnt sich an Viktor, weil Nähe manchmal die einzige Antwort ist, die bleibt, wenn der Körper keine mehr gibt.
Wieso tun Menschen hochsensiblen Tieren so etwas an. Wieso sehen sie nicht, wer in Sissi und Viktor steckt, welche Tiefe, welches Gefühl, welches Recht auf ein eigenes Leben.
Vielleicht, weil sie sich selbst nicht sehen. Weil in einer Welt, die auf Tempo und Distanz gebaut ist, das Sehen selbst verlernt wurde, das wirkliche Hinschauen, das Sichberührenlassen von einem anderen Wesen. Wer verlernt hat, in Verbindung zu gehen, mit sich selbst, mit den Menschen um sich herum, dem fällt es leicht, auch das Leiden eines Tieres zu übersehen. Nicht aus Bosheit, sondern aus Übung im Wegschauen.