22/04/2026
Am Freitag 12. Juni haben wir Tinu Heiniger bei uns zu Gast. In seinem neuen Buch »Geradewegs dem Erdinnern zu« erzählt der gebürtige Emmentaler unverfroren aus einem Leben voller Geschichten. Wir freuen uns auf die Begegnung und musikalische Lesung!
«Mitten aus dem Herzen geschrieben»
(Pirmin Bossart im Kulturtipp)
Der Sänger und Liedermacher Tinu Heiniger feiert mit einer illustren Revue-Band seinen 80. Geburtstag. In seinem neuen Buch erzählt der gebürtige Emmentaler unverfroren aus einem Leben voller Geschichten.
Kaum haben wir uns in einem Restaurant in der Stadt zum Kaffee hingesetzt, staunt Tinu Heiniger beim Blick durchs Fenster. «E lueg, esch das nid mini Frou?» Maja ist nur zufällig auf Durchreise. So lernt der Journalist innert Minuten die Heinigers kennen, die er im Leben noch nie getroffen hat. Nicht einmal den national bekannten Tinu, der seit 1976 als eigenwilliger Mundartsänger und Liedermacher unterwegs ist.
«Es schysst mi aa» hiess sein Debut und verwies auf eine Welt, in der sich Unzufriedenheit nicht nur regte, sondern auch unverblümt artikulierte. Tinu Heiniger hat über 20 Alben veröffentlicht. Früh inspiriert von Polit-Sängern wie Franz-Josef Degenhardt oder Hannes Wader schrieb er Dutzende von Liedern, in denen er pointiert registrierte und kritisierte und die kleine Welt mit ihren Menschen und Situationen nicht minder liebevoll charakterisierte.
Dass ihn ausgerechnet Polo Hofer mal als «Jammeri» bezeichnete, hat Heiniger getroffen. Das bekennt er in «Geradewegs dem Erdinneren zu», seinem neuen und dritten Buch. «Vielleicht hat der Sauhund ja recht und bohrt mit dem «Jammeri» in einer alten Wunde», schreibt Heiniger. Dass einer so offen und ehrlich von seinen Gefühlen erzählen kann, ist die eigentliche Sensation dieses kleinen Bandes, den man in einem Zug durchliest.
In seinen «Erinnerungsskizzen» begegnen wir nicht nur Musikern wie Büne Huber, Stephan Eicher, Küre Güdel, Schifer Schafer oder Hank Shizzoe. Heiniger erzählt wunderbar anschaulich auch von seiner schwierigen Kindheit mit einem Vater, der ihn verprügelte, oder von seinen späteren Erfahrungen und Kursen mit spirituellen Lehrern und Lehrerinnen. Das prägte seine Persönlichkeit und unterstützte ihn, diesen Tinu zu werden, der im Hier und Jetzt so entwaffnend auch das Schwierige nicht ausblendet, das ein Leben durchzieht.
Aus Anlass seines 80.Geburtstags tritt er anfangs April an zwei (bereits ausverkauften) Abenden im Casino Theater Burgdorf auf. Begleitet wird er von einigen bekannten musikalischen Weggefährten, mit denen er für Albumproduktionen und an Live Gigs zusammenarbeitete. Danach folgen musikalische Lesungen in Bibliotheken, Buchhandlungen und Kulturhäusern. Heiniger wird es nicht langweilig. Es gibt auch keinen Grund dazu.
Sein Gwunder und seine Ausdrucksfreude sind frisch geblieben. «Ich habe mich ein Leben lang immer bewegt. Ich gehe regelmässig in den Wald, mache meine Rassel-Rituale, spiele meine Instrumente, bin gerne mit meinem Sohn und meinen Enkelkindern zusammen.» Beziehungen seien das Wesentliche in seinem Leben, jetzt im Alter noch stärker. «Nicht nur zu den Menschen, auch zu den Tieren, Pflanzen, zur Natur.» Dass er nun 80 ist, nimmt er gelassen zur Kenntnis. Er habe kein Gefühl für dieses Alter, sagt Tinu, als wir zum Bahnhof aufbrechen. «Ich weiss nicht, wie das ist.» Ein kurzer Seitenblick, man glaubt es ihm sofort.